Horst Bäuerle eröffnet im Dezember 1999 den Kongress des Landesbeamtenbundes in Fellbach. Foto: dpa/ Weissbach

Der frühere Landesvorsitzende des Beamtenbunds Baden-Württemberg, Horst Bäuerle, ist 88-jährig gestorben. In seiner Amtszeit hatte er sich als streitbarer Verfechter des Beamtentums bei den Mächtigen im Land viel Respekt verschafft.

Für den Beamtenbund Baden-Württemberg (BBW) hat er eine Ära geprägt: Horst Bäuerle. Von 1991 bis 2003 war er dessen Landesvorsitzender – ein streitbarer Kämpfer für die Interessen des öffentlichen Dienstes. In seiner aktiven Zeit hatte er viel mit den Mächtigen im Land zu tun, vor allem mit den CDU-Ministerpräsidenten Lothar Späth und Erwin Teufel. Am vorigen Freitag ist Bäuerle nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren verstorben.

 

Volker Stich, bis Ende 2017 selbst Vorsitzender des Landesbundes, sagt über seinen damaligen Vorgänger Bäuerle: „Ich kenne nur wenige Menschen, die so für den öffentlichen Dienst und seine Beschäftigten ,gebrannt’ haben.“ Er habe „die Geschicke des BBW und des Deutschen Beamtenbundes in seiner Amtszeit entscheidend geprägt“.

Den Politikern „die Hosen stramm gezogen“

Die Landespolitik begegnete Bäuerle mit großem Respekt, weil er geistreich und mit hohem Einsatz für die Staatsdiener eintrat. So lobte der damalige Landtagsvizepräsident Frieder Birzele (SPD) bei einem Geburtstagsempfang Bäuerle als den „kämpferischsten Beamten Baden-Württembergs“, der ein „geradliniger, hartnäckiger Streiter für die Sache der Beamten“ sei.

Der einstige Finanzminister Willi Stächele (CDU) charakterisierte den BBW-Ehrenvorsitzenden später als einen Mann, der mit „klarer Sprache seinen Leuten eine Stimme gegeben hat“. Bäuerle habe den Politikern „die Hosen stramm gezogen“. Er sei scharf im Angriff, aber verlässlich im Kompromiss gewesen. „Bei ihm wusste man immer, woran man ist.“

Mitunter bestand kein gutes Einvernehmen mit den Regierenden: Das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das Bäuerle 1996 verliehen wurde, ließ er aufgrund einer „Eiszeit“ mehr als zwei Jahre lang in der Villa Reitzenstein liegen, bevor er es sich 1998 von Regierungschef Teufel überreichen ließ.

Bäuerle war auch Mitgründer und erster Vorsitzender des Bundes Technischer Beamter (BTB) Baden-Württemberg im Jahr 1973. Dessen heutiger Bundesvorsitzender Jan Georg Seidel würdigt den Verstorbenen, dieser habe sich unermüdlich für die Anerkennung der technischen und naturwissenschaftlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst eingesetzt.

Verbandsintern machte sich Bäuerle für das Berufsbeamtentum stark – die Öffnung der Organisation für die Tarifangestellten sah er eher skeptisch. Darüber hinaus war er vielfältig engagiert: Bäuerle war Gründungsmitglied der Ingenieurkammer des Landes und 18 Jahre deren Vizepräsident. Zehn Jahre lang stand er dem Landesrundfunkrat beim SWR vor. Als begeisterter Turniertänzer führte er zwölf Jahre lang den Tanzsportclub Freudenstadt an.

Ein einzigartiges Hobby: das Sammeln von Grenzsteinen

Horst Bäuerle war gar kein gebürtiger Schwabe, sondern kam 1936 in Chemnitz zur Welt. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie nach Stuttgart. Nach einer Lehre beim Stadtmessungsamt absolvierte er ein Studium zum Vermessungsingenieur in München. Beim Vermessungsamt in Freudenstadt gelangte er bis zum Obervermessungsrat.

So erklärt sich auch sein einzigartiges Hobby, über das er mit besonderem Stolz berichtete: das Sammeln von Grenzsteinen. Gut 5700 Exponate stellte er in seinem Haus in Freudenstadt aus und veröffentlichte dazu das Buch „Geheime Grenzstein-Zeugen“. Noch als EU-Kommissar besuchte Günther Oettinger – ebenso ein langjähriger Weggefährte – im Jahr 2018 das weitweit einmalige Museum.