Im Städtlebeck in Kandern werden keine Brötchen mehr gebacken. Die neuen Pächter haben andere Pläne.
Lange hat sich Helmuth Seiter um eine Nachfolge für den Städtlebeck bemüht – vergeblich. Kein Interessent wollte Brötchen backen. Jetzt ist ein neuer Pächter gefunden, der die Backstube zur Begegnungsstätte umbaut. Das Café wird nach Renovierung im Sommer neu eröffnet.
Fast neun Jahre lang war der „Städtlebeck“ beliebte Anlaufstelle – sei es für Brötchen, Brote und Backwaren zum Frühstück oder nachmittags für einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Bis im vergangenen Sommer ein tragischer Unfall, den die Familie Gkliatis erlitt, das Ende der beliebten Bäckerei in Kandern bedeutete. Alle Bemühungen, einen Nachfolger zu finden, liefen ins Leere, berichtet das Ehepaar Seiter, Besitzer der Immobilie. Interessenten habe es viele gegeben, sagt Helmuth Seiter, aber niemanden, der die Bäckerei weiterführen will. Und anstelle des Städtlebecks ein Döner- oder Pizza-Imbiss – das wäre für die Seiters nie in Frage gekommen.
Zwei Ehepaare melden sich
Unter den ersten Interessenten meldeten sich die Ehepaare Dan und Elly MacLean sowie Tim und Crista Ashworth. Die MacLeans waren viele Jahre in der interkulturellen Begegnungs- und Flüchtlingsarbeit in Köln und Berlin tätig. Elly MacLean ist in Kandern aufgewachsen, ihre Mutter, Leah Heinemann war vielfältig in Kandern engagiert, unter anderem bei der Organisation des „Candle Light Dinner“ und in Aerobic-Kursen. Das Konzept, eine offene Begegnungsstätte einzurichten und das Café, für das sich das Ehepaar Ashworth verantwortlich zeichnen wird, weiter zu betreiben, konnte die Seiters überzeugen. „Uns war wichtig, dass das Café weiter besteht“, betonen beide. „Wir sind froh, wenn wieder Leben einzieht.“
Sprachkurse, Spieleabende, kreative Kurse und mehr
Für die neuen Pächter geht ein langgehegter Traum in Erfüllung. Familie Ashworth zog 2020 von Berlin nach Steinen-Hofen, die MacLeans leben seit einigen Jahren in Kandern. Die befreundeten Ehepaare arbeiten seit vielen Jahren in der Flüchtlingsarbeit und setzen sich für das interkulturelle Miteinander ein: „Wir sind Christen und verstehen unseren Dienst aus der christlichen Nächstenliebe heraus.“
Mit dem Verein, den sie gründen wollen, möchten sie als offene Begegnungsstätte für jedermann zugänglich sein, egal welche Nationalität oder Religion. Noch stehen sie am Anfang, sammeln Ideen, knüpfen Kontakte. Von Sprachkursen zu Spieleabende, kreativen Kursen und offenen Treffs sei alles möglich, je nachdem, was fehlt oder gewünscht werde. Sie wollen offen sein für Vorschläge und Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Institutionen in Kandern.
Eröffnung wohl im Juni
Für das Café hegen Tim und Crista Ashworth erste Ideen. „We are foodies, auf deutsch: „Wir sind Genießer.“ Richtig guten Kaffee soll es geben, sagt Tim Ashworth, „Espresso, Filterkaffee, Pour over, Teespezialitäten, Kuchen und kleinere Speisen, auch internationale Gerichte.“ Und täglich eine Suppe, die für alle, die sich das nicht leisten können, gratis ausgegeben wird. Im Juni hoffen sie, das Café zu eröffnen, erst einmal mit einem kleinen Angebot. Ziel ist es, das Café täglich zu öffnen mit Frühstückkarte und Abendessen. Ein Teil der Einnahmen vom Café soll dem Verein zu Gute kommen.
Und wie finanziert sich das alles? Zum Teil durch eigene Finanzen, aber auch Sponsoren in den USA, die ihre internationale Arbeit unterstützen, geben sie Auskunft. Einem bestimmten Werk seien sie nicht zugehörig, ihre kirchliche Heimat haben sie in der „Living Hope Gemeinde“, einer evangelischen Freikirche in Friedlingen.