Vertreter der Ökostromgruppe und des E-Werks haben ihre Pläne für zwei neue Anlagen auf dem Langenhard vorgestellt. Auch auf die Sorgen aus dem Seelbacher Rathaus wurde eingegangen.
Zwei neue Windkraftanlagen sollen auf dem Langenhard auf Sulzer Gemarkung errichtet werden. Wie bereits berichtet, sollen diese den Windpark Kempfenbühl mit seinen derzeit drei Anlagen ergänzen. Das jetzt avisierte Grundstück gehört der Stadt Lahr. Nun haben Lukas Schuwald, Geschäftsführer der Ökostromgruppe Freiburg, und Martin Wenz, Finanzvorstand des E-Werks Mittelbaden, ihre Pläne im Technischen Ausschuss des Gemeinderats präsentiert.
Der Regionalverband Südlicher Oberrhein möchte das Areal als Vorranggebiet für Windkraft ausweisen. Man habe sich, so Schuwald, angeschaut, wo es in Lahr noch Potenzial gebe. Die nun angedachten Anlagen seien – gemeinsam mit dem Projekt am „Detschel“ – die einzigen, die in Lahr in den kommenden zehn bis 20 Jahren realistisch gebaut werden können.
Noch sind keinerlei Entscheidungen getroffen
„Wir stehen noch ganz am Anfang“, betonte Schuwald im Gremium. Selbst wenn das Projekt reibungslos laufe, dauere es mehrere Jahre, bis eine Anlage in Betrieb gehe – bisher sei aber weder kommunal noch genehmigungsrechtlich eine Entscheidung getroffen. „Wir haben dort oben aber schon alles, was wir für die Windkraft brauchen“, so Schuwald mit Verweis auf die Infrastruktur. Auch habe es seines Wissens innerhalb der vergangenen 20 Jahren keine Beschwerden von Anwohnern gegeben.
Vorgesehen ist der knapp 250 Meter hohe Typ „Enercon E-175 EP 5“. Eine identische Anlage soll 2026 für das „Repowering“ des südlichen Windrads verwendet werden. Mit der Nennleistung von 6000 Kilowatt könnten die Windräder pro Jahr jeweils etwa 13 Millionen Kilowattstunden produzieren – genug, um den jährlichen Stromverbrauch von rund 8600 Haushalten zu decken, wie die Verwaltung in der Sitzungsvorlage betont.
Bislang keine negativen Rückmeldungen aus Sulz
Schuwald präsentierte mehrere Simulationen, die zeigen sollen, wie sich die Anlagen in die Landschaft einfügen würden. Intensiv habe man sich mit dem Gasthaus „Eiche“ am Langenhard beschäftigt. Wenz erklärte, dass Dieter Singler, Leiter der Abteilung Beteiligungen, Betriebswirtschaft und Steuern, OB Markus Ibert und er sich mit der Eigentümerin getroffen haben. „Sie steht dem Projekt sehr offen gegenüber und hat keine Bedenken“, so Wenz. In Gesprächen mit Anwohnern seien ebenfalls keine Bedenken geäußert worden, so Schuwald. Zudem verwies er auf die „100-prozentige lokale Wertschöpfung“. Die Pacht werde in Lahr bleiben, hinzu kämen Zinsausschüttung und Gewerbesteuer.
„Ich finde es nicht schlecht, dass man das Ganze nicht weiter zerstreut“, erklärte Bernd Schmieder (KFWL). Die Sulzer Ortsvorsteherin Nicole Baur habe eigentlich erwartet, dass das Telefon klingle und es auch Beschwerden gebe – gleichwohl habe es aus Sulz bislang nur positive Resonanz gegeben. Auch aus dem Ortschaftsrat sei Befürwortung für den Standort zu hören. Sie bedankte sich für die vorherigen Gespräche mit den Anwohnern: „Das hilft viel.“
„Es ist erst einmal gut, dass die Anlagen gebaut werden sollen, wo es Mensch und Tier nicht betrifft“, so Benjamin Rösch (AfD). Dorothee Granderath (Grüne) freute sich über das Projekt und die regionale Wertschöpfung – und darüber, „dass wir das ohne Krach einfach vernünftig und miteinander umsetzen können.“
Betroffenheit von Seelbach sei derzeit nicht erkennbar
Harald Günther (CDU) nahm dagegen Bezug auf die Situation Seelbachs. Im Vorfeld der Sitzung hatte Bürgermeister Michael Moser im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, dass er von der Stadt und den Vertragspartnern nicht über die Planungen informiert worden sei. Hierzu erklärte Schuwald, dass die Gemarkung Seelbach von dem Projekt nicht betroffen sei. „Die Sichtbeziehung ist praktisch nicht vorhanden.“ Man sei auf der bergabgewandten Seite. Von dem nächsten Seelbacher Gebäude aus sei man etwa anderthalb Kilometer weg. „Die Betroffenheit Seelbachs ist im aktuellen Projekt nicht erkennbar.“ Gleichwohl werde die Gemeinde ins Verfahren einbezogen.
Auf Rückfrage von Roland Hirsch (SPD) zum Eingriff in die Wald- und Naturlandschaft verwies Martin Wenz auf die direkt benötigte Fläche sowie die verbreiterten Waldwege. Es gebe allerdings „mehr als genug“ Ausgleichsmaßnahmen, wie er betonte: „Unterm Strich profitiert die Natur.“
So soll’s weitergehen
Nach Gründung der Energie- und Wärmewendegesellschaft (EWWG) mit E-Werk und Badenova soll laut Verwaltung eine Projektgesellschaft ins Leben gerufen werden, mit der die Projektbeteiligung entwickelt wird.Das soll parallel zur Umsetzung der Windräder erfolgen. Der Lahrer Gemeinderat sowie der Ortschaftsrat Sulz werden sich noch damit befassen.