Jürgen Clever aus dem Kinzigtal tritt seit 20 Jahren erst bei den „Lichtblicken“, dann zum Adventszauber als Weihnachtsmann auf. Unser Foto zeigte eine Szene aus dem Jahr 2007. Foto: Baublies

Beim Aufbau des Adventstreffs berichtet der Hausacher Jürgen Clever von seinen Erfahrungen in der Rolle des Weihnachtsmanns. Sein Engagement bereitet ihm bis heute viel Freude.

Die Idee kam von Uwe Baumann, der vor rund 20 Jahren den Adventstreff auf dem Schlossplatz im Auftrag der Lahrer Werbegemeinschaft entwickelt hatte – nach dem endgültigen Aus des größeren Weihnachtsmarktes auf dem Marktplatz. Die Bekanntschaft Jürgen „Mäx“ Clevers mit Baumann war kein Zufall. Beide haben in Seelbach gelebt, obwohl Clever in Esslingen geboren ist. „Mein Vater stammt aus Seelbach“, erklärt er.

 

Da Clever als Laienschauspieler regelmäßig auf verschiedenen Bühnen stand und dazu auch noch Regie geführt hat, gefiel ihm die Idee, in Lahr den Weihnachtsmann zu spielen, auf Anhieb. Die Bekanntschaft mit dem Theater war eigentlich ein Zufall gewesen. Er sei, als er in Emmendingen lebte, „da einfach hineingerutscht“. Weil er aufgrund seiner Zeit bei der Bundeswehr eine Affinität zur Technik entwickelt hatte, kümmerte er sich zuerst um Licht und Ton, unter anderem auch zu Beginn der Seelbacher Freilichtspiele. Er hat sogar einen Schein als Pyrotechniker.

Clever besuchte regelmäßig Seminare für Schauspiel

Rollen auf der Bühne waren das Nächste und dann kam auch schon der Schritt zur Regie – unter anderem mit einer Kindertheatergruppe in Seelbach und mit Jugendlichen bei der Neuen Arbeit in Lahr. Daher war der Weg zum Kostüm des Weihnachtsmanns nicht so groß.

Bei den vielen Kinder in diesen 20 Jahren kam der Lahrer Weihnachtsmann offensichtlich gut an. Wobei Clever immer darauf achtet, dass er den Kindern unterschiedlich begegnet. Je nach Alter sei Distanz wichtig. Dafür benötige er einfach ein bestimmtes Gespür. „Das stand nicht auf dem Lehrplan“, erklärt er. Clever hat im Laufe seiner Theaterkarriere nämlich regelmäßig Seminare für Schauspiel und Regie besucht. „Da ich von Natur aus ein offener Mensch bin, war es nie kompliziert, auf Menschen zuzugehen“,sagt er.

Tatsächlich ist der Umgang mit den Kindern sehr unterschiedlich. Zum einen kommen regelmäßig ganze Gruppen aus Lahrer Kindergärten. Für diese Besucher ist der Besuch ein spannendes Erlebnis. Zudem tauchen auch Kinder auf, „die nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben“

Der Hausacher will die Rolle weiterhin ausfüllen

Einige nehmen dem Weihnachtsmann ab, dass die Rentiere am Nordpol zu Hause sind und der nördlichste Punkt der Erde in der Weihnachtszeit ganz in der Nähe der Stadt Lahr ist. Die anderen müssen das Argument akzeptieren, dass die „scheuen Rentiere den Krach in der Stadt nicht ertragen“, und deshalb in der Nähe warten – aber leider nicht hier sein können.

Der Weihnachtsmann in Zivil: Jürgen Clever beim Aufbau des Adventstreffs in der Innenstadt Foto: Baublies

Den Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann kennt Clever selbstverständlich. Der Heilige Nikolaus war Bischof von Myra im vierten Jahrhundert unserer Zeit, sein Namenstag ist der 6. Dezember. Clever ist, solange es den Adventstreff gibt, dagegen als Weihnachtsmann mit angehängtem Rauschebart und im typisch roten Kostüm unterwegs. Das ist der Weihnachtsmann „Made in USA“, auch bekannt als Santa Claus. Tatsächlich war das ursprünglich ein Werbegag von Coca-Cola – Clever vermutet, es waren die 1920er- oder 1930er-Jahre, als die Idee aufkam.

Er kann sich erinnern, dass er als Weihnachtsmanns einmal einem Truck des Limonadenherstellers „samt einem anderen Weihnachtsmann“ auf dem Marktplatz begegnet ist. Da der andere im roten Kostüm – höflich ausgedrückt – nicht einmal annähernd die Statur eines richtigen Weihnachtsmanns hatte, hätten Mitarbeiter des Trucks „höflich, aber auch deutlich“ auf den entsprechenden Abstand hingewiesen. Das war für den Lahrer Weihnachtsmann angesichts des Heimvorteils kein Problem.

Dem 66-Jährigen, der als Weihnachtsmann regelmäßig den Weg von Hausach nach Lahr zurücklegt, gefällt seine Aufgabe. Daher wird er auch in den kommenden Jahren weiter dabei sein, wie er berichtet.

Bleibt die Frage, woher der Spitzname „Mäx“ kommt. Der ältere Bruder hatte den Spitznamen „Maxwell“ kreiert, nach „Maxwell’s Silver Hammer“ vom Album „Abbey Road“ der Beatles. Maxwell war zu kompliziert, also entwickelte sich daraus „Mäx“ mit „ä“.

Nikolausstiefel

Anfang kommender Woche ist der Weihnachtsmann von Montag bis Mittwoch von 15 bis 18 Uhr auf dem Schlossplatz in seiner Hütte anzutreffen. Hintergrund ist die Stiefelaktion der Werbegemeinschaft: Kinder können einen Schuh oder Stiefel am Stand abgeben und den am kommenden Samstag, 6. Dezember, dem Namenstag des Heiligen Nikolaus, in der Innenstadt in den Schaufenstern suchen. Der Nikolaus hat den Stiefel dann gefüllt.