Die Eulen haben am Dreikönigstag die Karbatschen geschwungen und ihre Häs abgestaubt.
Am Dreikönigstag beginnt traditionell die Fasent in Seelbach– und im Dorf weiß man dann auch akustisch sofort, dass es so weit ist. Denn pünktlich um 11.11 Uhr ließ die Eulenzunft im Klostergarten mit dem Karbatschenschnellen die närrische Saison lautstark einläuten.
Der in der Region seltene Brauch war nicht zu überhören. Acht Karbatschenschneller – darunter die drei jungen Akteure Hannes Volk, Joris Buss und Luka Schnurr bei ihrer Premiere – sorgten mit kraftvollen Seilknallen für gebührend Respekt. Spätestens nach dem letzten Knall war klar: Die Fasent hat begonnen.
Karbatschen sind bekanntlich lange Peitschen, die ein zentraler Bestandteil der Seelbacher Fasent sind und durch geschicktes Schwingen laute Knallgeräusche erzeugen, die ursprünglich dem Viehtrieb dienten und heute böse Geister vertreiben sollen.
Am späten Nachmittag trafen sich die Narren in der Alten Fabrik zum traditionellen „Häs abstauben“, bei dem auch neuen Narren aufgenommen werden. Die 13 Neulinge mussten sich hier einigen Prüfungen stellen, bevor sie offiziell das begehrte Häs tragen durften. Schließlich will der traditionsreiche Akt des Häs- und Maskenabstaubens gut vorbereitet sein.
Trank besteht aus „Gift und Galle, Frosch und Spinne“
Zur Bewährungsprobe gehörte auch ein wahrhaft zweifelhaftes Gebräu: Mit „Gift und Galle, dazu Frosch und Spinne“ – zumindest laut den Eulen und Hexen – wurde ein Trank angerührt, der bis zum letzten Tropfen geleert werden musste. Über die tatsächlichen Zutaten hüllte sich die Zunft in Schweigen, doch die tapferen Gesichter der Neulinge sprachen Bände.
Nicht minder spektakulär verlief das anschließende Mäusemahl: Die Lieblingsspeise der Eulen erwies sich glücklicherweise deutlich weniger lebendig als befürchtet. Der Zunftrat räumte später schmunzelnd ein, dass die Mäuse aus Brot bestanden – das hartnäckige Gerücht, dieses sei altbacken gewesen, wurde energisch dementiert.
Die Neulinge wurden auch von allen Seiten begutachtet und für gut gefunden. Gericht und versammelte Narrenschar zeigten Einsicht, der Aufnahme stand nichts mehr im Wege.
Nach dem obligatorischen Häsabstauben war endgültig klar: Die fünfte Jahreszeit hatte nun begonnen.