FFC-Keeper Harald Heß fängt den Ball vor dem heranstürmenden 08-Torjäger Gerd Klier ab. Foto: Herbert Schroff

Selbst Köche schippen früher im Friedengrund Schnee, damit der damalige "Zweitligist" seine Spiele austragen kann.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, unter welchen Bedingungen der FC Villingen zwischen 1966 und 1972 im Winter zum Teil seine Spiele in der Regionalliga Süd austrug, der damals immerhin zweithöchsten deutschen Spielklasse.

Zu verdanken war das Bemühen der damaligen 08-Führung unter dem Vorsitzenden Paul Riegger. Lediglich zwei Partien fielen in den sechs Jahren Regionalliga den schlechten Platzverhältnissen in der kalten und damals überaus schneereichen Jahreszeit zwischen Oktober und März zum Opfer.

Mehr als 10.000 Zuschauer

Ansonsten ließen die 08-Verantwortlichen nichts unversucht, den Mannschaften einen bestens präparierten Platz und den manchmal mehr als 10.000 Zuschauern schneefreie Ränge im Friedengrund zu bieten.

Viele Soldaten

Dazu waren die Nullachter auf die Hilfe vieler Freiwilliger angewiesen, die zum eifrigen Schippen antraten. Auf dem Spielfeld wurde die weiße Pracht nicht selten von Lastwagen abtransportiert – oder gar mithilfe einer Straßenwalze verdichtet. Aber auch auf die Unterstützung der damals in Villingen stationierten französischen Garnison konnte sich der FC 08 verlassen. Die Militärs halfen mit ihrem Schneepflug und vielen Soldaten oftmals ganz kurzfristig. Sie verhinderten so eine mögliche Spielabsage in der am höchsten gelegenen Regionalliga-Stadt Villingen.

Rekordkulisse

Gerade in der Saison 1969/70 schlug der Winter im Schwarzwald besonders schneereich zu – ausgerechnet als am 4. Januar 1970 das große DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV (1:3) auf dem Programm stand. Doch der unglaubliche Einsatz aller Beteiligter sorgte ungeachtet großer Schneemassen dafür, dass die Partie vor der Rekordkulisse von 16 000 Besuchern im Friedengrundstadion über die Bühne gehen konnte.

Der nächste Kraftakt

Doch dies sollte nicht der einzige Kraftakt in der Rückrunde bleiben. Als Anfang März 1970 das stets brisante und heiß umkämpfte Südbaden-Derby gegen den Freiburger FC auf dem Programm stand, präsentierte sich der Friedengrund erneut als verschneite Winterlandschaft. Während er beim HSV-Spiel zum lange geplanten Urlaub in Kenia geweilt hatte, übernahm Paul Riegger beim FFC-Spiel selbst die Leitung der Räumaktion. Dazu nutzte er auch seine hervorragenden Kontakte zum Parkhotel um Chef Schmied. Der trieb sein Servicepersonal – samt Köchen – am Morgen vor der Partie zum Schippen in den Friedengrund.

Am Nachmittag wollten sich dann 8000 Zuschauer das Duell gegen die Breisgauer auf Schneeboden nicht entgehen lassen. Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen. Der FFC ging gegen die überlegenen Villinger zwar in der 41. Minute durch Siebert 1:0 in Führung, doch die Gastgeber schlugen im zweiten Durchgang noch zurück. Erst traf Hohnhausen in der 81. Minute zum 1:1. 30 Sekunden vor dem Abpfiff setzte Schrodt den Ball aus spitzem Winkel zum umjubelten Villinger 2:1 Netz. Der erste Sieg in einem Punktspiel gegen den Dauerrivalen Freiburger FC war perfekt.

Nach dem Abpfiff stürmten die begeisterten 08-Anhänger aufs Feld, um ihre "Helden" zu feiern.

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