Pascal Fahrner und Dominik Graf sind absolute Vereinslegenden in Freudenstadt, sie spielten jahrelang bei der SpVgg und erlebten Erfolge und Niederlagen. Sie blieben den Freudenstädtern immer treu und auch der Abschied fiel ihnen schwer.
Bei der SpVgg Freudenstadt nahmen am letzten Spieltag mit der Heimpartie gegen den Meister aus Dornhan zwei Legenden ihren Hut. Pascal Fahrner, Freudenstadts jahrelanger Abwehrchef und Dominik Graf der erfolgreichste Torschütze bei den Kurstädtern, wurden nach dem Spiel gegen die TSF Dornhan im Kreise der Mannschaft offiziell verabschiedet.
In den Worten von Freudenstadts Trainer Elvedin Djekic schwingt eine große Portion Wehmut über deren Karriereende mit: „Was Passi in all den Jahren für den Verein auf dem Platz geleistet hat, ist selten im Amateurfußball und das ist ganz großes Kino. Gleiches gilt für Dome. Die Spielvereinigung ist in all den Jahren für Dome zu seinem Heimatverein geworden und das macht mich stolz. Beide werden wir nicht eins zu eins ersetzen können. Ich hoffe, dass beide mit etwas Abstand sich wieder im Verein engagieren. Vielleicht auch als Trainer .“
Hallo Pascal, hallo Dominik: Dass ihr beide zur gleichen Zeit eure sportliche Laufbahn beendet, ist doch kein Zufall? Habt ihr euch abgesprochen, und wie ging es euch nach dem letzten Spiel?
Pascal Fahrner: Abgesprochen war es tatsächlich nur minimal als ich meine Entscheidung getroffen habe. Da habe ich mit Domi besprochen was er vorhat nach der Runde und ihm meine Entscheidung mitgeteilt, und so ist es ein toller gemeinsamer Abschied für uns beide geworden. Nach dem Spiel, beziehungsweise bei der Auswechslung war es natürlich super emotional mit der einen oder anderen Träne. Sogar sehr viele und viele nette Worte ehemaliger Weggefährten und Emotionen pur.
Dominik Graf: Tatsächlich nicht. Wir hatten es ein paar Mal davon gehabt aber ausgemacht war es nicht. Bei mir ist das Thema Karriereende schon etwas länger im Kopf.
Erfahrungen in der Landesliga
Erinnert ihr euch noch an die Anfänge bei den Aktiven und unter welchem Trainer ihr erstmals das Aktiventrikot übergestreift habt? Bei Dir, Dominik, noch für deinen Heimatverein SV Wittendorf.
Pascal: Gerd Kohler hat mich als A-Jugendlicher mit trainieren lassen und im Folgejahr in die Erste geholt. Dort habe ich meine ersten Erfahrungen in der Landesliga sammeln dürfen. Ich war aber noch sehr unerfahren und durfte häufig in der Zweiten ran, wo ich lernen konnte was aktiver Fußball bedeutet. Erst im nächsten Jahr kam ich regelmäßig in der Ersten zum Einsatz.
Dominik: Ja ziemlich gut sogar. Bei mir war es recht kurzfristig, da ich Sonntags morgen vom damaligen Trainer Bernd Störzer angerufen wurde und gefragt wurde ob ich nicht Bock hätte mit zu gehen. Dass war sozusagen der Startpunkt zu den Aktiven, denn zu diesem Zeitpunkt war ich noch in der A-Jugend (bei der SG Herzogsweiler-Durrweiler, Anm. der Redaktion).
Pascal, Du hast insgesamt 28 Jahre für die SpVgg Freudenstadt gespielt, vor allem ununterbrochen und zuvor alle Jugendmannschaften durchlaufen. Viermal bist du Meister geworden und zweimal hast du den Bezirkspokal geholt. Welcher Erfolg oder welches Spiel ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Pascal: Den einen Erfolg gibt es gar nicht. Ich hatte das Glück die mit erfolgreichsten Jahre der Spvgg mitzuerleben. Die vielen Jahre in der Landesliga, wfv-Pokalspiele gegen Stuttgarter Kickers und SSV Reutlingen bei uns im Stadion vor super vielen Zuschauern, die Meisterschaften und Pokalsiege. Zweimal sogar das Double oder der Klassenerhalt im Relegationsspiel in Pfalzgrafenweiler gegen Croatia Reutlingen, sind alles Highlights.
Pascal, im Gegensatz zu Dominik bist du immer deinem Heimatverein treu geblieben. In guten sowie in schlechten Zeiten. Was waren die Gründe dafür?
Pascal: Ich hatte immer alles was ich gebraucht habe in Sachen Fußball und es ist eben meine Heimat, mein Verein. Ich habe viele Jahre Landesliga spielen dürfen und viele Erfolge mit meinen Farben gefeiert. Da gab es nie die Notwendigkeit den Verein zu wechseln.
Freunde fürs Leben
Dominik, du bist 2011 vom SV Wittendorf nach Freudenstadt gewechselt. Was waren die Gründe für deinen damaligen Wechsel, und warum bist du der Spielvereinigung danach immer treu geblieben?
Dominik: Der Grund ist einfach – Landesliga. Hier fängt der Fußball an mit all seinen Seiten, und mein Ziel war immer, sofern die Möglichkeit besteht, so hoch wie möglich zu spielen. Die Spvgg mit Klaus Zistler als Trainer und Gerd Fuss als Betreuer haben mir damals die Chance gegeben, und es war vom ersten Moment an perfekt. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt, wurde super aufgenommen von den Menschen drum herum, hatten immer super sportliche Bedingungen und ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden, da hält man gern die Treue.
Kurz an euch die Frage: Was macht Pascal/Dominik fußballerisch als auch menschlich aus, und was schätzt ihr aneinander?
Pascal: Domi ist ein Freund, auf den man sich immer verlassen kann, privat und als Fußballer er ist ehrlich und direkt, man kann mit ihm lachen und genauso über ernste Themen reden. Als Fußballer eiskalt vorm Tor und eine hohe Geschwindigkeit und vor allem einfach ein Riesen Teamplayer der immer die richtige Einstellung hat und diese auch vorlebt!
Dominik: Pascal ist ein unfassbar guter Verteidiger. Die Mischung aus guter Zweikampfführung und Technik ist wirklich extrem gut. Außerdem versteht er wie es im Fußball läuft, was das Wichtigste ist. Menschlich gesehen ist er tatsächlich noch besser. Ehrlich, direkt und humorvoll sind nur ein paar Punkte davon. Wir haben uns immer sehr gut verstanden ob auf, oder auch zukünftig neben dem Platz.
Kurzer Rückblick zur vergangenen Saison. Dominik, du bist von der Zweiten in die Erste hochgerückt. Was waren die Gründe dafür, und seid ihr mit dem Verlauf der Saison zufrieden?
Pascal: Wenn man im Pokalfinale steht, dieses verliert und Zweiter in der Tabelle wird kann man nicht zufrieden sein!
Dominik: Die Spvgg wird immer eine Rolle spielen, wenn es um Titel wie den Aufstieg geht! Es werden andere Spieler diese Aufgaben übernehmen und auch die nächsten Schritte machen. Sie werden auch einfach hineinwachsen, der Kader wird wieder so stark sein, dass er lange vorne mitspielt. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten zum Titel, es ist alles möglich.
EM im Blick
Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land beginnt in einer Woche. Die dänische Nationalmannschaft trainiert im Hermann-Saam-Stadion und residiert in Freudenstadt. Wie werdet ihr die EM verfolgen, und wie weit wird unser Team im Verlauf des Turniers kommen?
Pascal: Bestimmt wie immer gemeinsam vor TV oder beim Public Viewing, das die Spvgg dieses Jahr auf dem Marktplatz bewirtet. Wir holen den Titel, bisschen Optimismus muss sein!
Dominik: Natürlich haben wir auch den einen oder anderen Arbeitseinsatz, aber trotzdem werde ich so viele Spiele wie möglich bei uns auf dem Marktplatz anschauen. Heim-EM, Public Viewing, gibt doch nichts Besseres. Tatsächlich glaube ich, dass unser Team sehr weit kommen wird. Natürlich hoffe ich auf den Titel, wegen was sollen wir auch sonst antreten? Die Qualität ist wirklich gut. Vor allem in der Offensive gibt es, glaube ich, nicht viele Teams, die besser besetzt sind als die deutsche Elf.