Die Grenzacher Zunftspieler brillieren mit viel lokalen Bezügen und einer Notmusterung vor Ort. Manfred „Tat“ Wagner gibt nach 36 Jahren sein Abschiedsprogramm.
Mit langanhaltendem Beifall wurden am Wochenende die beiden ersten Grenzacher Zunftabende im Haus der Begegnung von den Zuschauern gefeiert. Vier Stunden beste Unterhaltung boten die Zunftspieler um Regisseur Peter Jehle, die in den Umbaupausen von der Partyband „Route 66“ abgelöst wurden. Als „Haus-Band“ bezeichnete Oberzunftmeister Stefan Koppetsch die Freiburger, die selbst nicht mehr wissen, wie lange sie schon dabei sind. Ob mit Schunkeln oder Stehtanz – Route 66 weiß noch immer das Publikum mitzureißen. Spätestens bei der Verlängerung des Abends, wenn die Bühne zur Tanzfläche wird.
Premiere der „Räbschrate“ mit urigen Holzmasken
Neu sind in diesem Jahr die „Räbschrate“, die beim Einmarsch mit dem kräftigen Rotton im Häs und den urigen Holzmasken in der närrischen Menge auffielen und nun ihr Probejahr in der Grenzacher Narrenzunft absolvieren. Kein Probejahr mehr nötig hat Manfred „Tat“ Wagner. Das Multitalent der Zunftspieler zieht sich nach 186 Zunftabenden in beeindruckenden 36 Jahren nach dieser Session in das Hintergrundteam der Truppe zurück.
Die auf der diesjährigen Plakette abgebildeten Fallschirmspringer stellten mit der Auftaktnummer nochmals das Motto „Wenn de muesch, sotsch welle!“ vor. Dabei gingen schon die ersten Pfeile zu den Traditionsfreunden nach Wyhlen, deren zwei Abordnungen das grinsend mit lauten „Buh“-Rufen quittierten, während die Grenzacher herzhaft lachten.
Den „funkelnden Edelstein im Kranz der Geschichte“ stellten die Zunftspieler im zweiten Stück im Zeitraffer dar und beleuchteten die verschiedenen Marktgewohnheiten über die ersten 700 Jahre des offiziellen Bestehens der Siedlung unweit des Hornfelsens.
Eine gefeierte Tanzeinlage im Matrosenkostüm lieferte der „Narresome“ der Zwätschge Huuser.
Natürlich darf beim Grenzacher Zunftabend die Kommunalpolitik und -Verwaltung nicht fehlen, gab es im vergangen Jahr doch so manche Vorlage. Ozume Koppetsch versicherte sich eingangs noch mal persönlich, ob Alt-Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin nun wirklich im Ruhestand sei, ehe dessen Nachfolgerin dann ihren Einstand auf der Bühne hatte. „Nabbefeld, wie Neufeld, aber mit ‚abbe‘ dazwischen“, stellte sich Leon Intveen als besagte Amtsleiterin vor, die dann leidenschaftlich die Digitalisierung auf dem Rathaus vorstellte. Dass dabei der Abend noch menschlich-analog funktioniert, zeigte sich bei den wenigen Texthängern. Diese wurden umso mehr von den Zuschauern gefeiert, ist der Abend sonst nahezu perfekt durchstrukturiert.
Kölsche Kultcomedy ist lieb gewonnene Tradition
Zur lieb gewonnen Tradition gehören im zweiten Akt die kölsche Kultcomedy „De Doofen un de Jeck“ (Peter Jehle und Heinz Weiß) sowie die „Johannes Singers“.
Letztere besangen leidenschaftlich das Grenzacher „Nationalgetränk“ Weinschorle und ließen eine Abschiedshymne auf Petra Schlegel vom Wyhlener Spielzüglädeli folgen. Mit der Notmusterungsstelle in einem Bauwagen wurde auch ein Bundesthema an den Hochrhein gezogen, ehe zum Finale die Neue Mitte Grenzach die Protagonisten beschäftigt.