Stadion am Bahndamm – so lautet der Name des Sportplatzes des VfL Ostelsheim. Und das obwohl bereits 1988 der Zugverkehr eingestellt wurde. Jetzt fahren wieder Züge.
An diesem Samstag ist es also soweit: Die ersten Züge fahren auf der reaktivierten Bahnstrecke von Calw nach Weil der Stadt, der sogenannten Hermann-Hesse-Bahn. Der reguläre Fahrgastbetrieb startet zwar erst am 31. Januar, aber bereits an diesem Samstag wird mit umfangreichen Test- und Schulungsfahrten auf der 1988 stillgelegten Strecke begonnen. Damit werden nun auch wieder regelmäßig Züge am Sportplatz des VfL Ostelsheim vorbeifahren, bei dem die unmittelbare Nähe zu den Schienen schon im Namen steckt: Stadion am Bahndamm. Nur wenige Meter liegen auf dem oberen Platz zwischen Spielfeld und Gleisbett.
Gemeindeverwaltung warnt
Der am Samstag startende Betrieb hat natürlich Auswirkungen auf den Alltag in Ostelsheim. Die Gemeindeverwaltung hat bereits über verschiedene Kanäle darauf hingewiesen, dass noch nicht überall die Schranken und Ampeln fertig sind. Autofahrer und Fußgänger sollen wachsam sein. „Ein Zug bei 100 km/h hat einen Bremsweg von mehreren hundert Metern. Er kann nicht mal eben stoppen“, heißt es etwa in einem Beitrag der Gemeindeverwaltung auf Instagram.
Der Zaun fehlt noch
„Inzwischen sollte jeder in Ostelsheim mitbekommen haben, dass ab Samstag die Züge fahren“, sagt Marcel Röhrborn, Leiter der Fußballabteilung des VfL Ostelsheim. Sein Verein ist davon besonders betroffen, schließlich läuft bereits der Trainingsbetrieb im Jugendbereich. „Man ist es bei uns schon seit Jahrzehnten gewohnt, dass man über die Gleise zum Sportplatz läuft. Das geht jetzt natürlich nicht mehr, auch wenn der Zaun noch nicht steht“, zeigt Röhrborn auf. Besagter Zaun soll zwischen Sportplatz und Schienen aufgestellt werden und sollte eigentlich bis zum Start der Test- und Schulungsfahrten stehen. Stand jetzt wird er das nicht. Ohnehin: Gesetzlich verpflichtet ist die Deutsche Bahn nur zu einem 1,50 Meter hohen Zaun – und höher wollte sie den auch in Ostelsheim nicht bauen. „Wir haben gesagt, dass eineinhalb Meter Zaun neben einem Sportplatz ja gar nichts bringt“, verdeutlicht Röhrich. Also einigte man sich auf einen Kompromiss: Der Zaun wird vier Meter hoch, die Mehrkosten teilen sich Gemeinde und VfL Ostelsheim.
Spätestens, wenn am 31. Januar der reguläre Fahrplanverkehr der Hessebahn beginnt und am 3. Februar die erste Mannschaft wieder in den Trainingsbetrieb einsteigt, wird der Zaun wohl stehen. „Und dann wird der Bahnverkehr auch keine Auswirkungen mehr auf den Trainings- und Spielbetrieb haben“, meint Röhrborn, der sich schon auf die Hessebahn freut: „Der Name unseres Sportplatzes macht dann auch wieder Sinn. Unsere jüngeren Leute konnten damit ja gar nichts anfangen. Die haben da noch nie einen Zug fahren sehen.“
Weil der Stadt rückt näher
Groß ist die Freude über die Hessebahn beim VfL Ostelsheim aber nicht nur, weil nun der Sportplatz-Name wieder passt oder weil Fahrgäste im Vorbeifahren einen kurzen Blick auf die Spielkünste seiner Spieler erhaschen können, sondern weil sie insgesamt ganz neue Optionen bietet. „Es gibt nun ganz neue Möglichkeiten. Privat, aber auch für den Verein“, verdeutlicht Röhrborn.
Beispiel Trainersuche: Im Sommer wird das Gespann Fabian Eberle und Sebastian Gnad den VfL Ostelsheim verlassen. Der möchte nun nach langer Zeit wieder einen Trainer haben, der bislang noch gar nichts mit dem Verein zu tun hatte. Gefunden ist ein neuer Mann aber noch nicht. Röhrborn erklärt: „Wir wären früher gar nicht auf die Idee gekommen, in der Ecke Weil der Stadt oder Renningen nach einem Trainer zu suchen. Das sind zwar nur wenige Kilometer, aber es ist ein anderer Landkreis und ein anderer Fußballbezirk. Das war irgendwie weit weg. Durch die Hessebahn ändert sich das. Die Grenzen von Landkreis und Fußballbezirk verschwimmen, die Regionen wachsen zusammen.“
Aber auch für Jugendspieler aus diesem Bereich könnte Ostelsheim attraktiver werden. „Früher musste man dreimal mit dem Bus umsteigen. Jetzt kann man einfach schnell mit der Bahn von Weil der Stadt nach Ostelsheim fahren“, sagt der Abteilungsleiter und schiebt hinterher: „Wir hatten früher zum Beispiel oft ein Vorbereitungsspiel in Stuttgart-Feuerbach. Da könnten wir jetzt mit der ganzen Mannschaft einfach mit der Bahn hinfahren. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf die Hessebahn.“