Christian Schlüter, Stefan und Tobias Anlicker (von links) lieferten als Kronenraibrunzer einen musikalischen Beitrag. Foto: Volker Münch

Eine Narrenschau vom Feinsten zauberten die Bühnenakteure der Narrenzunft D’Rhiischnooge bei den beiden Zunftabenden auf Bühne des Stadthauses in Neuenburg.

„D’Zite sin duschter, sage d’Lit – aber d’Fasnacht isch heiter, drum mache alli mit!“ – so lautete das Motto der gerade ablaufenden Kampagne in der Neuenburger fünften Jahreszeit. Diesem Motto haben sich die Rhiischnooge mehr als verschrieben und ein knapp vierstündiges Programm auf die Beine gestellt.

 

Schon in der Begrüßungsrede von Oberzunftmeister Tobias Anlicker hagelte es erste närrische Spitzen, beispielsweise gegen die Nachbarstadt Müllheim, wo „ohne uns Neueburger halt gar nix goht“. Auch die Oberen des eigenen Städtles bekamen vom obersten Schnoog ihr Fett weg. Die Haushaltssperre und die deutlich geringere Bürgerdichte bei der Einwohnerversammlung im Vergleich zu zwei ausverkauften Zunftabenden waren Thema und sorgten für erste Lachsalven.

Aber Anlicker wäre nicht Anlicker, gäbe es nicht auch einiges Positives zu berichten: „Trotzdem isch in unserm Städtli immer was los, es wird auch gefeiert ohne Geld!“ Seine Beispiele: Nepomukfest, Rheinfeier-Festival und Fasnacht.

Eine eigene Bühnennummer, oder besser gesagt fast ein Dutzend Einlagen bot das Moderatorenteam Markus „Blechle“ Weber und Sohn Hannes. Angelehnt an die SWR-Klamaukserie „Hannes und der Bürgermeister“ ergaben sich so mancher Wortwitz: „Ich bin nit di Vater, sondern de Bürgermeischter“, maßregelte der „Blechle“ seinen Sohn. Eine besondere Einlage war Markus Webers Auftritt als gealtertes Gardemädchen – eine Nummer, die schon vor Jahren kräftig zündete.

Nepomuk mit Sonnenbrille

Als Schutzpatron Nepomuk kam Christian Schlüter auf die Bühne. Er beklagte sich, versteckt hinter einer Sonnenbrille, dass er wegen seiner deftigen Kritik an der ursprünglichen Entscheidung, das Nepomukfest ausfallen zu lassen, auf seinem Sockel stehend angegangen wurde. „Ich hab’ doch nur den öffentlichen Protest der Bürger als Schutzheiliger kundgetan.“

Doch zum Glück habe sich alles zum Guten gewendet, wie es nur Neuenburger stemmen könnten: „Es war ein spektakuläres Nepomukfest-Jahr!“

Christian Schlüter als Schutzpatron Nepomuk mit Sonnenbrille Foto: Volker Münch

Sein Streifzug durchs Städtle führte den Brückenheiligen durch das abwechslungsreiche Angebot der Döner-Läden.

Mit dem ICE aus Mailand angereist waren die „Divas“ (Anja Hamburger, Vivien Voelkel, Elga Sidorenko, Janina, Vanessa und Tanja Schäfer), die „ihre Welttournee als Gesangssextett“ unterbrochen haben, um das bevorstehende 100-jährige Bestehen der Rhiischnooge professionell zu organisieren.

Rank und schlank bis zum Jubiläum

Ihren Tribut zollen müssten dabei die Gemeinderäte, die wegen des Finanzlochs nach ihren Ratssitzungen auf Essen und Getränke verzichten müssen und bis zum Jubiläum dann rank und schlank sein werden.

Ein besonderer Hingucker waren die Tänze. Foto: Volker Münch

Vom Feinsten war der musikalische Beitrag der Kronenraibrunzer (Christian Schlüter, Stefan und Tobias Anlicker), die sich nicht nur über die neue „Müllheimer KI namens Kimmi“ ausließen. Im Neuenburger Rathaus sei die gar nicht nötig, weil dort alle Mitarbeiter fit im Kopf seien, so der Rückschluss der drei Musiker mit einem kräftigen Augenzwinkern. Aber auch das Finanzdebakel der Heimatstadt – „46 Millione sin eifach zuviel!“ – war Inhalt ihrer Lieder.

Mit Wortspielen

Dann am Ende ein Kracher als Bütt: Peter Steinbeck als „Bald-Rentner“ und neues Mitglied der Selbsthilfegruppe „Plötzlich Rentner“ zeigte sich als Meister des Wortwitzes, der Interpretation und der Wortspielerei. Auch da bekam die Nachbarstadt ihr Fett weg. Mit jedem Satz brodelte es vor Lachen und Beifall mehr im Stadthaus.

Ein besonderer Hingucker waren die Tänze. Ob es die Kleinsten der Nachwuchsgarde waren oder die Zunftgarde mit ihrem schmissigen Hästanz oder ihrem Schautanz als Bond-Girls oder am Ende der Hästanz der Schnooge-Hästräger – die Choreografien überzeugten, sodass keine Gruppe ohne Zugabe von der Bühne durfte.

Ein Glanzstück war auch die Wetter-Revue der Wuhrlochfrösche mit bis zu 40 Aktiven.