Der Künstler Karl Hurm († 2019) aus dem kleinen Weildorf hat es mit seinen phantastischen Bilderwelten zu internationaler Anerkennung gebracht. Foto: Reiband

Überwältigt waren Studierende der Universität Köln nach einem zweitägigen Aufenthalt in Haigerloch. Sie erschlossen sich die fantastischen Bilderwelten des Weildorfer Künstlers Karl Hurm.

Haigerloch.-Weildorf/Köln - Die Forschungsgruppe um Dozentin Sophie-Luise Mävers hatte sich auf die Reise vom Rhein an die Eyach gemacht, um sich im Rahmen des Seminars mit dem Titel "Naive Kunst? Die Bildwelten von Karl Hurm zwischen magischem Regionalismus und Phantastik" mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Magdalene Kessler, Tochter des verstorbenen Künstlers, und ihr Ehemann Wilfried empfingen und begleiteten die Studierenden an beiden Tagen und standen ihnen Rede und Antwort.

Angetrieben von der Frage, ob seine Kunst tatsächlich "naive Kunst" ist, setzten sie sich intensiv mit dem Œuvre von Karl Hurm auseinander – und bewältigten dabei ein umfangreiches Programm. Zunächst nahmen sie im Kunstmuseum Hurm in der Ölmühle die zahlreichen dort ausgestellten Werke in Augenschein und suchten sich ein "Lieblingsbild" heraus. Diese Anforderung gemeistert, ging es in die Bildwelten hinein: Welche Motive zeigen sich? Wie ist der Bildaufbau und welche Interpretation ist möglich?

Beeindruckt vom Bildermeer im Privathaus

Am zweiten Tag folgte der Besuch des Privathauses des verstorbenen Malers in Weildorf. Diese exklusive Einladung beeindruckte die Gruppe aus Köln sichtlich. Alle waren sich einig, dass man Karl Hurms Schaffenswerk erst so richtig versteht, wenn man das Bildermeer gesehen hat, das die Wände in seinem Haus schmückt.

Die Gruppe machte sich an beiden Tagen daran, Hurms Werke zu kategorisieren. Schnell stellten die Studierenden fest, dass nichts in den Bildern dem Zufall überlassen ist. Deren Farbe, so ihr Eindruck, sind zwar meist monochrom, das wirkt aber keinesfalls eintönig. Man erkenne deutlich Jahreszeiten und Farbenspiele.

Die Bilder weisen aus Sicht der Studierenden zahlreiche Details auf, enthalten Widersprüche und Irritationen, sind aber auch voller Humor. Genau darin liegt ihre Faszination.

Vergleich mit Balet und Rousseau

Der Vergleich seiner Arbeit mit anderen naiven Malern wie beispielsweise Jan Balet oder Henri Rousseau stand für die Studierenden ebenso dem Plan: Was macht einen naiven Maler aus? Welche Ähnlichkeiten liegen vor? Und, gibt es gegenseitige Beeinflussungen?

Sophie-Luise Mävers selbst ist Karl Hurm zu den dessen Lebzeiten noch begegnet. Die promovierte Kunsthistorikerin hat sich intensiv mit seinem Werk auseinandergesetzt und will es auch weiter tun. Eine ihr bekannte Hurm-Privatsammlung in Göttingen, die den Ausgangspunkt des Seminars bildete, könne mit dem Besuch in Haigerloch noch besser verstanden und eingeordnet werden – das Seminar erarbeitet zu den 120 Werken aus Göttingen einen Bestandskatalog, um die Malereien langfristig der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich zu machen.

Hurms Werk in digitaler Form zugänglich machen

Wie stellt man eine solche faszinierende Arbeit jedoch angemessen aus? Auch mit solchen kuratorischen Fragen setzten sich die Studierenden auseinander und entwickelten erste Ideen. Digitale Konzepte, um auch junge Menschen anzusprechen und in die Ausstellung einzuladen, sind aus ihrer Sicht unerlässlich. Man müsse einen "eigenen Kanal für die Ausstellung Karl Hurms" finden.

Bürgermeister spricht mit Studierenden

Diese Ergebnisse präsentierten sie dem Haigerlocher Bürgermeister Heinrich Götz, der sich kurz zur Gruppe gesellte und sie in Haigerloch willkommen hieß. Er nahm die Anregungen gerne mit, um sie an entsprechender Stelle weiter zu diskutieren.

Die Studierenden um Sophie-Luise Mävers konnten sich gut vorstellen, dass eine Kooperation vor Ort für beide Seiten gewinnbringend sein könnte und zu einer Weiterentwicklung der Ausstellung Karl Hurms in der Ölmühle beitragen würde.

Die im Hotel Leda untergebrachte Gruppe lernte bei ihrem Ausflug nach Haigerloch aber nicht nur Karl Hurms Werk kennen, sondern auch Hermann-Joseph Speier, Galerist der "Schwarzen Treppe" und ein großer Förderer und Freund des 2019 verstorbenen Künstlers.