Gegenüber dem Vorjahr werden um 1,9 Prozent mehr Fahrgäste in den Stadtbahnen und Bussen unterwegs sein. Foto: dpa

Auf die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) kommen harte Zeiten zu. Dem verstärkten Streckenausbau in den kommenden Jahren stehen wegbrechende Zuschüsse gegenüber. Immobilienverkäufe bessern die Bilanz auf.

Stuttgart - Auf die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) kommen harte Zeiten zu. Dem verstärkten Streckenausbau in den kommenden Jahren stehen wegbrechende Zuschüsse gegenüber. „Das Grundsystem funktioniert so nicht mehr“, warnte Jörn Meier-Berberich, kaufmännischer Vorstand, bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans für 2014.

Dabei sehen die Zahlen für 2013 gut aus. Gegenüber dem Vorjahr werden um 1,9 Prozent mehr Fahrgäste in den Stadtbahnen und Bussen unterwegs sein. Eine Zunahme des Berufsverkehrs und weiter steigende Studierendenzahlen können sinkende Schülerzahlen ausgleichen. Die Fahrgeldeinnahmen sind um 3,7 Prozent auf 223,4 Millionen Euro gestiegen. Am Ende des Jahres wird eine Lücke von 18 bis 19 Millionen stehen, welche die Stadt ausgleichen muss – deutlich weniger als die erwarteten 24,7 Millionen Euro. Grund dafür sind Erlöse aus Grundstücksverkäufen in Möhringen und Degerloch. Gleichzeitig haben sich die SSB mit einem Gewinn aus dem riskanten Cross-Border-Leasing mit den USA verabschiedet.

Möglich ist diese Bilanz außerdem, weil große Investitionen auf die lange Bank geschoben werden. So haben sich die SSB notgedrungen von dem Plan verabschiedet, das Verwaltungsgebäude in Möhringen für rund 60 Millionen Euro zu sanieren. Das Dach ist undicht, die Sanitärräume und Zuschnitte der Büros nicht mehr zeitgemäß. In dem 40 Jahre alten Gebäude hätten alle Verwaltungsbeschäftigten und Auszubildenden gebündelt werden sollen. Daraus wird jedoch ebenso wenig wie aus dem gewünschtem Bau von Abstellanlagen und weiteren Gebäuden für die neuen Stadtbahnwagen.

Ticket-Preise steigen zum 1. Januar um 2,8 Prozent

Durch den Verzicht sowie weiter steigende Fahrgeldeinnahmen rechnen die SSB 2014 sogar mit einem Überschuss von knapp zwei Millionen Euro. Der Investitionsbedarf ist aber weiter hoch. Die Verlängerung der U 12 nach Dürrlewang auf der einen und durch das Europaviertel und vom Hallschlag bis zur Aubrücke auf der anderen Seite, die Verlängerung zahlreicher Bahnsteige, der Beginn des Umbaus der Haltestelle Staatsgalerie wegen Stuttgart 21, die Neuordnung der Haltestelle Cannstatter Wasen oder Umbauten infolge des Rosensteintunnels verschlingen jeweils hohe Millionenbeträge. Weil aber Zuschüsse aus Bund und Land in den kommenden Jahren auslaufen oder gekürzt werden, könnte es in Zukunft eng werden. „Die Finanzierung bleibt das größte Problem im Nahverkehr“, sagte SSB-Vorstand Reinhold Bauer.

So müssen etwa neu angeschaffte Fahrzeuge seit 2007 komplett selbst finanziert werden, die Förderquote des Landes für Infrastruktur sinkt von 75 auf 50 Prozent. Priorität haben laut Meier-Berberich daher alle Vorhaben, die Ziele des Aktionsplans zur Mobilität von OB Fritz Kuhn (Grüne) unterstützen. „Der Ausbau der Netze, neue Fahrzeuge und neue Angebote sind unser Beitrag.“ 2014 soll der Firmenticketrabatt verdoppelt werden, wenn sich der Arbeitgeber mit mindestens zehn Euro im Monat beteiligt. Außerdem sollen Gelegenheitsfahrer günstiger wegkommen. Die Ticket-Preise steigen zum 1. Januar um 2,8 Prozent. Entgegen der landläufigen Meinung sei der Preis für die Entwicklung der Fahrgastzahlen jedoch nicht von entscheidender Bedeutung. Wachstum, so Meier-Berberich, werde vor allem durch neue Strecken geschaffen.

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