Das "schiefe" Amtsgerichtsgebäude in Horb: Hier wurde am Dienstagvormittag gegen einen Mann eine zur zweijährigen Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ausgesprochen. Foto: Gezener

Ein Horber hat am Dienstag in einer Strafsitzung am Amtsgericht Horb alles gestanden. Dass er stark betrunken durch die Gegend mit dem Auto gefahren ist, es anschließend abgefackelt hat, die Polizisten mit einer E-Mail auf eine falsche Fährte gelockt hat, die Beamten auch beleidigt hat und kurze Zeit später häusliche Gewalt an seiner Ehefrau ausgeübt hat.

Horb - Aber alles von vorn: Was war passiert? Im Juni 2020 überschüttet der von Eheproblemen geplagte und dem Alkohol verfallene Mann sein Leasing-Fahrzeug auf einer Wiese in der Nähe des Horber Campingplatzes mit einer ganzen Menge Dieselkraftstoff.

Eine Flasche Amarula weggeext

"Dann habe ich alle Türen geöffnet, damit auch schön Durchzug herrscht. Und dann habe ich den Wagen angezündet. Es hat ›Peng‹ gemacht, es ging ganz schnell, innerhalb von vielleicht einer Minute war alles abgebrannt. Das konnte ich kaum glauben. Dann habe ich erst mal eine Nase Koks gezogen und eine Flasche Amarula weggeext", erzählt der Mann im Gerichtssaal.

Totalschaden an neuwertigem Fahrzeug

Das neuwertige Leasing-Fahrzeug brennt vollständig ab. Totalschaden. Unmittelbar vor diesem Vorfall sei er schon stark alkoholisiert durch die Gegend gefahren.

Polizisten bekommen auch ihr Fett ab

"Ich war kantig", erinnert sich der Mann an den Tag des Vorfalls. Er weist auf die unglückliche Ehebeziehung hin, "dann kam auch noch immenser Alkoholkonsum dazu". Nachdem er den Firmenwagen abfackelt, haut er ab.Doch die Polizei findet den Mann in seiner Wohnung und nimmt ihn fest, steckt ihn in’s Polizeiauto. Der Horber wirft mit Beleidigungen um sich und beschimpft die Polizisten mit üblen Ausdrücken. "Polizisten würde ich normalerweise nie beleidigen", beteuert der Horber. "An jenem Tag habe ich aber wahrscheinlich die Kontrolle verloren", sagt der Mann. Und: "Wenn ich all die Dinge gegenüber der Polizei gesagt habe, bin ich schuldig, das streite ich gar nicht ab."

Warum er das alles getan habe, möchte Amtsgerichtsdirektor Albrecht Trick von dem Angeklagten wissen. "Das frage ich mich auch", sagt der Mann, der eine Ausbildung im Industriesektor abgeschlossen hat und viele Jahre lang in verschiedenen Unternehmen tätig war.

Alkohol war mit im Spiel

Knapp zwei Stunden nach der Auto-Abfackel-Szene auf der Schütte wird ein Alkoholwert von 2,44 Promille im Blut des deutschen Staatsangehörigen nachgewiesen. Ein Gutachter spricht hierbei von einer "höhergradigen Alkoholisierung".

Einige Tage nach dem Autoi-Abfackel-Szene schreibt der Angeklagte eine E-Mail an die Polizei und gibt darin an, sein Leasing-Fahrzeug sei ihm gestohlen worden. Er möchte, dass Anzeige gegen Unbekannt erstattet wird. Doch: Die Polizei ermittelt schon längst gegen ihn.

Mit Würgegriff Frau am Hals gepackt

Im Juli 2020 der nächste Eklat: Zu Hause kommt es zu einem "Gerangel" zwischen dem unglücklichen Ehepaar. "Ich lag im Bett, dann ging meine Schlafzimmertüre auf, und sie ist brüllend auf mich zugekommen", erzählt der Angeklagte.

Und dann soll er inmitten eines "Gerangels" die Frau mit beiden Händen in Form eines Würgegriffes am Hals gepackt haben, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor. Dabei soll auch eine Narbe der Frau im Halsbereich aufgeplatzt und geblutet haben. Zudem soll der Mann der Frau verbal mit dem Tod gedroht haben.

Führerschein eine Zeit lang weg

Lange Geschichte, kurzer Sinn: Das Verfahren wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr, Brandstiftung, Beamtenbeleidigung, gefährlicher Körperverletzung und Vortäuschung einer Straftat wurde mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung, im Wege einer Verständigung abgeschlossen.

Zudem werden dem Horber seine Fahrerlaubnis und sein Führerschein für die Dauer von drei Monaten entzogen. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen und 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Einige Zeit in U-Haft gesessen

Dass der Horber am Ende noch "mit einem blauen Auge" davonkommen konnte, lag an mehreren Dingen, wie sich aus den Ausführungen des Schöffengerichtes, der Staatsanwaltschaft und des Strafverteidigers herauskristallisierte. Die Straftaten lagen schon etwas mehr als zwei Jahre zurück. Der Mann saß auch bereits etwa zwei Monate in U-Haft und zeigte zuletzt Anzeichen der Besserung. Für die Taten rund um das Leasing-Fahrzeug wurde eine verminderte Schuldfähigkeit angenommen. Der Mann legte zudem "ein umfassendes Geständnis", wie sich alle Beteiligten einig waren. Und: Ein Gutachter bescheinigte dem Horber "eine eher günstige Prognose".