Weil der Freizeitpark stetig wächst, müssen Rust und Ringsheim regelmäßig ihre Infrastrukturkonzepte aktualisieren. Nun stellten die Gemeinden die Weichen für Hotel Nummer Sieben.
Hotel, Parkdeck, die allgemeine Zukunft des Verkehrs, die Trinkwasserversorgung in Rust und auch noch die Wohnsituation – all das war Thema bei der Sitzung des Zweckverbands Tourismus, Dienstleistungen, Freizeit (ZVT), dem die beiden Gemeinden Rust und Ringsheim angehören. Eine wichtige Rolle spielte dabei immer der Europa-Park.
Hotelneubau: Der Europa-Park plant ein neues Hotel mit rund 350 Betten für die Unterwasserwelt Rulantica. Für die Gäste ist außerdem ein neues Parkdeck vorgesehen. Dafür war allerdings eine Änderung des Bebauungsplans „Wasserpark“ notwendig – der alte Plan ließe zwar eine Hotelnutzung mit maximal 350 Zimmern zu – 315 davon sind allerdings bereits durch das bestehende Hotel Kronasar belegt. Die Anpassungen wurden bei der Sitzung des Zweckverbandes Tourismus einstimmig beschlossen.
Welcher Art genau das Hotel sein wird oder wie es konkret aussehen soll, dazu machte der Park noch keine Angaben. Projektmanagerin Lisa Baumert machte die wesentlichen Argumente für die Notwendigkeit eines siebten Hotels aus Sicht des Europa-Parks noch einmal deutlich: Es sei weiter mit einem wachsenden Aufkommen bei den Übernachtungen zu rechnen.
Gerade bei den Mehrtagesgästen sei die Nachfrage gesichert: Für viele Gäste sei es wünschenswert, mehrere Tage im Resort zu bleiben. Typisch seien zwei Tage im Europa-Park plus ein weiterer Tag in Rulantica. Baumert sprach von positiven Übertragungseffekten, die durch die längeren Urlaube für die ganze Region entstünden. Einer davon: Gäste, die mehrere Tage im Park bleiben, entlasteten Umwelt und Verkehrssituation, da nur eine An- und Abreise nötig sei.
Wohnungsmarkt: Auf einen möglicherweise negativen Übertragungseffekt kam das Ruster Gemeinderatsmitglied Jörg Herdrich (Aktive Bürger für Rust) zu sprechen: Es gebe ja nicht nur Beherbergungsgäste, sondern auch viele Mitarbeiter beim Europa Park, die ebenfalls annehmbar untergebracht werden müssten. Die Mitarbeiter des Parks zöge es auf den freien Markt, weil die Wohnungen des Parks nicht attraktiv genug seien, so Herdrich.
Bürgermeister Kai-Achim Klare räumte ein, dass das Thema Wohnraumbeschaffung beide Gemeinden sehr beschäftige, machte aber deutlich: „Wir haben ein großes kommunales Wohnungsangebot.“ Die Zusammenarbeit mit Wohngenossenschaften wie dem Familienheim erlaube es den Rustern gar, unterhalb des Marktniveaus zu bleiben. Klare: „Objektiv gesprochen haben wir keine Mietraummangellage“.
Verkehr: Ebenfalls Teil der Sitzung war die Erstellung eines Mobilitätskonzepts für die Verkehrssituation rund um den Park. Warum, machten Weber und Klare deutlich: Sie rechnen weiterhin mit einem stark Pkw-fokussierten Anreiseverkehr. So erklärte Weber, dass die Bahn bei einer Ringsheimer Ratssitzung im Dezember klar gemacht habe, keine zusätzlichen Zughalte am Bahnhof Ringsheim/Europa-Park zu planen.
Hinzu komme die undurchschaubare Situation beim Ausbau der Rheintalbahn sowie der A5. Man rechne allerdings mit einer schwierigen Situation bis mindestens 2042, sagte Klare. Um einem Verkehrschaos zu entgehen, sei es daher nötig, ein Mobilitätskonzept aufzustellen, das allen etwaigen Herausforderungen standhält. Denn: „Es wird künftig nicht weniger Individualverkehr in Rust und Ringsheim geben“, prophezeite Weber.
Für die Erstellung des Konzepts hatte ein Fachbüro ein Angebot über rund 41000 Euro abgegeben. Diese Kosten sollen vom Europa-Park sowie dem ZVT nach einer Quote, die noch zu vereinbaren ist, aufgeteilt werden. Der Beschluss wurde einstimmig angenommen.
Streitthema Wasser
Der Wasserverbrauch des Europa-Parks erhitzt immer wieder die Gemüter. Bei der Information über den Projektstand zur Neustrukturierung der Trinkwasserversorgung gingen Weber und Klare vor allem auf das zentrale Motiv für die Reform ein: die Entkopplung des Parks vom restlichen Trinkwassernetz der Gemeinde Rust. Ziel sei es, dass das Wasser künftig nicht mehr durch den ganzen Ort geleitet werden müsse, um ganz am Ende beim eigentlichen Abnehmer – dem Europa-Park – zu landen. Ringsheims Bürgermeister Weber ging noch einmal auf die Kritiker des hohen Wasserverbrauchs des Parks ein: „Wir haben definitiv kein Mengenproblem“, sagte Weber. Er bat den Park dennoch, auch beim geplanten Hotelbau möglichst trinkwasserschonend zu bauen.