Das ungewöhnlichste Duett des Jahres wurde in Stuttgart geboren: Die Musiker Ariel Oehl und Tristan Brusch singen in „Bad Cannstatt“ davon, wie sie sich in dieselbe Frau verliebten.
Man muss ja fast froh sein, dass das hier ein Duett geworden ist – und nicht etwa ein Duell: Mit „Bad Cannstatt“ hat der Wiener Sänger Ariel Oehl jetzt einen gemeinsamen Song mit Deutschlands Schauerliedermacher Tristan Brusch veröffentlicht. Und die Geschichte dahinter könnte ungewöhnlicher nicht sein: Beide, Oehl aus Wien und Brusch aus Berlin, verlieben sich in dieselbe Frau aus Bad Cannstatt. Und finden das auf schmerzhafte Weise heraus.
Statt Pistolenduell im Morgengrauen gibt es die ganze Liebeskatastrophe Shakespearschen Ausmaßes jetzt als wunderschöne gemeinsame Single. Oehl lädt Tristan Brusch ein, den Song mitzugestalten, was uns jetzt ein wunderbar tragisches Liebeslied beschert. Dazu gehört ja irgendwie auch Größe. „Von Wien bis Bern, von Bad Cannstatt bis Berlin, der deutsche Sprachraum ist, wenn man Musik macht, kleiner als man denkt“, so Ariel Oehl zur ungewöhnlichen Genesis dieser Moritat. „Sagen wir so, es war keine unsterbliche Liebe, aber genug ‚Crush‘, um mich mit Tristan kurz als Konkurrent in einer romantischen Künstlerfehde zu sehen und kurz danach das gemeinsame Los der erfolglosen Verehrer zu akzeptieren und mit Schwarzwälder Kirschwasser anzuprosten.“
Wer die mysteriöse Bad Cannstatterin war, verrät Oehl natürlich nicht. Wohl aber, was die beiden Künstler an ihr fasziniert hat. „Ihr Name bleibt geheim, aber sie hatte die Eigenschaft, im Gespräch Augenkontakt zu suchen, interessiert zuzuhören, viel zu lachen, und einem das Gefühl zu geben, gesehen und begehrt zu werden. Sie hatte damals ihr Jurastudium fertig, das sie wohl ihren Eltern zuliebe gemacht hatte. und war drauf und dran, in der Entertainmentbranche Fuß zu fassen. Und offenbar“, zuckt er ein wenig lakonisch mit den Schultern, „war sie genau Tristans und mein Typ.“
Wie gewonnen, so zerronnen
Da müssen zwei der spannendsten deutschsprachigen Indie-Musiker also erst nach Bad Cannstatt kommen, um so etwas zu finden. Und dann eben doch wieder zu verlieren. Für eine aufrichtige Liebe zu Bad Cannstatt hat es jedenfalls bei beiden nicht gereicht, denn in Strophe zwei singt Brusch etwa: „Ich weiß nicht mehr genau – Was ich an dir schön fand – Dass du aus Bad Cannstatt kamst – War es nicht.“
Ariel Oehl hat schöne Erinnerungen an Stuttgart
Ariel Oehl sieht das etwas differenzierter – und enthüllt sogar insgeheime Stuttgart-Roots. „Mein Vater hat während meiner Schulzeit viele Jahre im Stuttgarter Westen gelebt, ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit. Die Bauhaus-Geschichte und ein Besuch der Weißenhofsiedlung haben mich sogar fast dazu gebracht, Architektur zu studieren. Letztlich bin ich aber Musiker geworden. Bad Cannstatt habe ich erstmals 2020 mit meiner Band Oehl bereist, als wir im Club Cann gespielt haben.“
Ob die Geheimnisvolle aus Cannstatt damals auch schon unter den Anwesenden war? Fest steht: Aus der Liebe wurde bei beiden nichts. Wohl aber fanden Oehl und Brusch ineinander Freunde. „Nachdem wir erkannt hatten, dass wir recht wenig Chancen auf die große Liebe mit dieser Frau finden würden, haben wir unserem Image als melancholische Künstler alle Ehre gemacht“, so der Wiener, „haben kräftig zusammen getrunken und die ersten Verse für ‚Bad Cannstatt‘ geschrieben.“ Was wir Bad Cannstatt nicht so alles zu verdanken haben.