Mit einem Stein zertrümmerten sie die Scheibe an einem Hechinger Juweliergeschäft, aber mit ihrer Beute kamen die beiden jungen Einbrecher nicht weit.
Alarm in einem Juweliergeschäft – als diese Nachricht in der Nacht auf Dienstag gegen 3.45 Uhr im Hechinger Polizeirevier eintraf, reagierten die Beamten hellwach. „Die waren nach zwei Minuten da“, erzählt Emine Demir, Leiterin des Juweliergeschäfts in der Herrenackerstraße.
Durch den schnellen Einsatz gelang es den mit mehreren Streifenwagen anrückenden Polizisten, zwei junge Männer – ein Grieche im Alter von 19 Jahren und ein 16-jähriger Iraker – auf frischer Tat zu ertappen. Beide sind laut Polizei und Staatsanwaltschaft „polizeibekannt. Beide ließ am Dienstag der zuständige Richter im Tübinger Amtsgericht in Untersuchungshaft bringen.
Die Polizei spricht auf Anfrage der Redaktion von einem „besonders schweren Fall des Diebstahls“. Das Strafmaß hängt davon ab, ob die jungen Männer nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht beurteilt werden.
16-jähriger Einbrecher verletzt sich an eingeschlagener Scheibe
Laut Polizei war möglicherweise ein weiterer Mann an der Tat beteiligt. Dieser konnte, wie Polizei und Staatsanwaltschaft berichten, jedoch trotz intensiver Fahndungsmaßnahmen durch mehrere Streifenwagenbesatzungen nicht festgestellt werden. Am Tatort sowie am Ort der Festnahme fand die Polizei Diebesgut und Gegenstände, mit denen sich die Diebe vermummt hatten.
Die Einbrecher hatten nach Angaben der Polizei mit einem großen Stein eine Seitenscheibe neben dem Eingang des Geschäfts zertrümmert, der 16-Jährige war durch das Loch eingestiegen, hatte sich dabei aber wohl erheblich verletzt. Jedenfalls flüchteten beide schnell wieder, „die haben so etwa acht Uhren gestohlen“, erzählt die Geschäftsführerin.
Geschäftsführerin muss die restliche Nacht Wache halten
Sie selbst war ebenfalls sofort an den Tatort geeilt. „Der Alarm geht auf mein Handy, und gleich darauf hat mich eine Nachbarin des Geschäfts angerufen, dass sie Scherbengeklirr gehört hat.“ Als sie am Geschäft ankam, war die Polizei schon vor Ort.
Für sie wurde es dann eine lange Nacht. „Als die Polizei die Aussagen aufgenommen hatte, fuhren natürlich wieder alle weg“, erzählt sie, „aber das Loch in der Scheibe war ja noch da, da musste ich natürlich aufpassen“. Allein blieb sie im Geschäft zurück, bis gegen 9 Uhr Hilfe kam. Mittlerweile ist das Loch in der Scheibe mit einer dicken Holzplatte versperrt.
Trotz des Einbruchs bleibt das Geschäft geöffnet
„Wir sind fast 20 Jahre hier, wir haben so nette Kunden. Ich fühle mich hier so wohl im Geschäft, und dann so was“, sagt Emine Demir am Mittwoch beim Gespräch mit der Redaktion immer noch sichtlich angefasst. Ihr ist wichtig: „Wir haben weiter geöffnet, wie immer.“
Im Jahr 2018 sind drei Männer ins Geschäft eingebrochen
Schon mehrfach hatten es Straftäter auf das Geschäft „EDE“ in der Herrenackerstraße abgesehen. Vor über zehn Jahren hatte dort ein Mann mit einem Messer eine Kollegin von ihr bedroht, war dann aber ohne Beute geflüchtet. Und vor sieben Jahren hatten drei Männer zwei Schaufenster des Juweliergeschäfts zetrümmert und die Auslage ausgeräumt. Sie wurden damals von der Polzei noch in der Nähe erwischt und verhaftet. Die Beute konnte zurückgegeben haben. „Aber zwei Monate lang war unser Schaufenster verbarrikadiert und die Leute dachten, wir hätten geschlossen.“ Das habe man deutlich am Umsatz gemerkt.
Auch Betrugsversuche habe sie schon erlebt, so Enime Demir. Vor einigen Jahren habe ein Pärchen sich angeblich für Halsketten interessiert und dabei habe die Frau eine in ihrer Tasche verschwinden lassen. Das wurde entdeckt. „Und durch die Bilder der Überwachungskamera fanden wir heraus, dass die auch in anderen Geschäften rund um Stuttgart aktiv waren“, berichtet Emine Demir.