„Lass doch an Fasnet die Alte zuhause“ vertritt die Männercombo der Johlis seit Jahrzehnten beim Zunftball sängerisch die Meinung. Foto: Martin Gruhler

Einen grandiosen Zunftball feierte die alt-ehrwürdige Narrenzunft Bad Dürrheim. Mit viel Scharfsinn, Pfiffigkeit und Witz wurde im ausverkauften Siedersaal das Publikum verzückt.

Der Beginn des Balls lief nach einem traditionellen Protokoll ab. Nachdem das Blasorchester mit vielen altbekannten Fastnachtsliedern würdevoll in den Abend eingestimmt hatte, begann das eigentliche Ballprogramm mit dem fulminanten Auftritt des Fanfarenzugs.

 

Viel Gänsehautgefühl kam auf, als zum intonierten Dieremer Narrenmarsch die hohen Narrenverantwortlichen sowie die Salzhansel und Narros im Saal einliefen.

Bei der Begrüßung durch Zunftmeister Volker Martin und seinem Vize Lucian Götz bedankten sich die beiden beim Rathaus schon mal im Voraus für die Vorjahr vielfach passierten schrägen Entscheidungen und Vorkommnisse, die als Steilvorlagen für den Ball genutzt wurden.

Das Eröffnungsritual

Zum Eröffnungsritual gehörten auch der Salzhanseltanz und die Verleihung der Eselsorden. In diesem Jahr wurden damit Claudia Vetter und Sandra Giusa ausgezeichnet. Eine weitere Ehrung mit der Verleihung einer Narrenkappe wurde Bürgermeister Jonathan Berggötz zuteil – er ist nun ein Ehrennarr. Hingeführt wurde der offizielle Akt mit einem Motorradsketch, in welchen Landrat Sven Hinterseh als Easy Rider und Klaus Götz als Mofarocker auf die Bühne knatterten. Mit kräftiger Unterstützung der Landtagsabgeordneten Martina Braun wurden dem Stadtoberhaupt bei einer vermeintlichen Laudatio kräftig die Leviten gelesen. Berggötz wurde dafür gelobt, die Narretei immer wieder auf kurzem Dienstweg zu unterstützten. Der Zunftmeister wunderte sich schon ein wenig: „Unser Bürgermeister ist der Sohn eines protestantisches Pfarrers und trotzdem der Fasnet sehr zugewandt – klasse!“

Sieder und Narros

Von sehr viel Können waren die Bühnenvorträge der Sieder und der Narros geprägt. Der neue Siederchef, Fabian Heirler, hatte mit seinem Team die Kita-Handy-Whatsapp-Gruppe aufs Korn genommen. Pfiffig sprangen die Darsteller in einem übergroßen Handy hin und her. Sie zeigten in den gemeinen Whatsapp-Nachrichten die übergroß geforderte politische Korrektheit auf. Da wurde kräftig aus der Seele gesprochen und in Konsequenz viel Beifall generiert. Die Narros um Joachim Limberger präsentierten den Sketch „Die Biber im Wittmannstal“. Die Nager nahmen etwa das Rathaus aufs Korn, als die mathematische Fragestellung, was den das Ergebnis von zwei plus zwei sei. Eine Antwort lautete dort Spettel, eine weitere 5000. Die Biber allein kamen auf das korrekte Ergebnis der Division: Spettel geteilt durch 5000 ergibt eben vier.

Der junge Vorstand zeigt sich nach den erfolgreichen 100-Jahre-Jubiläum weiterhin gut aufgestellt. In ihrem Vortrag standen die Rebellen Asterix und Obelix auf, die die spätrömische Dekadenz ein wenig mit Salz und Sole sowie dem Widerstand dagegen auf Bad Dürrheim ummünzten.

Die legendäre Boygroup „Johlis“ punktete in schwarz-weiß wiederum ziemlich kräftig mit dem wenig praktikablen Ratschlag „Lass doch an Fasnet die Alte zuhause“.

Schlümpfe wuseln umher

Die kleine Tanzgruppe, einstudiert von Sarah Deutschle, wuselte als Schlümpfe-Ensemble umher. Die mittlere Tanzgruppe unter Choreographie von Heike Böhnisch, führte erfolgreich durch eine Märchenwelt. Zugleich leitete sie die Zunftshakers in eine rasante F1-Show.

Die Salzhansel durchliefen erfolgreich eine Fitnesskur, und die große Tanzgruppe (Annika Treichel/Ines Biederhorn) begeisterte mit Forscherdrang.

Durch den langen Abend hatten Karl Blessing, Xenia Götz, Fabian Heirler und Silas Wildgruber charmant geführt. Die erfolgreiche Gesamtleitung hatte Lucian Götz inne gehabt.