In „Der Polenweiher“ spielt Ursula Cantieni die Bäuerin Antonia. Ihr Mann, der Bauer Hungerbühler, wird von Gerhard Olschewski verkörpert. Foto: Ernst Kubitza

Ursula Cantieni ist tot – und ein Millionenpublikum trauert. Denn als Johanna Faller aus der bekannten Fernsehserie ist die Schauspielerin vielen ein Begriff. Was aber nur wenige wissen: Ihren ersten Auftritt vor der Filmkamera hatte sie in St. Georgen.

Viele Zuschauer der Schwarzwaldserie „Die Fallershat die Nachricht schwer getroffen: Ursula Cantieni, die 27 Jahre lang die Rolle der Johanna Faller gespielt hatte, ist tot. Sie war in der Nacht auf Dienstag im Alter von 75 Jahren gestorben. Zum Schwarzwald hatte Cantieni, die in der Schweiz geboren wurde und in ihrer Kindheit nach Stuttgart umsiedelte, eine tiefe Verbundenheit. In der Rolle der Schwarzwaldbäuerin Johanna Faller begeisterte sie Millionen.

 

Doch nicht nur in Furtwangen, wo sich der Hof befindet, der als Kulisse für die Außenszenen in „Die Fallers“ dient, war Cantieni ein beliebter Stammgast. Und nicht nur dorthin führte sie ihre schauspielerische Karriere. Ihre ersten Dreharbeiten für einen Fernsehfilm absolvierte die damals 37-Jährige in St. Georgen. Hier spielte sie die Rolle der Bäuerin Antonia in „Der Polenweiher“ nach einem Drehbuch des St. Georgener Schriftstellers und Malers Thomas Strittmatter – es ist die Rolle, ohne die Cantieni vielleicht nie Johanna Faller geworden wäre.

Startpunkt Theaterbühne

Alles auf Anfang: Denn bevor es das Drehbuch zum Film „Der Polenweiher“ gab, existierte zunächst das gleichnamige Theaterstück aus der Feder von Thomas Strittmatter. Im Januar 1984 feierte „Der Polenweiher“ Premiere in Konstanz. In der Rolle der Bäuerin Antonia Hungerbühler: Ursula Cantieni, die damals als Theaterschauspielerin Karriere machte.

Das Stück wurde zum Erfolg – und der Südwestfunk aufmerksam. Ein Film sollte gedreht werden. Strittmatter adaptierte sein Volkstheater „Der Polenweiher“ fürs Fernsehen, schrieb erstmals ein Drehbuch. Nico Hofmann, damals noch am Beginn seiner Karriere, führte Regie. Und Ursula Cantieni übernahm die Rolle der Bäuerin Antonia, die sie bereits auf der Theaterbühne verkörperte. Als Einzige aus dem Konstanzer Ensemble spielte sie auch im Film mit – und es war ihre erste Filmrolle.

Die Dreharbeiten

Sechs Wochen lang war das Filmteam im März und April 1985 in der Gegend um St. Georgen mit dem Dreh von „Der Polenweiher“ beschäftigt. Gedreht wurde unter anderem auf dem Kaltenbronner Hof bei Langenschiltach, der, wie es später in einem Zeitungsbericht heißt, viele Wochen „vom Filmvölkchen ‘belagert‘ war. Doch Bäuerin Gerlinde Epting nahm das gelassen: ‘Wir waren eine richtig nette Gemeinschaft.‘“

Eptings Sohn, damals zwölf Jahre alt, hatte in dem Film sogar eine Rolle: Er spielte einen Hirtenbuben. Und er war nicht der einzige St. Georgener, der an der Seite von Cantieni vor der Kamera stand, wie in einem weiteren Bericht zu lesen ist: „Als äußerst hilfreich erwies sich damals die Bereitschaft vieler St. Georgener, als Statisten mitzuwirken oder Requisiten für die Ausstattung der Drehorte auszuleihen. Einige stellten ihre Wohnung, oder wie die Familie Epting in Langenschiltach, ihr gesamtes Haus zur Verfügung.“

Heim-Premiere

Im September 1986 kehrte Cantieni nach St. Georgen zurück – diesmal zur Premiere von „Der Polenweiher“ im Palast-Theater. Das eigentlich geschlossene Kino öffnete für diesen Anlass am 26. September nochmals seine Pforten. Auch wenn es nicht die eigentliche Premiere des Films war – vorgestellt wurde er bereits im Frühjahr 1986 beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken – so war es doch zumindest die Heim-Premiere von „Der Polenweiher“, die Cantieni noch einmal in die Bergstadt führte.

Wie es weiterging

„Das war quasi meine Eintrittskarte ins Filmgeschäft“, sagte Cantieni Jahrzehnte später in einer SWR-Doku über den Film „Der Pohlenweiher“. Er sei „die Schwelle vom einen Leben ins andere – vom Theaterleben ins Filmleben“ gewesen. Denn Cantienis Vorstellung in „Der Polenweiher“ legte den Grundstein für ihre Rolle bei „Die Fallers“: Als Schwarzwaldbäuerin Antonia hatte sie Eindruck gemacht.

Noch mehrmals vor Ort

Die Heim-Premiere von „Der Polenweiher“ sollte nicht das letzte Mal sein, dass Cantieni in die Bergstadt kam. Im September 1995 war es ein trauriger Anlass, der die Schauspielerin nach St. Georgen führte: Zusammen mit vielen anderen gab sie Thomas Strittmatter das letzte Geleit. Knapp drei Jahre später, im März 1998, kehrte Cantieni für eine Lesung aus Strittmatters Werk „Raabe Baikal“ nach St. Georgen zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie es schon zu einiger Berühmtheit gebracht – als Johanna Faller.