Kantorei und Orchester beim gemeinsamen Auftritt in der Stadtkirche. Foto: Thomas Fritsch

Am Ewigkeitssonntag versammelten sich sehr viele Menschen in der Stadtkirche Nagold. Der Anlass war das geistliche Chorkonzert der Evangelischen Kantorei Nagold "Tod – Ewigkeit – Advent".

Nagold - Zum ersten Mal seit drei Jahren durften die Kirchenbesucher dem Auftritt des Chores, der Solisten und des Kantatenorchesters wieder beiwohnen und dabei der Verstorbenen gedenken, Trost in Musik und Wort finden und neue Hoffnungen schöpfen.

Pfarrer Matthias Trumpp verband die musikalischen Beiträge mit Überlegungen über menschliche Ängste und Zerrissenheit angesichts des Todes und hob zugleich die Kraft des Glaubens an Christus und an ewiges Leben hervor.

Unwirklich leise

Das "Kyrie" für gemischten a-Capella-Chor von Carsten Klomp begann fast unwirklich leise, dann blühte die Stimmenkraft stark auf und gipfelte in einem dramatischen Ruf um die Gottesgnade. Bald darauf stellten sich die Choristen in den Kirchennebenschiffen auf und führten dasselbe Werk erneut auf, jedoch mit noch größerer Hingabe und Intensität.

Ihre stimmliche Verfassung bekräftigte die Kantorei in dem Gemeindelied "Herr, mach uns stark", wo sie eine Strophe a Capella vorführte und die Tonhöhe bis zum Schluss nicht absinken ließ. Ein Kompliment.

Zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach, "Wachet auf, ruft uns die Stimme" und "Nun komm, der Heiden Heiland" bildeten ein Gerüst für das Hoffnung bringende Konzert am Totensonntag. Nach monatelangen Vorbereitungen, endlich frei von der Pandemie-Bremse erreichte die Bezirkskantorin und Dirigentin Eva-Magdalena Ammer ein Optimum an Gesangsqualität ihrer Kantorei sowie ein ausgewogenes Klangbild des Gesamtapparates.

Freude am gemeinsamen Musizieren

Die Chorleiterin wirkte souverän und sicher in den dichten Strukturen der Bachschen Polyphonie, gab klare Anweisungen, hielt konsequent zügige Tempi und fügte die vokalen und instrumentalen Stimmen zu einem farbigen, wohlklingenden Mosaik zusammen. Wie vor Jahren zogen die Laiensänger und Orchester-Profis an demselben Strang, unterstützten sich gegenseitig und fanden Freude am gemeinsamen Musizieren.

Die Generalbass-Gruppe begleitete professionell und gefühlvoll die Gesangssolisten in den Arien und Rezitativen. Und so verwandelten Tabea Krause und Torsten Müller das Duett "Wenn kömmst du, mein Heil"? zu einem ergreifenden wie wohlklingenden Geflecht aus leuchtendem Sopran, anschmiegsamem Bass und sanften Violine-Figurationen (Theresia Hanke). Die helle Stimme von Christian Wilms (Tenor) verriet im Choral "Zion hört die Wächter singen" ihre heldenhaften Züge sowie ein großes Dynamik-Potenzial.

Ammer ist auch als Solistin zu hören

Für das Rezitativ "Wir ehren diese Herrlichkeit" gesellte sich die Dirigentin Ammer mit ihrer weichen Mezzosopran-Stimme zu den Solisten und bildete mit Sopranistin Krause ein niveauvolles wie ausgeglichenes Duett.

Nachdem Pfarrer Trumpp den Adventssegen erteilte, brach in der Kirche ein donnernder Applaus aus. Die Zuhörer belohnten damit nicht nur die enorme Leistung der gesamten Mannschaft von Ammer. Auf allen Gesichtern malten sich Genugtuung und Zufriedenheit, da das Konzert zu einem echten Ereignis wurde und wirkte nach langer Zeit der Entsagung wie eine Eintrittskarte in die Normalität.