Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Zweiwöchige Quarantäne Betroffene berichten von der Situation

Von
Der Bad Wildbader Bürgermeister Klaus Mack hat die Zeit in Quarantäne in seinem Homeoffice gut überstanden. Foto: Mack

Zwei Wochen lang war der komplette Gemeinderat, die Amtsleiter der Stadt Bad Wildbad inklusive Bürgermeister Klaus Mack sowie die weiteren Besucher der jüngsten Gemeinderatssitzung in Quarantäne. Eine Gemeinderätin war nach der Sitzung positiv getestet worden. Wir haben bei einigen Betroffenen nachgefragt, wie sie die Situation überstanden haben.

Bad Wildbad - Es war der Sonntag nach der vergangenen Gemeinderatssitzung, an dem Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack hektisch telefonieren musste, anstatt die Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Er informierte die Anwesenden nach Rücksprache darüber, dass sie ab sofort in Quarantäne gesetzt seien.

Mack selbst konnte die Zeit im Homeoffice gut überbrücken. "Nachdem ich gleich zu Beginn der Quarantäne negativ auf Covid-19 getestet wurde, war es natürlich deutlich entspannter", teilt er auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten mit. Er sei aber "von Anfang an von unserem Hygienekonzept überzeugt" gewesen und deshalb nicht von einer Ansteckung ausgegangen. Aber er fügt an: "Es ist insgesamt schon ein beklemmendes Gefühl, zu wissen, man darf keinen Fuß vor das Grundstück setzen."

Digitale Amtsgeschäfte

Von seinem privaten Büro aus konnte er sich auf den dienstlichen Rechner einwählen und so alle digitalen Amtsgeschäfte gut erledigen. "Die Hauspost brachte jeden Morgen unser Amtsbote Edwin Mössinger vorbei und holte die bearbeitete Post ab", erzählt der Bürgermeister weiter. Da im Moment die meisten Sitzungen ohnehin per Videokonferenz stattfinden, sei es gut möglich gewesen, von zu Hause aus zu arbeiten. Mit den Amtsleitern stand er ebenfalls regelmäßig per Video in Kontakt. Deshalb ist er überzeugt: "Wir waren arbeitsfähig. So haben wir die Zeit gut überstanden."

Vermisst hat Mack allerdings die persönlichen Kontakte. Und er hat aufgrund der Situation, dass trotz Hygienekonzept alle in Quarantäne mussten, eine Konsequenz gezogen: "Als Konsequenz werden wir die nächste Gemeinderatssitzung digital abhalten und auf Ausschusssitzungen verzichten."

Kontakt zu den Menschen fehlt

Dem scheidenden SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bad Wildbader Gemeinderat, Bruno Knöller, sind soziale Kontakte sehr wichtig. "Ich treffe gerne Leute, nehme sie am liebsten in den Arm". Das gehe natürlich derzeit sowieso nicht, aber der Kontakt zu den Menschen fehle ihm. Dennoch hat er seine Quarantäne-Zeit gut rumgebracht und "viel geschlafen, gelesen und gequizzt".

Er bezeichnet die verhängte Quarantäne als "sehr übervorsichtig, sie hat aber zumindest niemand geschadet". Außer vielleicht den Selbstständigen, die es schwer gehabt hätten, alles zu organisieren, schränkt er ein. Die fürsorgliche Verwandtschaft habe ihm jeden Tag das Essen vor die Tür gestellt und das (gespülte) Geschirr wieder abgeholt. "Das war wie im Gefängnis, aber sehr liebevoll", erzählt er schmunzelnd.

Planung für alle Beteiligten schwierig

Bereits vor der Quarantäne war Rita Locher, die Vorsitzende der FWV/FDP-Fraktion im Gemeinderat, mit ihrem Veranstaltungsservice schwer von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gebeutelt: "Die Corona-Pandemie hat die Catering- und Event-Branche schwer getroffen. Das letzte halbe Jahr war geprägt von Absagen und Verschiebungen von physischen Events zu Anfang des Lockdowns, gefolgt von Hoffnung nach ersten behördlichen Lockerungen im Mai und Juni. Die aktuell neuen Maßnahmen des Lockdowns, mit denen auch weitgehende Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich verhängt wurden, machen eine Planung für alle Beteiligten schwierig. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen bis ins kommende Frühjahr spürbar sind und sich die Catering- und auch die Event-Branche nur langsam von den Folgen erholen wird."

In der Zeit der Quarantäne konnte sie dann ihre berufliche Tätigkeit überhaupt nicht ausüben. Deshalb hat sie sich in diesen Tagen "vermehrt mit möglichen Alternativen zur Durchführung von Events auseinandergesetzt". Sie setzt sich mit der durch Corona voranschreitenden "Digitalisierung von Events" auseinander und will prüfen, ob "diese neuen Eventformate für uns und Bad Wildbad eine Alternative darstellen".

Zeitfenster für ehrenamtliche Tätigkeit

Viele Zeitfenster habe sie zudem für ihre ehrenamtliche Tätigkeit nutzen können, etwa für Kreistag, Gemeinderat und den Verein Mukoviszidose. Ansonsten habe sie die Quarantäne (natürlich) zu Hause verbracht und bereits die ersten Sonnenstrahlen genutzt und im Garten letzte herbstliche Arbeiten verrichtet, den Garten winterfest gemacht "und mich so in frischer Luft bewegt". Ansonsten habe sie versucht Dinge anzugehen, die sie bislang vor sich hergeschoben hat: Schränke ausgemistet, mit Freunden länger als bisher telefoniert und ausgiebig die Tageszeitung gelesen.

Aus ihrer "bisher gesammelten Lebenserfahrung im Umgang mit Schicksalsschlägen habe ich eine gewisse Willensstärke und Motivation entwickelt, die mir hilft, neue Herausforderungen mit einer optimistischen Grundhaltung zu akzeptieren", teilt Locher weiter mit. Dies habe ihr auch in der Zeit der Quarantäne geholfen, um mit Kreativität, einer gewissen Genügsamkeit und mit Gelassenheit durch diese Zeit zufrieden und ausgeglichen zu kommen. Trotzdem ist sie dankbar, dass sie am Mittwoch "nach der Quarantäne wieder meine Joggingschuhe schnüren kann, um eine Runde an der frischen Luft zu laufen".

Am Ende der Quarantäne geht es Jochen Borg (CDU) "gut, fühle mich prima und ausgeruht. Auch freut es mich, dass ich außer mit dieser Quarantäne nicht von Corona betroffen bin. Ich hoffe, dass dies auch so bleiben wird." Er hat den Garten besonders zu schätzen gelernt, "in Gedanken an die Menschen, welche diese Möglichkeit nicht haben und zum Beispiel eine Quarantäne-Anordnung in einer kleinen Wohnung ohne Balkon in der Großstadt verbringen müssen."

Keine Langeweile kam auf

Langweilig sei es ihm zu keiner Zeit gewesen, vielmehr habe er Dinge aufarbeiten können, die im Alltag zu Hause liegen geblieben seien.

Aufgefallen sei ihm, "wie sich der normale Lebensrhythmus schlagartig verändern kann. Plötzlich ist man trotz aller Vorsicht doch Corona-Betroffener, plötzlich ist man aus dem normalen Alltagsleben gerissen. Plötzlich muss man zu Hause bleiben und dies bei mir, als jemand, welcher gerne unterwegs ist und viel mit Leuten in Kontakt ist. Auf einmal kann man nicht mehr spazieren gehen oder gar mit dem Fahrrad fahren".

Am vergangenen Mittwoch habe er einen Corona-Test gemacht. Zwar habe er sich immer fit gefühlt, "aber der Test war mir zur Sicherheit bezüglich meines familiären Umfeldes sehr wichtig", betont er. Das sei eine spannende Sache gewesen und "ich war überglücklich, das der Test negativ ausfiel".

Im Familienbetrieb sei der Regelbetrieb im Büro und Geschäft gewährleistet gewesen. Vieles werde sowieso per Telefon oder E-Mail geregelt. Natürlich habe er seiner Hauptaufgabe, Kunden zu besuchen, nicht nachkommen können. "Kundenbesuche und sonstige Termine wurden verschoben und werden nachgeholt. Neue Termine wurden gleich ab Quarantäne-Ende gelegt. Aber es fühlt sich schon komisch an, wenn man nicht einmal mehr in seinen eigenen Betrieb darf."

Artikel bewerten
4
loading

Sonderthemen

 

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

Ihre Redaktion vor Ort

Bernd Mutschler

Fax: 07051 130891

Top 5

2

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.