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Zum Weltdiabetestag Grosselfinger lebt seit 33 Jahren mit der Krankheit

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Daniel Seifert senior ist seit 33 Jahren Diabetiker Typ 1, seit 1992 benutzt er eine Insulinpumpe, die er in der Handhält. Foto: Renner

Es war im Oktober 1987, als bei Daniel Seifert senior Diabetes festgestellt wurde. Wie prägt die Krankheit seinen Alltag? Zum heutigen Weltdiabetestag haben wir mit ihm darüber gesprochen. Mehr in unserem (SB+) Artikel.

Grosselfingen - 67 Jahre alt ist Seifert, der seit 33 Jahren mit dieser Krankheit lebt. Festgestellt wurde Diabetes bei ihm, nachdem er eine schwere Ketoazidose mit Flüssigkeitsverlust hatte. Sechs Kilogramm innerhalb von sechs Tagen hat er abgenommen und bekam daraufhin eine 14-Liter-Flasche Kochsalzlösung, weil sein Zucker immer höher wurde.

"Damals wusste ich nichts von Diabetes, auch in meiner Familie hatte es niemand. Wahrscheinlich wurde bei mir Diabetes durch einen Grippevirus ausgelöst", erinnert sich Seifert zurück.

Seit 1992 benutzt er eine Insulinpumpe

Fünf Jahre, also bis 1992, musste er sich täglich spritzen, seitdem benutzt er eine Insulin-Pumpe. "Die steuert den Blutzuckerspiegel, sie schaltet sich selbstständig aus, wenn der Wert zu hoch ist." Die Pumpe trägt er jederzeit in der Hosentasche (mit einem Gürtelclip könnte sie auch an der Hose befestigen), nur beispielsweise beim Schwimmen legt er sie ab. Nachts hat er sie neben sich im Bett platziert. "Ich bin mit der Pumpe mehr verheiratet als mit meiner Frau", scherzt Seifert, der vor 44 Jahren den Bund der Ehe eingegangen ist.

Alle drei Tage wechselt er die kleine Nadel am Katheder für die Pumpe aus. Er ist froh, dass der technische Fortschritt so weit ist. "Früher waren die Nadeln noch dicker und man musste sie in kochendem Wasser desinfizieren", erklärt Seifert, der früher als Gas- und Wasserinstallateur gearbeitet hat.

"Ich darf alles essen"

"Ich denke, nicht jeden Tag an Diabetes. Wissen ist wichtig. Ich darf alles essen und muss nur wissen, wann", sagt er, als er seinen Zucker mit einem kleinen Pieks in seinen Finger misst, der während des Gesprächs bei 191 liegt. 180 wäre besser, klärt er auf. Liege der Zucker bei 80, esse er zum Frühstück ein Honigbrot, liegt er bei 200 nach dem Aufwachen, muss er warten, bis der Wert gesunken ist. Eine Sahnetorte könne er nahezu problemlos essen, weil das Fett die Verdauung verzögere. Weißbrot, Hefezopf oder eine Brezeln lassen dagegen den Zucker schnell steigen.

Seine zwei Enkel sind sein ganzer Stolz

Somit er kann ein fast uneingeschränktes Leben führen, allerdings gibt er zu bedenken: "Es wird nicht besser, das ist das Problem. Allerdings habe ich bisher keine Folgeschäden. Gute Werte sind dafür eine Voraussetzung", sagt Seifert, der 100 Jahre alt werden und diesen Geburtstag dann auf der Burg Hohenzollern feiern will. "Jeder Mensch braucht ein Ziel. Ich habe noch nie geraucht oder getrunken und ich will meine beiden Enkel aufwachsen sehen, deshalb brauche ich gute Werte", sagt Opa Seifert, dessen ein- und dreijährige Enkel sein ganzer Stolz sind und mit denen er viel Zeit verbringt, da seine Söhne in Grosselfingen und Hechingen wohnen. Wer denkt, dass Seifert einen Spaß macht, der täuscht sich. Eine Tante sei fast 101 Jahre geworden, ein andere sei aktuell 97 und seine Oma wurde 96.

Beim Bisinger Diabetologe Thomas Nikolaus wird er jedes Quartal vorstellig, ein Hausarzt sei nicht spezialisiert genug. Zudem gehört Seifert gleich vier Selbsthilfegruppen an (Hechingen, Balingen Rottweil und Reutlingen) an. Dies kam dadurch zustande, dass er erst in einer Gruppe war und dann von einer anderen Gruppe gebeten wurde, seine Pumpe vorzuführen. Dort halten auch Experten immer wieder Vorträge.

 Der Welt-Diabetestag

Der 14. November ist der Geburtstag von Frederick Banting, der 1921 das lebenswichtige Hormon Insulin entdeckte. 1991 wurde sein Geburtstag zum Weltdiabetestag. Unter www.diabetiker-bw.de/weltdiabetestag wird am Samstag von 9 bis 18 Uhr eine kostenfreie Beratung durch Experten per Videochat angeboten.

Die Zahl der Diabetespatienten in Deutschland liegt nach jüngsten Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bei mindestens acht Millionen und nimmt stetig zu. "Wir haben täglich etwa 1500 neue Fälle in Deutschland, vor allem Typ-2-Diabetes-Fälle", sagte Sprecher Baptist Gallwitz der Deutschen Presse-Agentur. Bis 2040 sei mit zwölf Millionen Erkrankten zu rechnen. Daher kämpfe unter anderem die DDG für geeignete Präventionsmaßnahmen. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichne Diabetes schon seit Jahren als Epidemie. Wie bei Covid-19 gebe es Behandlungsmöglichkeiten, aber anders als bei der Viruserkrankung keine Heilungschancen. Diabetiker seien nicht zwangsläufig Corona-Risikopatienten, hieß es von der DDG zum Weltdiabetestag. Gallwitz: "Man kann nicht alle Diabetes-Patienten über einen Kamm scheren. Vor allem bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes, die mit ihrer Insulintherapie eine normnahe Einstellung erreichen und die noch keine Folgeerkrankungen haben, ist kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion gegeben."

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