Schnitzen, Nähen, Malen: Beim Tag des offenen Fasnethandwerks zeigte die Narrozunft eindrucksvoll, wie viel Arbeit in jeder Maske und jedem Häs steckt.
Eine gelungene Premiere, die den Gästen nachhaltig in Erinnerung bleiben wird, feierte die historische Narrozunft in ihrem Zunfthaus. Für einmal ermöglichte sie den Blick in das handwerkliche Brauchtum der fünften Jahreszeit.
An diversen Stationen präsentierten die ehrenamtlich engagierten Helfer die einzelnen Arbeitsschritte, welche notwendig, sind bevor ein Häs zum Einsatz kommt.
Schritt für Schritt zum fertigen Häs
„Auf die Idee für einen derartigen Tag kamen wir im Gengenbacher Niggel-Turm. Die dortige Zunft hatte uns gebeten diverse Arbeitsschritte zu präsentieren die notwendig sind bevor ein Häs getragen wird.“ Hans-Jörg Voggenreiter erläuterte, dass der Erfolg dieser Veranstaltung den Anstoß gab, einen derartigen Anlass im Zunfthaus zu bieten.
Er selbst erläuterte gemeinsam mit Uschi Bohrer praktisch und theoretisch alles rund um die Häsmalerei. „Dass ein Narro auszieht um zu strählen, muss jedes Häs dem anderen gleichen“, bemerkte er. Große Präzision und Konzentration seien dafür erforderlich.
Die Abnahme eines bemalten Häses erfolgt in Abstimmung aller Häsmaler, da viele Augen mehr sehen als nur zwei. Voggenreiter wies zudem darauf hin, dass es inzwischen nicht mehr einfach ist, den für die Häsmalerei qualitativ hochwertigen Leinenstoff zu besorgen, der aktuell aus dem Vorarlberg kommt. „Wir unterstützen uns gegenseitig und führen Anfänger gerne ein“, skizzierte Voggenreiter wie das Fasnet-Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben wird.
So viele Gewerke mischen mit
Was für die Häsmalerei zutrifft, gilt auch für alle anderen Arbeitsschritte, die vor dem Zustandekommen eines Häses notwendig sind.
So konnten die Gäste den Holzkünstlern beim Schnitzen der Holzmasken aus Linde über die Schultern blicken, hören welchen Aufwand es benötigt, das Rosshaar auf der Stirn der Maske anzubringen.
Das Falten des Kragens unter anderem mittels Blessiermaschine zeigte die Zunft ebenso, wie das Anfertigen der Hauben für die Tracht.
Wie ein lebendiges Museum
Das gesamte Zunfthaus wirkte wie ein einziges lebendiges Museum. Viele Gäste bekundeten in langen Gesprächen ihr Interesse an den präsentierten Arbeitsschritten, die sie in dieser geballten Form ansonsten nicht miterleben könnten.
Einen großen Run gab es auch auf das Archiv, in dem die beiden Archivare Christian Strobel und Michael Bohrer kaum eine ruhige Minute hatten. Masken zwischen etwa 1800 und 1950 waren ausgestellt, was den Betrachtern ermöglichte die Entwicklungen zu verfolgen.
Strobel ging davon aus, dass die Maskensammlung in größerer Dimension irgendwann im Franziskaner zu sehen sein wird.
Und wer eine Verschnaufspause einlegen wollte, konnte sich bei Kaffee und Kuchen an einem historischen Film über die Narrozunft erfreuen oder sich mit einem der Zunftmitglieder ins Gespräch vertiefen. Insgesamt war der Tag des offenen Fasnethandwerks der Narrozunft ein voller Erfolg, Wiederholung nicht ausgeschlossen.