Marion Gentges (rechts) ist kurz nach 18 Uhr in einer Live-Schalte der ARD zur Wahlparty der CDU in Stuttgart zu sehen. Foto: ARD

Marion Gentges (CDU) gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis – ist aber enttäuscht über die Niederlage der Landes-CDU. Den Sieg der Grünen feiert Sandra Boser im Stillen.

Unsere Redaktion hat am Sonntagabend auf den Wahlpartys der Parteien im Wahlkreis Stimmen gesammelt.

 

Sandra Boser (Grüne): Das Gespräch mit unserer Redaktion am Sonntagabend um 20.04 Uhr führt Boser von zu Hause aus. Von Partys am Wahlabend hält sich die Grünen-Kandidatin lieber fern, sagt sie, das sei doch zu nervenaufreibend. „Natürlich bin ich sehr froh über das vorläufige Ergebnis“, so Boser. „Das ist insbesondere auf Bundesebene sehr positiv, dass Baden-Württemberg seine grüne Tradition fortsetzt.“ Mit Sorge blickt sie aber auf die SPD.

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„Das voraussichtliche Ergebnis ist keines, das der Partei gerecht wird“, und weiter: „Auch das Ergebnis der AfD ist besorgniserregend, aber noch ist der Endspurt nicht erreicht.“ Den restlichen Wahlabend verbringt sie auf der Couch zu Hause. „Natürlich laufen die Hochrechnungen im Fernseher und meine Söhne rufen die ganze Zeit an.“ Es sei eine nervenaufreibende Wahl, „aber der Kreis steht klar hinter Cem!“

Marion Gentges (CDU): Als unsere Redaktion die CDU-Politikerin kurz nach 20 Uhr am Telefon erreicht, sitzt sie gerade im Auto und ist unterwegs von Stuttgart nach Ettenheim, wo sie bei der Wahlparty der hiesigen CDU im Winefeldsaal erwartet wird. Die Gefühle sind gemischt bei Gentges: Um diese Zeit steht bereits praktisch fest, dass sie das Direktmandat im Wahlkreis gewinnen wird – gleichwohl hat sie die sich abzeichnende Niederlage der Landes-CDU zu verdauen. Die Enttäuschung darüber ist ihr anzumerken.

Leider seien in der Endphase des Wahlkampfs die Sachthemen in den Hintergrund und „ein Uralt-Video“ in den Vordergrund gerückt, so Gentges. Eine Anspielung auf das „Rehaugen“-Interview des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel, das vor wenigen Wochen von einer Abgeordneten der Grünen lanciert worden war. Diese Art der Wahlkampfführung hat ihr überhaupt nicht gefallen, daraus macht Gentges keinen Hehl.

Angesprochen auf ihren persönlichen Erfolg im Wahlkreis, betont sie, das sie ihren zahlreichen Unterstützern „von Herzen“ danke. Sie habe viel Präsenz vor Ort und dabei echtes Interesse an den Menschen und den Themen, die sie bewegen, gezeigt. Auch ihre gute Arbeit als Justizministerin sei von den Wählern honoriert worden, freut sich Gentges.

Benjamin Rösch (AfD): Um kurz nach 19 Uhr herrscht bei den knapp 20 AfD-Mitgliedern und -Sympathisanten, die den Wahlabend in der Geschäftsstelle der Partei in der Burgheimer Straße in Lahr verbringen, keine große Euphorie – obwohl die AfD die höchsten Zugewinne aller Parteien bei dieser Wahl erreicht hat. Auf einem Laptop, den Direktkandidat Benjamin Rösch bedient, und einem Großbildschirm ist gerade die neueste Hochrechnung der ARD zu sehen, die die Grünen als Wahlsieger ausweist. „Jetzt haben wir den gleichen Mist wie bisher“, sagt ein Mann leicht konsterniert. Auch Rösch ist bedient, „es ist erschreckend, dass so viele die Wirtschaftsfeindlichkeit der Grünen gewählt haben“.

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Aus Sicht des AfD-Mannes ist es aber noch nicht ausgemacht, dass die Grünen auch tatsächlich an der Regierung bleiben. „Die bürgerlichen Parteien haben im neuen Landtag eine Mehrheit, die CDU wird sich erklären müssen, wenn sie sie nicht nutzt“, denkt er an eine Koalition aus CDU und AfD. Über das Ergebnis seiner Partei, die vor wenigen Wochen in den Umfragen noch vor den Grünen gelegen hatte, sagt Rösch: „Ich hatte mir ein wenig mehr erhofft.“

Beim Besuch unserer Redaktion auf der Wahlparty der AfD liegen noch keine Ergebisse aus dem Wahlkreis vor. Das ist gegen 20.40 Uhr anders, mittlerweile steht fest, dass Rösch das Direktmandat nicht gewonnen hat, trotz einer starken AfD gerade in Lahr. „Ich gratuliere Frau Gentges zum Direktmandat und freue mich über ein persönlich gutes Ergebnis“, so Rösch. Geben ihm die AfD-Zugewinne in Lahr Rückenwind für eine mögliche Kandidatur bei den OB-Wahlen im kommenden Jahr in der Stadt? „Ja, es ist auf jeden Fall ein großer Vertrauensbeweis der Wähler“, so seine Antwort.

Kai Schröder-Klings (SPD): Um 18 Uhr ist die Stimmung bei der Wahlparty der SPD im Bistro Wolkenkratzer angespannt. Mit ernsten Gesichtern blicken Kai Schröder-Klings und seine Mitstreiter auf den Bildschirm. Erste Hochrechnungen verheißen nichts Gutes für die SPD. „Wir sind von den Prognosen sehr enttäuscht und befürchten ein historisch schlechtes Ergebnis“, sagt Schröder-Klings. Von seinen Parteifreunden kommt moralische Unterstützung, neben ihm sitzen der Ortsvereinvorsitzende Sino Boeckmann, Alt-OB Wolfgang G. Müller, Fraktionsvorsitzender Roland Hirsch, der ehemalige Landtagsabgeordnete Walter Caroli und der Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner.

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Als sich die negativen Prognosen verfestigen, spricht Schröder-Kling zu den Besuchern: „Das Ergebnis ist ernüchternd, es gibt keinen Anlass für positive Emotionen. Ich habe keine Zweifel daran, dass unsere inhaltlichen Themen und Lösungen richtig sind. Leider konnten wir nicht zu den Menschen durchdringen. Wir müssen alles aufarbeiten und positiv in die Zukunft blicken. Wir haben ein Fundament, auf das wir aufbauen können.“

Jana Kühl (Linke): Kühl verbringt den Wahlabend in Stuttgart. Beim Telefonat mit ihr ist das Feiern ihrer Parteikollegen im Hintergrund zu vernehmen. „Dafür, dass in Lahr und Umgebung viel rechts gewählt wird, ist das ein super Ergebnis“, freut sich Kühl. Jedoch: Die Linke verfehlt den Einzug in den Landtag. Trotzdem ist es für Kühl keinesfalls eine verlorene Wahl, sagt sie jedenfalls: „Wir haben an fast 140 000 Türen geklopft und einen Wahlkampf gemacht, der aus Sicht der Linken keinesfalls einen Verlust darstellt“, so die Kandidatin. Es sei durchaus positiv zu bemerken, dass ihre Partei mit ihren Themen Miete und mehr Lohn einen „Fuß in die politische Tür“ bekommen habe.