Mit Witz, Spitzen gegen die Kommunalpolitik und guter Stimmung startet die Donaueschinger Fastnacht offiziell beim grandiosen Zunftball der Narrenzunft Frohsinn – ein Volltreffer vor vollem Haus. Foto: Roger Müller

2025 war einiges los in Donaueschingen – von der CHI-Absage bis zum Donauquellsommer. Die Narrenzunft Frohsinn nutzte beim Zunftball diese Steilvorlagen.

Gaudi auf der Frohsinn-Alm: Die Narrenzunft Frohsinn hat beim Zunftball am 7. Februar die Donauhallen in Donaueschingen in eine Berglandschaft verwandelt. Doch bevor die Show startet, gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Denn was ist eine Narrenzunft ohne Narrenvater? Alois Käfer geht in den wohlverdienten Ruhestand.

 

Deshalb galt es, einen Nachfolger für dieses ehrenvolle Amt zu finden. Die Kandidaten wurden in zwei Säcken auf die Bühne gekarrt und wie es nun mal in den Frohsinn-Statuten geschrieben steht: Die Wahl muss geheim stattfinden. Jeder Narrenrat wählte durch einen herzhaften Stockhieb mit einem Spruch seinen Kandidaten, der im Sack steckte. Mit sechs zu vier Stimmen stand fest: Markus Willmann ist jetzt Narrenvater auf Lebenszeit.

Markus Willmann wird am Zunftball zum neuen Narrenvater gewählt, eingerahmt vom Obergretle Ljerka Dörle und Tochter Ramona Willmann. Foto: Roger Müller

Wie es sich für einen Zunftabend gehört, wurde die Lokalprominenz auf der Bühne so richtig durch den Kakao gezogen. In kurzweiligen Comedy-Darbietungen nahmen die Laienschauspieler der Narrenzunft Frohsinn das aktuelle Stadtgeschehen aufs Korn. Oberbürgermeister Erik Pauly, trottelig-planlos dargestellt von Alexander Bertsch, fehlte bei einer Bergtour der richtige Durchblick. Denn aufgrund einer Sperrung für die Veranstaltungsreihe Alpen-Bergsommer ging es für die zwei nicht voran. „Eine Sperrung wegen einer Veranstaltung – das ist doch komplett übertrieben“, so sein ungläubiges Fazit.

Beatrix Grüninger (Martina Dannecker) und Erik Pauly (Alexander Bertsch) sind auf Bergtour. Doch hier ist kein Weiterkommen. Foto: Roger Müller

Aber Gott sei Dank war seine resolute Assistentin und Pressesprecherin Beatrix Grüninger (gespielt von Martina Dannecker) dabei. „Wir zwei laufen jetzt irgendwohin – zum Beispiel über den Hintenbergring.“ Doch so richtig war Pauly nicht zufriedenzustellen – er motzte und moserte weiter. „Du hast nicht nur keinen politischen Kompass – sondern gar keinen“, bügelte sie ihn ab.

Auf einer Ruhebank an der Frohsinn-Alm, die von Kerstin Tritschler (gespielt von Luisa Gut) betrieben wird, wurde eine Pause eingelegt: „Diese gelbe Bank wurde für viel Geld nach hier oben gekarrt“, erklärte Tritschler. „Der Blick geht ins Leere und ist beruhigend – erinnert mich an die Karlstraße“, so Paulys messerscharfe Analyse. Tritschlers Hüttenwirt-Praktikant Niko Reith (gespielt von Julian Willmann), beschwerte sich indes, dass die Internetverbindung so schlecht sei.

Beim Bergtour-Sketch (von links): Julian Willmann, Alexander Bertsch, Martina Dannecker und Luisa Gut. Foto: Roger Müller

Das Publikum lachte und applaudierte – kein Wunder: 2025 wurden die kreativen Drehbuchschreiber der Narrenzunft mit einigen Steilvorlagen für satirisch-bissige Theaterstücke versorgt – darunter die unerwartete CHI-Absage, ein sommerliches Verkehrschaos und ein umstrittener Donauquellsommer. Kommunalpolitische Themen also, an denen man sich närrisch so richtig schön abarbeiten konnte.

Die Männer lassen Kuhglocken erklingen: Kai Armbruster (vorn) überzeugt an diesem Abend mehrmals mit Solo-Gesangseinlagen. Foto: Roger Müller

Nicht fehlen durften „Ignaz und Severin“, alias Markus Kuttruff und Thomas Höfler, die konstruktive Lösungsvorschläge in petto hatten. „Wie wärs, wenn die Stadtverwaltung in die alte Realschule zieht und das Rathaus II zur Kneipe umfunktioniert wird?“ So lautete Ignaz‘ Vorschlag. Severin brachte es auf den Punkt: „An der Fasnet zeigen wir der Obrigkeit, wie es besser gehen kann. Das ist ein Ventil, um Unmut abzulassen – aber das harmloseste Ventil überhaupt.“

Das Motto des Zunftballs der Narrenzunft Frohsinn Donaueschingen lautet „Gaudi auf der Frohsinn-Alm“. Foto: Roger Müller

Das Motto zog sich durch jede Nummer: ob es die Tänze vom Gretle-, Zunft- oder Männerballett waren, die musikalische Armbruster-Familie, die dem Publikum einheizte; zwei fotoaffine Murmeltiere, die sich über die partywütigen Mädels aufregten, die den Osterhasen entführten, oder eine Gruppe, die auf dem Alpen-Spa mit Tai-Chi nach Erholung suchte. Hier hatte Spa-Meisterin Barbara einen Geheimtipp: „Nehmt Euch den Eschinger Bauhof zum Vorbild: So wenig Bewegung wie möglich.“

Zum Verein

Narrenverein Frohsinn
Der Narrenverein Frohsinn wurde am 5. März 1854 beim Badischen Bezirksamt in Donaueschingen eingetragen. Gegründet hatte er sich ein Jahr zuvor. Wie der Frohsinn auf seiner Internetseite schreibt, kam die Idee zur Gründung am Fasnet-Sonntag 1853. Schon am Dienstag zog man gemeinsam zur Fasnet nach Hüfingen, um schließlich einen Tag später im Gasthaus Hirschen die Gründung offiziell zu machen.