Helmut Zähringer (links) und Richard Geiger sind Urgesteine der Schelmewinkler. Foto: Schillinger-Teschner

Richard Geiger und Helmut Zähringer sind Gründungsmitglieder der Kippenheimer Schelmewinkler. Die einstigen Vorsitzenden blicken auf die 33-jährige Geschichte zurück.

Fasent isch Herzenssache“ bei den Kippenheimer Schelmewinkler. Diesen Leitsatz leben die 165 Mitglieder – 60 davon aktive Hästräger – seit nunmehr närrischen 33 Jahren. 1993 aus dem Fasentkreis der katholischen Kirchengemeinde St. Mauritius hervorgegangen, gruppierten sich die Narren zunächst als Kippenheimer Narrenzunft, da zu diesem Zeitpunkt noch keine Häsfigur auf dem Plan stand. In der Dorfchronik von Kippenheim wurden die Fasentbegeisterten schließlich fündig und lehnten Häs und Maske in die darin beschriebene Figur eines lüsternen Waldgeistes an.

 

Richard Geiger und Helmut Zähringer waren in den Geburtsstunden der Schelmenwinkler dabei und erinnern sich: „Wir wollten eine freundliche Maske, die mit ihrem schelmischen Ausdruck niemanden auf Fasentveranstaltungen verängstigt. Besuche in mehreren Fasnetmuseen haben uns nicht weiter gebracht. Da kam uns der in Kippenheim lebende Cartoonist Rainer Blocher in den Sinn. Er hat nach unseren Vorstellungen eine Zeichnung des Schelmewinklers angefertigt, die gezündet hat“.

Die grünen und braunen Spättle werden bis heute noch von Hand zugeschnitten. Foto: Lehmann

Nach der Zeichnung hat der heutige Seniorchef der Holzbildhauerei Lang die Maske angefertigt, die einen Baumstamm symbolisiert. Die grünen und braunen Spättle bestehen aus Filz und werden bis heute von Hand zugeschnitten. „Die Anschaffung einer Stanzmaschine hierfür war uns als junge Narrenzunft damals zu teuer“ merkt Geiger an. „Heute ist es eine liebgewonnene Tradition selbst am entstehen der Häs mitzuwirken“, fügt Zähringer an. Zum 11.11.1994 wurden die ersten Hästräger getauft.

Während der Fasentkampagnen sind die Hästräger fast jedes Wochenende bei Umzügen oder Abendveranstaltungen befreundeter Zünfte. „Diese bereichern dafür unseren Nachtumzug seit nunmehr vielen Jahren“, so Zähriger über den Auftakt zur Aufzählung der mannigfaltigen Aktivitäten der Narrenzunft. Geiger gibt zu bedenken, dass der Terminkalender der Narren immer „proppenvoll“ ist, auch wenn es Veranstaltungen wie den Bunten Abend am Fasentsonntag nicht mehr gibt. „Es hat ein Wandel in der Gesellschaft stattgefunden. Die viele Arbeit, die wir in diesen Akt gesteckt haben, hat sich nicht mehr ausgezahlt, da immer weniger Besucher zu verzeichnen waren,“ begründet Zähringer.

Die Zunft war immer wieder Vorreiter für neue Veranstaltungskonzepte

Stattdessen waren die Schelmenwinkler mit innovativen Ideen immer wieder Vorreiter für neue Veranstaltungskonzepte. Etwa mit „Ballermann Partys“, „Après-ski Partys“, „Menschenkicker“ oder einer „Halloween Geisterbahn“. „Wir haben diese Veranstaltungen detailgetreu ausgestattet. „Die alte Festhalle wurde komplett mit Sand und Strandaccessoires gefüllt“, spielt Zähriger den Ball Geiger zu, der diesen mit „und einmal haben wir eine Rodelbahn durch die ganze Halle gebaut“ annimmt.

Dass bei einer Fahrt der Schlitten soviel Geschwindigkeit hatte, dass die Tür am anderen Ende der Halle durchbrochen wurde, bringt beide zum Schmunzeln. Aber das Reparieren der Tür war Ehrensache – „dass die kaputt war, hat nicht einmal der Hallenmeister am nächsten Morgen bei der Hallenabnahme mitbekommen“, resümieren die beiden.

Der Narrenkeller

Durch Einnahmen, Zuschüsse der Gemeinde und der Vereinsgemeinschaft sowie viele Arbeitseinsätze mit Unterstützung von Handwerksbetrieben wurde im Jahr 2000 der Traum eines eigenen Vereinsheims wahr. Dieser Ort ist für die Narren eine zweite Heimat. Dort wird Gemeinschaft gepflegt, zusammen Fußballspiele angeschaut und Vorstandssitzungen abgehalten. Der Ausbau des gemütlichen Kellers mit Schallschutz erlaubt zudem, diesen als Party-Lokation zu vermieten.