Gewalt gegen Frauen steht im Mittelpunkt eines Vortrags im Rahmen des internationalen Frauentags. (Symbolfoto) Foto: © Tinnakorn – stock.adobe.com

Nach wie vor ist sie ein großes Problem – und noch immer ist die Scham, sich Hilfe zu suchen, groß: Gewalt gegen Frauen rückte ein Vortrag, der im Vorfeld des internationalen Frauentags im Theater im Deutschen Haus stattfand, in den Fokus.

Motivation, den Vortrag anzubieten war laut Ute Scholz vom Theater eine Umfrage unter 1000 Männern, von denen 35 Prozent Gewalt gegen Frauen „okay“ finden.

 

Geplant wurde der Abend von der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ aus Villingen und dem Arbeitskreis Frauen aus St. Georgen, so Nikola Wangler von der Diakonie. An letzterem beteiligt sind Wirkstatt, Kommune, Theater und die Diakonie. Scholz und Wangler betonten, dass der Arbeitskreis für alle Interessierten offen ist, die sich an Wirkstatt oder Diakonie wenden können.

Redner waren vom Weißen Ring Jochen Link, Leiter der Außenstelle Schwarzwald-Baar, und seine Stellvertreterin Marianne Brunner. Sie stellten die Stiftung vor, die sich Hilfe für Kriminalitätsopfer auf die Fahnen geschrieben hat. Das reiche vom Betrug bis zum Mord.

Körperverletzungen und Sexualdelikte

Den größten Anteil haben Körperverletzungen und Sexualdelikte. Weitere Aktivitäten sind Prävention und öffentliches Eintreten zur Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation Geschädigter.

Bundesweit sind 3000 Ehrenamtliche und 90 Hauptberufliche tätig, die 2022 rund 27 000 Opfer betreuten. Der Weiße Ring biete auch Beistand für Angehörige, finanzielle Hilfe, begleite zu Gerichten und Ämtern oder helfe bei der Suche nach Therapieplätzen. Denn oft wiegten psychische Folgen schwerer als der materielle Schaden. Auch Täter melden sich mitunter.

Jochen Link und Marianne Brunner berichten über häusliche Gewalt und Unterstützungsmöglichkeiten. Foto: Stephan Hübner

Ein großes Thema war häusliche Gewalt, die oft in Beziehungen entsteht, die sich in der Auflösung befinden. Zu 90 Prozent sind Frauen die Opfer, 2022 in Deutschland 143 000, die meisten davon zwischen 30 und 40 Jahren, aus allen Bildungs- und Einkommensschichten, Nationalitäten oder Religionen. Es gebe auch männliche Opfer, für die seien kaum Hilfsangebote vorhanden.

Ein Hinderungsgrund ist die Scham

Scham sei ein großer Hinderungsgrund, sich zu melden. Dabei gebe es nichts, wofür man sich schämen müsse. Entschieden wies Brunner die Ansicht zurück, dass Opfer selbst Schuld an Gewalt hätten.

Der Prozess der Beratung muss laut Brunner sehr sensibel angegangen werden. Man dürfe nichts tun, was Opfer noch mehr gefährde. In der Regel vergeblich ist, es mit dem Partner noch mal zu versuchen, wenn der sich entschuldigte. Diese Frauen riefen in einem halben Jahr wieder an. Durchbrechen könne den Teufelskreis nur die Trennung.

In einer Akutsituation sei die Polizei zu rufen, Vorfälle seien zu notieren und Verletzungen selbst oder am besten durch einen Arzt aufzunehmen. Eine Anzeige sei nicht zwingend, zeige dem Täter aber schon mal die rote Karte, so Brunner.

Weißer Ring

Beratung
durch den Weißen Ring ist kostenlos und anonym, Mitarbeiter haben Schweigepflicht. Der Kontakt ist bundesweit per Telefon über 116 006, im Landkreis über 07721/50 72 13, per E-Mail über link.jochen@mail.weisser-ring.de möglich. Online ist die Beratung mit vorheriger Anmeldung unter weisser-ring.de/hilfe/onlineberatung möglich.