Seit wenigen Tagen gibt es wieder Flugverkehr aus dem Nahen Osten (Symbolfoto). Foto: Florian Wiegand/dpa

Albert M. Kraushaar aus Bad Liebenzell hat es mit seiner Familie geschafft: Die Dubai-Urlauber sind zurück im Land. Doch es hieß Bangen bis zum Rollfeld und Ärgern in der Heimat.

Hörbare Explosionen, Kampfjets, Warnungen vor Angriffen: Albert M. Kraushaar aus Bad Liebenzell erlebte die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten tagelang hautnah mit seiner Familie.

 

Kraushaar, der als freier Journalist für unsere Redaktion tätig ist, saß wie viele Tausend andere Deutsche in der Region fest. Und konnte nicht mehr aus dem Familienurlaub in Dubai nach Hause zurückkehren.

Wegen der Angriffe der USA und Israels auf den Iran – und den darauf folgenden Gegenangriffen auf arabische Nachbarstaaten – war der Luftverkehr im Nahen Osten vielerorts zum Erliegen gekommen.

Eigentlich hätte Kraushaar bereits am Montagmittag vergangene Woche zurückfliegen sollen. Daraus wurde jedoch nichts.

Tausende harren in Hotels aus

Angst bestimme das Tagesgeschehen in Dubai, berichtete er noch vor wenigen Tagen von vor Ort. Tausende harrten zu diesem Zeitpunkt noch in den Hotels aus.

Als am Mittwochnachmittag dann am Flughafen Dubai wieder Fluglärm zu hören gewesen sei, habe es aber wieder Hoffnung gegeben – obwohl noch von Dienstag auf Mittwoch einige heftige Detonation zu hören gewesen seien.

Die gute Nachricht: Inzwischen ist Kraushaar mit seiner Familie wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Doch auch die Heimreise lief alles andere als unaufgeregt ab.

„Mal mehr oder weniger hektisch suchen die Touristen derzeit in Dubai nach Möglichkeiten, den Nahen Osten zu verlassen“, erzählte der Journalist nach seiner Rückkehr.

Wer eine Pauschalreise gebucht habe, habe immerhin Hilfe vom Reiseveranstalter bekommen, der nach Möglichkeiten für einen Rückflug suchte.

„‚Bleiben Sie ruhig, unternehmen Sie nichts auf eigene Faust‘, lautet der Standardsatz der Reiseleiter, ‚und halten Sie sich jederzeit für eine Abreise bereit“, berichtet Kraushaar.

Blick aufs Handy bringt Erlösung

Die Empfehlung sei gewesen, stündlich das Handy zu checken. „Nicht einfach, zumindest in der Tiefschlafphase mitten in der Nacht.“

Donnerstagabend erlebte die Familie kurz nach 20 Uhr Ortszeit noch eine Warnung, nach der sie sich in die Gänge zurückzogen. Eine Stunde später – die Entwarnung war erfolgt – legten sie sich zur Ruhe.

Und in der Nacht brachte ein Blick aufs Handy in einer kurzen Wachphase schließlich die Erlösung: Die Familie solle sich um 10 Uhr auf dem Flughafen einfinden, es stehe ein Rückflug gegen 14.30 zur Verfügung.

Die Warnungen kamen auf Arabisch und Englisch auf dem Handy an. Foto: Albert M. Kraushaar

„Per Taxi ging es zum Flughafen wo ein überschaubarer Betrieb herrschte“, erzählt Kraushaar. Beim Kofferabgeben schrillte dann jedoch plötzlich ein Alarm auf dem Handy. Für die Familie der nächste Schreck.

„Hotel ausgecheckt, Koffer weg, was nun?“, beschreibt der Journalist die Lage. „Die Sicherheitsdienste reagierten jedoch gelassen, kurz danach kam auch Entwarnung, um 14.30 Uhr der Schritt in den Airbus A 380 und ab in Richtung Rollbahn.“

Nochmals eine Stunde später war der Luftraum freigegeben. Die Maschine startete. „Über Saudi-Arabien erreichten wir dann die Sinai-Halbinsel wo der Flieger entlang des Suezkanals an Kairo vorbei Griechenland erreichte.“

Für Kraushaar und seine Familie eine „Riesen-Erleichterung“. Endlich außerhalb der Reichweite von Raketen.

Doch „in Frankfurt angekommen erwartete uns der nächste Stress“, erzählt der Journalist. Im Flugzeug seien überwiegend Familien mit Babys und kleinen Kindern mitgereist – „und die mussten eine Passkontrolle mit Gesichtserkennung über sich ergehen lassen“.

Kleinkinder mussten geweckt werden

Nur ein Schalter mit zwei Beamten habe dafür zur Verfügung gestanden – „wir sind leider unterbesetzt, lautete die Entschuldigung“. Kleinkinder, die auf den Armen der Mütter eingeschlafen waren, hätten zudem zur Gesichtserkennung geweckt werden müssen. „Es verbietet sich, die Äußerungen über die Bundesrepublik Deutschland in Wort und Schrift weiterzugeben“, kommentiert Kraushaar.

Nach mehr als einer Stunde Wartezeit habe dann noch die Heimfahrt gewartet. „Zumindest der Verkehr war tief in der Nacht überschaubar, so dass weit nach Mitternacht unser 24-Stunden-Trip glücklich zu Ende ging“, erzählt der Journalist abschließend.