Nachdem mindestens 30 Teilnehmer eines Fan-Treffens im Europa-Park über Symptome wie Durchfall und Erbrechen geklagt haben, werden nun weitere Fälle bekannt. Mehr als 50 Gäste einer anderen Veranstaltung im Park waren wohl ebenfalls betroffen.
140 Menschen aus ganz Deutschland feierten am Samstag im sogenannten Schlosspark des Europa-Parks ein privates Fest. Der Schlosspark liegt im deutschen Themenbereich und wird vom Freizeitpark als „märchenhafte“ Location beworben. Dessen Außenterrasse verspricht laut Europa-Park einen Ort „abseits des Freizeitparktrubels“.
„Die Stimmung war wunderbar, wir sind beseelt davon weggegangen“, berichtet der Gastgeber der privaten Feier vier Tage später unserer Redaktion. So schön die Feier war, so übel traf es im Nachgang jedoch viele der Gäste. Am Sonntagabend litten laut des Gastgebers viele Teilnehmer unter Erbrechen und Durchfall – teilweise mit hohem Fieber.
Damit sind die Partygäste nicht allein. Wie berichtet, klagten zahlreiche Besucher der „Fandays“, eines Treffens speziell für Europa-Park-Fangruppen am Wochenende, ebenfalls über Symptome: Im Fan-Forum „EP Friends“ meldeten sich mehr als 30 erkrankte Nutzer zu Wort.
Auch einige ältere Personen betroffen
Anfangs hätten alle seine erkrankten Gäste geglaubt, dass das jeweilige Abendessen am Sonntag schuld gewesen sei, berichtet der Gastgeber der privaten Feier. Der Mann aus Baden-Württemberg möchte nicht namentlich genannt werden. An einen Zusammenhang zu der Party im Europa-Park am Samstag habe zunächst niemand gedacht, sagt er.
Doch dann hätten sich die Meldungen der Erkrankten gehäuft – betroffen gewesen seien auch einige ältere Personen mit angeschlagenem Immunsystem. „Das ist ein blödes Gefühl“, erklärt der Gastgeber. Er habe mit der Feier schließlich keine Gesundheitsgefährdung heraufbeschwören wollen. Mehr als 50 seiner Gäste seien erkrankt, auch vier Tage nach dem Fest trudelten noch neue Meldungen von Infektionen beim ihm ein, berichtet er unserer Redaktion.
Mitarbeiterin drückt ihr Bedauern aus
Der Mann informierte schließlich am Dienstagmorgen den Europa-Park und das Gesundheitsamt. Am Telefon hätten die Park-Mitarbeiter zunächst ganz überrascht reagiert, so der Gastgeber. In einer E-Mail am Dienstagabend, die unserer Redaktion vorliegt, drückte eine Mitarbeiterin dann ihr Bedauern aus und schrieb ihm, dass auch Europa-Park-Mitarbeiter und andere Freizeitpark-Gäste betroffen seien.
Diese Reaktion habe ihm ein gutes Gefühl gegeben, er habe sich ernst genommen gefühlt, erklärt der Gastgeber. Anders blickt er da auf das Statement, das der Europa-Park am Dienstag gegenüber unserer Redaktion gab. In diesem äußerte sich ein Unternehmenssprecher zu den erkrankten Besuchern des Fantreffens und erklärte, dass „wenige der rund 500 Teilnehmer eines Europa-Park Fantreffen am Wochenende Krankheitssymptome“ gezeigt hätten. Und weiter: „Ein Zusammenhang mit dem Essen kann ausgeschlossen werden. Einige der Betroffenen waren beim Buffet nicht vor Ort, auch eine interne Überprüfung der Gastronomie ergab keine Auffälligkeiten.“
Hat der Europa-Park vorschnell reagiert?
Das finde er vorschnell, erklärt der Gastgeber der samstäglichen Schlossgarten-Feier. Zumal seines Wissens das Grillbuffet seiner Feier und das der Europa-Park-Fans am Vorabend von ein und demselben Bewirtungsteam kamen.
So ein Infektionsgeschehen könne zwar überall vorkommen, ist er überzeugt. Allerdings müsse der Park nach einem solchen Vorfall doch genaustens die Hygienemaßnahmen kontrollieren und die Sache aufarbeiten. Er selbst habe allen jetzt noch Betroffenen geraten, sich vom Arzt testen zu lassen. Der Mann hofft, dass die Ursache des Übels so ausfindig gemacht werden kann. Möglich sind aus seiner Sicht zwei Übertragungswege: entweder über das Essen oder über einen erkrankten Mitarbeiter. Denn: Mit den Park-Fans hätten seine Gäste keinen Kontakt gehabt.
Das Ortenauer Landratsamt geht der Sache weiter nach. Bereits am Dienstag hatte eine Sprecherin erklärt, man habe Ermittlungen aufgenommen. Am Mittwoch teilte die Behörde auf Nachfrage mit, dass Mitarbeiter von Gesundheits- und Veterinäramt sich vor Ort in Rust ein Bild gemacht hätten, wobei es „hygienetechnisch keinerlei Anlass zu Beanstandungen“ gegeben hätte. An die Erkrankten würden Stuhlröhrchen verschickt. Mit Ergebnissen sei nicht vor nächster Woche zu rechnen.
Der Europa-Park ließ eine Anfrage am Mittwoch bis Redaktionsschluss unbeantwortet. So bleibt unter anderem die Frage offen, wie das Unternehmen schon am Dienstag sicher sein wollte, dass nicht das Essen für die Vielzahl von Erkrankten verantwortlich ist, wenn die Untersuchungen von Gesundheits- und Veterinäramt gerade erst begonnen haben.