Simmozheimer Bürgermeister Stefan Feigl reflektiert über 2025 und wirft einen Blick auf 2026. Laut Feigl ist die Wohlstandsgrenze in unserem Land erreicht.
Stefan Feigl ist bereits seit 2016 Bürgermeister in Simmozheim. Auch in diesem Jahr blickt er im Interview mit unserer Redaktion auf das vergangene Jahr zurück.
Mit Blick auf 2026 merkt er an, dass die Hermann-Hesse-Bahn – anders als für Gemeinden wie Althengstett – für Simmozheim nicht nur Grund zur Freude ist, sondern auch eine Gefahr für das lokale ÖPNV-Angebot.
Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Gemeinde? Und warum oder warum nicht? Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Gemeinde?
Für Simmozheim war 2025 insgesamt ein gutes Jahr. Wir konnten mit der Fertigstellung der Erschließungsbauarbeiten des Neubaugebiets Mittelfeld III mit neuem Kreisverkehr und Naturspielplatz auch das zweite Schlüsselprojekt unseres Gemeindeentwicklungskonzeptes abschließen. Ein Wermutstropfen war allerdings der Brandschaden im neuen Bürgerzentrum, der uns bei der neuen Ortsmitte etwas zurückgeworfen hat. Aber auch das bekommen wir hin.
Welches Projekt wird für Ihre Gemeinde 2026 das wichtigste sein?
Die Fertigstellung der gemeindlichen Gebäude und Freianlagen, Wege und Plätze in der neuen Ortsmitte, welche die Gemeinde auch finanziell nochmals fordern wird. Auch der Neubau des Gesundheitszentrums mit Zahnarztpraxis und vielleicht sogar weiteren medizinischen Dienstleistungen (Investorenprojekt) stellt einen Meilenstein für unsere neue Ortsmitte dar.
Was wird 2026 die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?
Einen Investor für die noch fehlenden Projekte „Betreutes Wohnen“ und „Pflegewohngemeinschaft mit Tagespflege“ auf den verbliebenen Bauplätzen in der Ortsmitte zu finden. Dann wäre unser Nutzungskonzept für die neue Ortsmitte perfekt umgesetzt. Mit der Standhaftigkeit und Weitsicht, die unser Gemeinderat bei dem Gesamtprojekt bislang bewiesen hat, werden wir auch diese Herausforderung früher oder später gemeinsam bewältigen.
Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Aufgrund der geografischen Lage der Gemeinde Simmozheim birgt die Hesse-Bahn für uns in erster Linie die Gefahr, dass die bisherige sehr ordentliche Busverbindung insbesondere nach Weil der Stadt ausgedünnt wird. Das darf nicht passieren und würde das ÖPNV-Angebot für unseren Ort konterkarieren. Wir sind dazu nun schon seit fast zehn Jahren im Austausch mit dem Landratsamt und ich bin sehr froh, dass man sich dort um gute Lösungen auch für unsere Gemeinde sehr bemüht.
Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein - mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?
Mir macht mein Beruf nach wie vor Freude und das wird auch so bleiben, solange die Entwicklung in unserer Gemeinde vorangeht. Auch andere Berufe sind herausfordernd. Letztlich zählt das Ergebnis und wenn erreicht ist, was man sich vorgenommen hat, kann man den Staffelstab dann auch getrost weitergeben.
Egal ob Windräder, Baugebiete oder Mobilfunkmast - immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florian-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ („nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?
Legitim ist eine sachliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themen. Gegenseitiger Respekt und Toleranz für die jeweils andere Meinung sollte dabei selbstverständlich sein. Wir versuchen dies gerade in unserem Begleitkreis zum Bürgerentscheid über die Verpachtung gemeindeeigener Flächen im Vorranggebiet WC 4 (Gerechtigkeitswald) für die Windenergie, der am 08.03.2026 stattfindet, zu praktizieren. Damit wollen wir auch zeigen, dass es möglich ist, in der Sache zu streiten, ohne dass eine Spaltung der Gesellschaft im Ort zurückbleibt.
Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?
Die Bürger sind keine homogene Gruppe. Ich erlebe Bürger, die sich reflektiert mit der momentanen Situation auseinandersetzen und andere, die glauben, alles läuft so weiter wie bisher. Aus meiner Sicht ist in unserem Land die Wohlstandsgrenze erreicht und es geht jetzt darum, dieses Level so gut wie möglich zu sichern. Neue Ansprüche und Forderungshaltungen passen dazu jedenfalls nicht.
2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?
Dass sie die Kommunen als eigenständige Basis unseres Gemeinwesens stärkt und die Spielräume für kommunale Entscheidungen erhält. Dazu ist eine ausreichende Finanzausstattung notwendig.