Die Geschäftspartner Richer Po (von links) und Julia Sakirov, die Mitarbeiterinnen Marianna Özdinar und Deborah Humm, Oberbürgermeister Markus Ibert und Landesreferent Christian Aigner vom Bundesverbandprivater Anbieter sozialer Dienste Foto: Posa Pflege

Julia Sakirov und Richer Po versorgen mit ihrem neuen ambulanten Dienst seit August rund 60 Patienten. Beim Tag der Offenen Tür zeigte sich das Team für die Zukunft gut aufgestellt.

In Lahr gibt es einen neuen ambulanten Pflegedienstanbieter. Seit August ist in der Innenstadt die Posa Pflege von Julia Sakirov und Richer Po ansässig. Die Neuen sind allerdings keine Unbekannten: Po arbeitet bereits seit sechszehn Jahren im Pflegesektor. Jetzt haben er und seine Kollegin Sakirov den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

 

Auch den Räumlichkeiten, die am Tag der Offenen Tür zu besichtigen waren, merkt man an, dass hier keine Neulinge, sondern erfahrene Fachkräfte am Werk sind. Alles wirkt freundlich und zugleich funktional. Dass die Posa-Pflege hier erst seit knapp vier Monaten zuhause ist, fällt nicht auf.

Ibert weist auf Bedeutung der Pflegedienste hin

Der Zuwachs im Pflegesektor ist in Lahr höchst willkommen. Das wurde von allen Anwesenden deutlich gemacht. Lahrs Oberbürgermeister Markus Ibert wies auf die gesellschaftliche Bedeutung der Pflegedienste hin: „In einer Stadt wie Lahr ist die Zusammenarbeit aller Akteure wichtig. Die Pflegedienste sind dabei ein ganz wichtiges Rädchen für das Zusammenwirken der Stadt.“ Renate Link, Sozialarbeiterin beim Sozialdienst des Ortenau-Klinikums, freute sich ganz offen darüber, endlich einen neuen Ansprechpartner für die Lahrer Region zu haben.

Keine Frage: Der Bedarf im Versorgungsgebiet von Posa ist hoch. Dabei stellt sich der Dienst breit auf: Von Freiburg bis Baden-Baden reicht das Einzugsgebiet. Lahr bildet dabei das Zentrum. Primäres Ziel sei es, schnell bekannter zu werden, erklärt Sakirov im Gespräch mit unserer Redaktion. Unterstützung beim Aufbau erhielten Sakirov und Po vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Landesreferent Christian Aigner war eigens aus Stuttgart angereist und zeigte sich beeindruckt vom raschen Fortschritt des neuen Dienstes. Rund 55 bis 60 Patienten werden bereits versorgt, zudem beschäftigt das Unternehmen etwa 15 Angestellte – was laut Aigner angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege „echt beeindruckend“ ist.

„Mittlerweile sind fast 50 Prozent der Anbieter im Pflegesegment privat“, sagt Aigner. Die andere Hälfte werde weiter von kirchlichen Trägern geführt – wobei der Ruf von privaten Anbietern oft schlechter ist als der von kirchlichen. Zu Unrecht, wie Aigner findet. Auch Po betont im Gespräch, dass ihm sowohl der soziale Umgang mit seinen Angestellten als auch mit der Kundschaft besonders wichtig sei – und nicht eine primär profitorientierte Arbeitsweise.

Team hat für die Zukunft schon einige Ideen

„Eine Massenabfertigung gibt es bei uns nicht“, sagt auch seine Geschäftspartnerin Sakirov. Für ihre Kunden seien ihnen und allen Angestellten Zeit und eine persönliche Zuwendung wichtig. In Bezug auf die Arbeitnehmer sei ein gutes Betriebsklima unerlässlich, erklärt Po. Das gelte auch für die Vermittlung von 24 Stunden-Kräften, was ein Fokus der Posa-Pflege ist. Gemeint sind Betreuungskräfte, die bei pflegebedürftigen Personen zu Hause leben.

Für die Zukunft haben Po und Sakirov noch einige Ideen – auch wenn sich nicht alle davon sofort umsetzen lassen. So hatte Po ursprünglich geplant, einen Friseurservice anzubieten, doch die Handwerkskammer machte dem einen Strich durch die Rechnung. Die Begründung: Es müsse stets ein Friseurmeister anwesend sein. Was in einem klassischen Friseursalon gut funktioniere, sei im ambulanten Pflegealltag allerdings nur schwer umsetzbar, erklärt Po. Ganz begraben will er seine Idee mit dem Haareschneiden aber noch nicht: „Vielleicht finde ich ja einen ausgebildeten Friseur“, sagt der Pflegedienstchef.

Versorgung

Rund 625 000 Menschen in Baden-Württemberg sind laut Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration in Baden-Württemberg auf Pflege angewiesen – Tendenz steigend. Bereits heute werden mehr als 85 Prozent von ihnen zuhause versorgt, häufig von Angehörigen oder ambulanten Diensten.