Schwarzwälder Baumhäuser in Indonesien? Bald könnte es das tatsächlich geben, denn jüngst flog Tobias Weißenmayer vom Bund für Baumhaustechniker auf die Insel Sulawesi.
Übernachten in der Nähe der Baumwipfel: Dafür ist der Bund für Baumhaustechniker in der Region bekannt. Derzeit ist ein Vertreter des Calwer Vereins indes weit entfernt in eigener Sache tätig – und zwar in Indonesien.
Dort soll geprüft werden, ob die Baumhäuser bald auch auf der Insel Sulawesi zu finden sein können.
Der Baumhaus-Wanderpfad Bereits zehn Baumhäuser des Vereins gibt es im Schwarzwald, eins davon auf dem Wimberg. Die über dem Waldboden hängenden Bauwerke bilden den Baumhaus-Wanderpfad. Derzeit können Übernachtungsmöglichkeiten von Birkenfeld bis nach Freudenstadt gebucht werden.
Seit 2016 kämen jedes Jahr ein bis vier neue Baumhäuser hinzu, erklärt Verena Ullmann, Zuständige für die Pressearbeit des Vereins.
Der Weg nach Indonesien Laut Projektmanager Tobias Weißenmayer sei der Verein von Vertretern der Bundesrepublik Deutschland entdeckt worden. Mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Geldgeber reist Weißenmayer für mindestens zwei Monate nach Indonesien, genauer auf die Insel Sulawesi.
Am Lindu-See im Lore Lindu Nationalpark könnten irgendwann am Rand des Urwaldes Baumhäuser des Vereins zu finden sein.
Wofür gibt es das Projekt?
Laut einem Sprecher der GIZ unterstütze die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit seit 2009 den Schutz des Regenwaldes in Indonesien. Dabei werde nachhaltige Forstwirtschaft gefördert und alternative Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung entwickelt. „Auftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.“
Auch Weißenmayer vom Bund der Baumhaustechniker erklärt, dass man die großen Urwaldbäume schützen möchte. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch der Ökotourismus und der CO₂-neutrale Wandersport. Mit Blick auf den Umweltschutz weiß der Baumhausprofi, dass die hängenden Häuser keinen Platz auf dem Waldboden verbrauchen. „Es geht nichts kaputt“, betont Weißenmayer.
Der Urwald wird durch die Baumhäuser geschützt
Ganz im Gegenteil sogar: Der Wald werde geschützt. Der Projektmanager erklärt, dass man in Indonesien in Konkurrenz mit Kaffee- und Kakaoplantagen stehe. Mit Errichtung dieser wird der Urwald abgeholzt. Finden sich am Waldrand nun Baumhäuser, gewinnen die „riesigen Urwaldbäume“ an Nutzen und Wert. So kann durch den Bau von Baumhäusern „das, was man an Umweltschätzen hat, bewahrt und nutzbar“ gemacht werden.
Auch wirtschaftlich soll das Projekt positive Auswirkungen haben. Es gehe bei den Baumhäusern nicht um „Luxusbauten für Superreiche“. Auch auf der Insel wolle man so leicht und günstig wie möglich bauen. Es „geht ums knallharte Geschäft“, weiß der Baumhausbetreiber. Positiv sei, dass zu den Mieteinnahmen noch Profit durch die Kaufkraft um das Baumhaus herum generiert wird. Im Schwarzwald seien das rund 30 000 Euro jedes Jahr, so Weißenmayer.
Ein weiter Weg
Ein Sprecher der GIZ erklärt, dass der Bund für Baumhaustechniker „eine Machbarkeitsstudie für nachhaltigen Wandertourismus mit entsprechenden Unterkünften“ erarbeiten werde. Dabei werde auf Erfahrungen mit ähnlichen Konzepten aus dem Schwarzwald zurückgegriffen, erklärt die GIZ weiter. In dieser werde genau geprüft, was vor Ort möglich ist und umgesetzt werden kann, erklärt auch Weißenmayer.
„Ob’s klappt, weiß man noch nicht“, räumt Weißenmayer jedoch ein. Daher kann auch ein Zeitpunkt für den Bau eines ersten Baumhauses in Indonesien nicht genannt werden.
In Indonesion soll es nun darum gehen, im Austausch mit Beteiligten vor Ort aber auch via Internet unter anderem ein Konzept zu entwickeln.
Nach ausreichend Austausch werde es dann an die Prototypentwicklung gehen. Nach genauem Skalieren könne dann eine Serienproduktion in Erwägung gezogen werden.
Ungeklärte Kosten In Deutschland kostet ein Baumhaus mittlerweile rund 35 000 Euro. Wie viel es in Indonesien kosten werde, wusste Weißenmayer noch nicht. Er verwies auf die Geldgeber, die GIZ.
Trotz Nachfrage unserer Redaktion, wie viel in das Projekt investiert wird und ob die Kosten etwa durch Steuergelder abgedeckt werden, gab die GIZ keine Auskunft.
Weißenmayer überlegt laut eigener Aussage indes, nach dem Aufenthalt auf der Insel Sulawesi noch auf die Philippinen weiterzureisen, um dort ähnliche Projekte anzustoßen.