Er war Unternehmer mit Leib und Seele, ein Schaffer, einer dessen Bürotür für seine Mitarbeiter immer offen stand, und seiner Heimatstadt Dornstetten Zeit seines Lebens eng verbunden – im Alter von 88 Jahren ist Walter Kaltenbach gestorben.
1971 trat Walter Kaltenbach in die Geschäftsführung des 1912 gegründeten Familienbetriebs ein. In das Unternehmen eingestiegen war er da schon längst. Ab seinem 14. Lebensjahr arbeitete Walter Kaltenbach in der Firma mit, stand beinahe täglich im Steinbruch und war auch in späteren Jahren am glücklichsten, wenn er am Wochenende in den „Blauen Anton“ schlüpfen und richtig mit anpacken konnte. Anfangs führte er parallel noch die Nebenerwerbslandwirtschaft der Familie weiter. Dieser, erinnert sich seine Tochter Marion Kaltenbach-Freuding – heute gemeinsam mit Armin Kaltenbach in der Geschäftsführung der Gebrüder Kaltenbach GmbH & Co.KG –, sei er jedoch „nicht so zugeneigt“ gewesen.
Die Landwirtschaft wich und der Familienbetrieb wuchs. So wurden 1970 die Beton- und Kieszentralen in Horb gebaut, 1974 erfolgte die Übernahme des Betonwerks Klumpp, 1982 beteiligte sich die Firma an der Baiersbronner Spedition Fahrner, 1993 entstand das Betonfertigteilwerk in Dornstetten. Nicht die einzigen Meilensteine für das Unternehmen, die in die Zeit fallen, in der Walter Kaltenbach die Geschicke gemeinsam mit weiteren wechselnden Mitgliedern der Familie führte. 2005 übernahm Kaltenbach einen zusätzlichen Steinbruch in Dornstetten, 2009 erfolgte der Neubau des Betonwerks und 2020 übernahm die Firma schließlich das Betonfertigteilwerk Rau in Ebhausen.
Familiäres Verhältnis zu Mitarbeitern
Auch die wachsende Zahl an Mitarbeitern unterstreicht die Erfolgsgeschichte. In den Anfängen von Walter Kaltenbachs Geschäftsführertätigkeit hatte das Unternehmen 30 Beschäftigte. Heute sind es knapp 200. „Die Weihnachtsfeiern waren anfangs immer im Büro meines Vaters“, erzählt Marion Kaltenbach-Freuding. Überhaupt habe Walter Kaltenbach stets ein persönliches Verhältnis zu seinen Mitarbeitern gepflegt. „Seine Tür stand jedem offen, er hatte für alle ein offenes Ohr.“
So erinnert sich auch der Prokurist und Bereichsleiter Fertigteile, Werner Wössner, an den Seniorchef: „Das Familiäre war ihm immer wichtig. Zu ihm konnte man mit allem kommen. Egal, ob es den Beruf betroffen hat oder das Privatleben.“ Er habe immer helfen wollen, schauen, ob er „etwas richten“ könne, sagt Wössner. Da habe er auch gerne mal spontan bei jemandem daheim vorbeigeschaut. Marion Kaltenbach-Freuding muss etwas schmunzeln, als sie ergänzt: „Das kam vermutlich nicht bei jedem gut an. Aber die meisten wussten es zu schätzen.“
Ehrlich und verlässlich
Als konsequent habe sie ihren Vater erlebt, erzählt die Tochter. Als ehrlich und verlässlich. Die Priorität sei klar gewesen. „Erst der Betrieb, dann die Familie.“ 1966 hatte Walter Kaltenbach Gerlinde Pauli geheiratet. Das Paar bekam zwei Töchter, Marion und ihre jüngere Schwester Anja. In seiner Freizeit ging Walter Kaltenbach gerne auf die Jagd, engagierte sich auch beim Bau des Jägerlochs, dem Schießstand der Jägervereinigung Kreis Freudenstadt. Ihr gehörte er bis ein Jahr vor seinem Tod an. Auch Tischtennis war für ihn ein lieb gewonnenes Hobby, ebenso das Jedermann-Turnen, vor allem der Faustball. Daraus entstanden Freundschaften, die bis zu seinem Lebensende hielten.
Auch für seine Heimatstadt setzte sich Walter Kaltenbach ein. Von 1971 bis 1994 saß er im Dornstetter Gemeinderat, war ab 1989 stellvertretender Bürgermeister. Er habe der Stadt etwas zurückgeben wollen, sagt Kaltenbach-Freuding. Gehandelt habe er als Stadtrat so, wie er auch den Betrieb geführt habe. „Es war ihm wichtig, die Weichen richtig zu stellen“, meint seine Tochter. Sparsam sei er bei sich selbst gewesen, bescheiden im Auftreten, aber immer großzügig. Nicht nehmen ließ er sich jedoch seine geliebten „Stumpen“. Wenn es ihm richtig gut gegangen sei, erinnert sich Marion Kaltenbach-Freuding, zündete er sich eine Zigarre an.
„Er war die Firma. Er hat es gelebt und aus jeder Pore geatmet“, meint die Tochter. Und Albert Kiefer – Prokurist und Bereichsleiter Transportbeton/Kieswerk – fügt hinzu: „Er war ein Unternehmer aus dem Effeff.“