Auf dem Langenhard bei Lahr leben die jungen Flüchtlinge in Containern dieser Art, mit 15 Quadratmetern Größe und Platz für zwei Betten. Diese Aufnahme ist in einer Gemeinschaftsunterkunft in Mecklenburg-Vorpommern entstanden, denn das Landratsamt des Ortenaukreises hat unsere Redaktion gebeten, mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner auf dem Langenhard nicht zu fotografieren. Foto: Wüstneck

Seit knapp einem Jahr werden junge Flüchtlinge auf dem Langenhard bei Lahr untergebracht. Die Unterkunft wird vermutlich noch eine Weile gebraucht, denn die Zahl der Neuankömmlinge hat weiter zugenommen.

Anfang September 2023 hatte der Ortenaukreis sechs Zelte mit je zehn Feldbetten für junge Flüchtlinge auf dem Langenhard errichtet, die zwei Monate später durch Wohncontainer ersetzt wurden – der aufkommenden Kälte wegen. Das Ganze war eine Notmaßnahme, der Kreis wusste sich nicht mehr anders zu helfen. Denn die Bundespolizei hatte im Spätsommer 2023 täglich unbegleitete minderjährige Ausländer – kurz: UMA – aufgegriffen, die dann in die Inobhutnahmestelle des Ortenaukreises gebracht wurden. Die Unterbringungsmöglichkeiten waren erschöpft, deshalb errichtete der Kreis die Unterkunft im Hof des Jugendhilfezentrums „Iskiz“ auf dem Lan-genhard. Wie sieht es heute dort aus – und wie lange bleibt das Containerdorf noch? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen dazu.

 

Wie viele junge Flüchtlinge leben zurzeit auf dem Langenhard?

Laut Landratsamt 30 bis 40, von denen einige in den Wohncontainern, die meisten aber in den „Iskiz“-Häusern untergebracht worden sind (die Abkürzung steht für Intensiv-stationäres Kriseninterventionszentrum). Normalerweise leben Kinder und Jugendliche, deren Eltern ihrer Erziehungsaufgabe nicht mehr gerecht werden können, in dem privat betriebenen Heim. In den vergangenen Jahren sind dort aber auch immer wieder junge Flüchtlinge untergekommen, da andernorts kein Platz mehr für sie war. Weil bereits das pädagogische Iskiz-Personal vor Ort ist, stellte der Kreis auch die Container für neue UMA dort auf – denn junge Flüchtlinge sollen eine besondere Betreuung erhalten.

Tagsüber können die Bewohner die Aufenthaltsräume im Iskiz-Haus nutzen. Auch die Verpflegung der Flüchtlinge in den Containern übernimmt das Heim. Auf dem Langenhard stehen zurzeit zehn Wohncontainer, jeweils 15 Quadratmeter groß, mit je zwei Betten und Spinden, außerdem ein Toiletten- und ein Duschcontainer. Die UMA, die im Haus untergebracht sind, haben voll ausgestattete Zimmer. Mitsamt dem dem Haus stehen 51 Plätze zur Verfügung.

Aus welchen Ländern kommen sie?

Das Landratsamt nennt als Hauptherkunftsländer Afghanistan, Guinea, Kamerun, die Elfenbeinküste, Syrien und Türkei. Bei den Neuankömmlingen, die teils eine monatelange, beschwerliche Flucht hinter sich haben, gehe es zunächst darum, sie gut aufzunehmen und zu versorgen, so der Kreis. Gleichwohl wird versucht, ihnen einen strukturierten Tagesablauf zu bieten. Es gibt feste Essenszeiten, außerdem erhalten die Flüchtlinge Lernmaterialien, die sie morgens bearbeiten können – damit sie anfangen, Deutsch zu lernen. Nachmittags spielen sie Fußball oder gehen in die Stadt. Da alle UMA neu ankommen, haben sie außerdem zahlreiche Termine wahrzunehmen, etwa die Gesundheitsuntersuchung oder Altersfeststellung.

Die jungen Flüchtlinge sind gewissermaßen auf der Durchreise, sie bleiben nicht mehr als zwei oder drei Monate auf dem Langenhard – so lange, bis ihr Alter festgestellt worden ist und sie dann bundesweit verteilt werden. Der Ortenaukreis selbst hat seine Aufnahmequote für die langfristige Unterbringung von UMA erfüllt, wie Kai Hockenjos betont, der Pressesprecher des Landratsamts. Rund 180 Jugendlichen sind dauerhaft in der Ortenau untergekommen. Beim Containerdorf auf dem Langenhard setzt der Kreis übrigens rund um die Uhr eine Security ein, da man eine 24-stündige Aufnahmegarantie sicherstellen müsse, heißt es. Polizeieinsätze seien bisher nicht nötig gewesen.

Welche Kosten verursacht das Containerdorf für den Kreis?

Für die Unterbringung der UMA sei ein Kostensatz mit der Jugendhilfeeinrichtung verhandelt, wie dies in der Jugendhilfe in allen Einrichtungen üblich sei, so die Antwort aus der Ortenaubehörde, die keine Zahlen nennt. Dabei würden sowohl der Wohnraum als auch die Betreuungsleistung oder das Essen vergütet. Die Kosten für die Unterbringung erstatte das Land Baden-Württemberg. Die UMA, die bundesweit verteilt werden, sind über den Jugendhilfeträger voll versorgt und erhalten kein weiteres Taschengeld oder sonstiges Bargeld.

Wie lange ist das Containerdorf noch in Betrieb?

Beim Aufstellen der Container auf dem Langenhard hatte der Kreis von einer Übergangslösung gesprochen, die für sechs bis zwölf Monate gedacht sei. Nun sind sie noch bis Ende Oktober angemietet. Man werde dann aufgrund der aktuellen Lage entscheiden, ob der Mietvertrag verlängert wird, teilt Hockenjos mit.

Eine genauere Auskunft vermag die Behörde begreiflicherweise nicht zu geben, da niemand sicher vorhersagen kann, wie viele UMA noch kommen. Jedoch: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass der Zuzug hoch bleibt und das Containerdorf somit noch länger gebraucht wird. Denn bis Ende Juni sind bereits 290 UMA im Ortenaukreis angekommen. Es ist die zweitgrößte Zugangszahl zu diesem Zeitpunkt, die nur leicht unter dem Höchstwert von 2016 liegt.

Zum Vergleich: 2023, als der Kreis als letzten Ausweg die Container auf dem Langenhard aufstellte, waren es Ende Juni 215, im Jahr davor 205. Im gesamten vergangenen Jahr kamen 749 UMA im Kreis an. Erfahrungsgemäß gehen die Zahlen im Spätsommer und Herbst nach oben. Es sind fast ausschließlich Jungs: Unter den 290 UMA im ersten Halbjahr waren laut Landratsamt lediglich fünf Mädchen. Fast alle reisen über Frankreich oder die Schweiz in das Kreisgebiet ein.