Beifall für die Regisseure und das ganze Team: Olli Kienzler (Mitte links) und Timo Klötzl erlebten einen emotionalen Abschied beim Villinger Zunftball in der Tonhalle. Foto: Historische Narrozunft Villingen

Timo Klötzl und Olli Kienzler waren zehn Jahre lang die Regisseure des Villinger Zunftballs. Jetzt geben sie die Verantwortung ab. Stolz sind sie auf das ganze Team.

Sie sind stolz auf ihr Team, auch Tage nach dem Schlussapplaus noch bewegt von den emotionalen Abschiedsszenen beim Zunftball in der Neuen Tonhalle und können es kaum fassen, dass die Zeit vorbei ist: die scheidenden Regisseure Timo Klötzl und Olli Kienzler.

 

2017 hatten sie ihren ersten Ball als Nachfolger von Anselm Säger und Alexander Brüderle auf die Bühne gebracht und sich schon damals gesagt, nach zehn Jahren aufzuhören. Dass sie überhaupt den Regiestab in die Hand nehmen, sei ihnen eigentlich nie in den Sinn gekommen.

Bei seinen Vorgängern für die Technik verantwortlich, seien die beiden plötzlich in seiner Wohnung gestanden und hätten ihm die Regie angeboten, erinnert sich Klötzl an einen denkwürdigen Abend. Kienzler war 2011 mit einem Gastauftritt als „Schwenninger“ zum Ball gestoßen, die ganze Crew habe ihn herzlich aufgenommen und er sei aus der Nummer nicht mehr herausgekommen, erzählt er. Auch ihn habe die Anfrage der damaligen Regisseure überrumpelt, zumal er so automatisch in den Rat der Zunft kam, „als erster Schwenninger“, wie er heute mit einem Schmunzeln sagt.

Nach einer kurzen Bedenkzeit stimmte jeder zu, ohne den anderen außerhalb der Ballzeit zu kennen, stellen sie fest. Doch längt sind sie ein eingeschworenes Duo und werfen sich gegenseitig die Bälle zu, auch als sie entspannt in der Zehntscheuer sitzen und die viele Erlebnisse noch einmal in Gedanken durchspielen.

Immer Ideen entwickelt

„Wie haben uns in den zehn Jahren nicht ein einziges Mal gestritten“, stellt Klötzl fest. „Wir wissen genau, wie der andere tickt“, ergänzt Kienzler, „unser gemeinsames Ziel war es von Anfang an, mit allen Mitwirkenden einen tollen Ball auf die Bühne zu bringen und zusammen Spaß zu haben“.

Beste Freunde – ein Ritual: Sekt auf der Bühne bevor sich der Vorhang für die Premiere hebt. Foto: Narrozunft

Die Ideen hätten sie das ganze Jahr über umgetrieben, sagt Kienzler, der für das Programm zuständig war. Da habe er bei spontanen Einfällen selbst in den Ferien die ein oder andere Nummer zu Papier gebracht, jede Aufführung unterm Jahr mit den Augen eines Regisseurs betrachtet. Auch er habe bei Shows im Urlaub genau auf die Technik geschaut, erklärt Klötzl, der mit Bühnenbildnern und Kulissenbauern für die Ausstattung und die technische Umsetzung sorgte.

Lösung für jeden Wunsch

Er habe gewusst, dass sein Regie-Partner eine Lösung für jeden Wunsch findet, verrät Kienzler. In der heißen Phase ab Dezember sei es täglich per Whatsapp hin- und hergegangen. Sie hätten sich aufeinander verlassen können, aber entscheidend sei, dass dies für die ganze Mannschaft gelte. Denn ein Ball sei immer eine Teamleistung, und das habe von Anfang an gepasst. 180 Akteure seien vor und hinter der Bühne im Einsatz, es sei „ein riesiges Miteinander“ – zwischen den Generationen und allen Mitstreitern von der Technik bis zu den Tanzgruppen.

Auf das riesige Miteinander zwischen den Generationen und allen Mitstreitern von der Technik (Bild) bis zu den Tanzgruppen sind Olli Kienzler (links) und Timo Klötzl (Mitte) stolz. Foto: Narrenzunft

Diesen Zusammenhalt habe die Gruppe auch während der Pandemie an den Tag gelegt und bei zwei Online-Ausgaben an einem Strang gezogen. Trotz aller Einschränkungen sei das eine tolle Erfahrung gewesen, blicken sie auf die Corona-Zeit zurück. Ein unglaubliches technisches Equipment sei beim Dreh der Beiträge zum Einsatz gekommen, selbst der Südwestrundfunk hatte über die Aktivitäten berichtet. Und manch junge Talente probierten sich damals aus, die heute zur Stammtruppe zählen und von deren Können die Regisseure überzeugt sind.

Neue Regisseure erhalten selbst erarbeitetes Regiebuch

Diese Freude, junge Leute aufgebaut und Nachfolger gefunden zu haben, blitzt bei den beiden immer wieder durch. Jetzt sei es an der Zeit, das frischer Schwung in den Ball kommt. Max Heimerl, Maxi Raufer, Lara Heigel und Peter Feustel übernehmen die Leitung des Balls und erhalten von den beiden ein selbst erarbeitetes Regiebuch, gefüllt mit Anleitungen und Tipps für die Organisation.

Über die Jahre sei da schon ein dicker Wälzer entstanden, geben sie mit einem Augenzwinkern zu. Aber das habe einiges erleichtert und mit dazu beigetragen, dass alles reibungslos und an den Ballabenden wie am Schnürchen läuft. Weit im Vorfeld habe er die Gruppen besucht und sei mit ihnen die Beiträge durchgegangen, sagt Kienzler. Großen Wert hätten sie darauf gelegt, niemanden zu beleidigen und den inzwischen teils harten Umgangston im gesellschaftlichen Alltag an der Fasnet außen vor zu lassen. Mit den Jahren habe sich der Schwerpunkt von der Kommunalpolitik auf spaßige Nummern verlegt.

Film als Überraschung

„Wo sind all die Jahre hin, wir haben doch gerade erst angefangen“, stellen sie unisono fest. Und so hatte es auch den Anschein bei ihrem letzten Ball. Im Karo-Anzug waren sie bei der Premiere im Casino in der „Tonhalle Royal“ angetreten, den hatten sie aus dem Schrank geholt, um der Villinger Fasnet einen großen Bahnhof zu bereiten. Den machte ihnen am Ende auch das Team: Ein Film brachte die Höhepunkte der Bälle auf die Leinwand. „Da war sofort alles wieder im Kopf“, schildern sie diesen Moment – und geben zu, dass beim Abschied auch mal eine Träne floss.