In Haigerloch-Bittelbronn soll ein neuer Mast aufgestellt werden. (Symbolfoto) Foto: Pleul/dpa

Einstimmig sprach der Ortschaftsrat Bittelbronn gegen den den Bau eines Mobilfunkmasten "Auf Buchen" aus. Dort, wo ihn die Telekom bauen möchte, sind es nur etwa 350 Meter bis zum Ort.

Haigerloch-Bittelbronn - Der Abend brachten ein Fülle von Argumenten und am Ende waren sich Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Gerd Klingler darin einig, dem Telekom-Vorhaben vorerst keine Zustimmung zu geben, da vieles noch offen sei und man sich über Alternativen Gedanken machen möchte.

Klingler wurde auch darum gebeten, das Thema im Haigerlocher Gemeinderat anzusprechen, damit eventuell ein Gutachten in Auftrag geben wird, um einen Standort für den Masten zu finden, der eine gleichzeitig eine optimale Sendeleistung und eine geringe Strahlenbelastung für die Bevölkerung bietet. Der Ortschaftsrat folgte damit einem Vorschlag, den Jörn Gutbier vom Verbraucherschutzverein "Diagnose: Funk" gemacht hatte.

Bittelbronn für Telekom ein "White Spot"

Wegen der Brisanz des Themas und weil man damit gerechnet hatte, dass die Ortschaftsratsitzung am Montag gut besucht werden würde, war sie vom Rathaus ins Bürgerhaus verlegt worden. Bevor es zur Abstimmung kam, äußerte sich neben Mobilfunk-Kritiker Jörn Gutbier auch Daniel Eger, Kommunalbeauftragter der Deutschen Telekom-Technik.

Eger bezeichnete Bittelbronn als "White Spot", das heißt, der Ort ist unterversorgt. Hier müsse etwas geschehen, denn die Versorgung müsse überall gut sein, daher sei die Telekom vom Bund beauftragt worden, den Mobilfunk in Bittelbronn dauerhaft zu verbessern.

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Für die Positionierung des Masten sei Bittelbronn besser geeignet als Trillfingen. Der Experte der Telekom sprach in Bezug auf den Frequenzbereich von einer Reichweite von 1,5 Kilometern.

Er betonte weiter, die Annahme, die Distanz zum Sendemast sorge für eine Immissionsabnahm sei ein Trugschluss. Immissions- und funktechnisch sei es wünschenswert, die Distanz zum Kunden so gering wie möglich zu halten. Daniel Eger wies außerdem darauf hin, dass die Telekom bei einer Ablehnung des Mastbaus alternativ ihre Mobilfunk-Antenne (die soll etwa zwei Meter hoch sein) auch auf Hausdächern bauen könne – sofern sich jemand findet, der sein Dach zur Verfügung stellt.

"Wir haben ein Problem"

Im Gegenzug mahnte Jörn Gutbier von der "Diagnose­:Funk" zur Vorsicht. Bezüglich möglicher Schäden für die Gesundheit gibt es laut ihm 1700 Studien, von denen 1000 besagten: "Wir haben ein Problem". Es gelte sich die Frage zu stellen, wie viel Strahlung man sich antun wolle. Die Bürger hätten die Möglichkeit, zu sagen, die bisherige Versorgung reiche aus, die Telekom solle sich anderweitig umsehen. 4G, so Gutbier, seien für Bittelbronn genug, 5G hielt er für unnötig.

Seien Mast und Antenne aber erst einmal da, hätten die Bürger keine Verfügungsgewalt mehr, und es bestehe eine Dauergefährdung durch die Strahlung.

Aus seiner Sicht gibt es Möglichkeiten, die Immission gering zu halten: Ein Mindestabstand von 500 Metern und ein sehr hoher Turm. Gutbier schlug deshalb vor, dass Ortschafts- und Gemeinderat gemeinsam mit dem Betreiber nach dem besten Standort suchen – funktionsoptimal und immissionsarm.

Idealster Standort eher die Bittelbronner Ortsmitte?

Die Standpunkte und Aussagen der beiden Referenten sorgten für eine ausgiebige Diskussion, in der der Wunsch nach dem Schutz der Bürger vor einer Strahlenbelastung zum Ausdruck kam; vor diese Hintergrund solle man einen Standort suchen. Telekom-Vertreter Daniel Eger äußerte dazu, dass der Vorschlag für den bisherigen Standort "Auf Buchen" von der Kommune gekommen sei. Der idealste Standort dürfte aus seiner Sicht eher die Bittelbronner Ortsmitte sein, aber auch dafür gebe es Vorschriften.

Ein Bürger wiederum sprach sich aus Sorge wegen der Funkstrahlen dagegen aus, dass Trillfingen von einem Masten in Bittelbronn mitversorgt wird. Aus Daniel Egers Sicht macht das aber Sinn, weil die Versorgung zweier Ortschaften mit einem Mast von der Finanzierung her sinnvoll ist

Ortschaftsrat Bernd Schäfer stellte die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit eines Masten. Ortschaftsrat Christof Weiß wiederum beklagte den schlechten Empfang im Ort. Ein Bürger fragte, ob ein anderer Anbieter an Bittelbronn herantritt, wenn die Telekom keinen Masten errichtet. Diese Frage beantwortete Eger mit "Ja".

Jörn Gutbier hielt es für wichtig, im Dialog zu bleiben und den Gemeinderat damit zu beauftragen, eine Expertise zu erstellen. "Gemeinsam für eine saubere Entscheidung", war sein Credo.