Der Krieg im Nahen Osten sorgt auch im Kreis Freudenstadt für Verunsicherung und stellt die Reisebranche vor große Herausforderungen. Das sagen Reisebüros zur aktuellen Situation.
Wegen des Krieges im Nahen Osten sitzen derzeit viele Reisende fest – darunter auch Gäste der „Schweizer Reisen Verkehr & Touristik“ in Waldachtal. Etwa zehn Personen aus der Region sitzen derzeit auf der „Mein Schiff 5“ im Hafen von Doha fest, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Schweizer auf Anfrage unserer Redaktion. Zwar seien die Urlauber gut versorgt, doch die Unsicherheit über die Rückreise sei groß.
Ebenfalls auf dem Schiff fest sitzt auch der ehemalige Polizeihauptkommissar Jürgen Vogler aus Villingen. „Wir haben hier gutes Essen, die Crew ist sehr zuvorkommend – wir dürfen uns eigentlich nicht beklagen“, bestätigt er unserer Redaktion. Dennoch mache die Situation manchen Passagieren schwer zu schaffen: „Es gibt manche, die furchtbar Angst haben und teilweise weinend in der Ecke sitzen.“ Den Krieg selbst erlebt der Villinger wie folgt: „Am Himmel waren Rauchwolken von den Abschüssen zu sehen“. Und: „Die Kabine vibriert bei den Detonationen.“
Schweizer ist sich sicher, dass die Reiseveranstalter sich darum kümmern werden, ihre Gäste wieder nach Hause zu bringen. Für sie stehe die Sicherheit ihrer Gäste jedoch an erster Stelle, daher werden diese wohl erst dann zurückreisen können, wenn es sicher ist, meint Schweizer. Dabei schätze er persönlich die Lösungsfähigkeit der Reiseveranstalter allerdings höher ein, als die der Bundesregierung.
„Der Umsatzeinbruch wird wohl sechsstellig sein“
Parallel dazu stehen er und sein Team in engem Kontakt mit Kunden, die Reisen in den Nahen Osten gebucht haben, um diese zu stornieren oder auf andere Destinationen umzubuchen, erklärt Schweizer. Die gefragtesten Ziele in seinem Reisebüro seien dabei der „All-Time-Renner“ Spanien, die preiswerte Türkei und Tunesien. Amerika hingegen habe als Reiseziel seit der Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump einen spürbaren Dämpfer erlebt.
Auch die Katz-Touristik in Freudenstadt spüre derzeit eine Stornierungswelle, berichtet Inhaber Stefan Kroll. „Die Osterferien stehen vor der Tür, die perfekte Jahreszeit für einen Urlaub in den Emiraten“ – wäre da nicht der Krieg. Für die Reisebüros bedeutet das nun einen großen Organisationsaufwand und zusätzliche Kosten. „Der Umsatzeinbruch wird wohl sechsstellig sein“, schätzt Kroll die Lage ein. „Aber klar, die Deutschen werden auch dieses Jahr wieder ihren Sommerurlaub buchen“, gibt er sich optimistisch.„Europa wird hier natürlich der Gewinner sein.“
Naher Osten ist „touristisch tot“
Der Nahe Osten ist als Reiseziel laut Schweizers Einschätzung „touristisch tot“ – auch langfristig. Selbst wenn der Konflikt in vier Wochen beendet wäre, wie es der derzeitige Plan von Donald Trump vorsieht – die Menschen seien nun sehr vorsichtig, so Schweizer. Kroll hingegen ist anderer Meinung: „Ich glaube, dass sich Dubai als Reiseziel wieder erholt. Es gibt hier eine sehr gute Hotelqualität zu vernünftigen Preisen“.
Zwar werde die Reisebranche nun kurzfristig einen Dämpfer erleben, doch das Thema Reisen sei ein grundlegendes Konsumentenbedürfnis, ist sich Schweizer sicher. „Die Touristik hat in den letzten Jahren schon viele Krisen gemeistert“, meint auch Kroll. Immerhin habe zumindest der Flugverkehr langsam wieder begonnen. „Wir gehen nun von einer baldigen Rückkehr der Touristen aus“, so Kroll.