Aus der früheren Werkrealschule in Stetten wird mit Beginn des neuen Schuljahres eine Außenstelle der Weiherschule Hechingen. Foto: Thomas Kost

Am kommenden Montag beginnt wieder die Schule und dann wird auch in der seit dem Schuljahr 2017/18 leerstehenden Werkrealschule in Stetten ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Dass in Stetten ab Montag vier Hauptstufenklassen und zwei Berufsschulstufen der Weiherschule mit insgesamt 37 Schülern und Schülerinnen sowie 15 Lehr- und Fachkräften den Unterricht aufnehmen können, ist im Prinzip dem ehemaligen Stettener Ortsvorsteher Walter Stocker zu verdanken.

 

Der bekanntlich am Landratsamt als Leiter des Rechnungsprüfungsamtes tätige Stocker war Anfang 2024 von seinem Kollegen Karl Wolf – er ist Leiter der Hauptverwaltung am Landratsamt – eher flapsig mit der Frage konfrontiert worden, ob er nicht zufällig ein freies Schulgebäude wüsste? Aber ja, so Stockers spontane Antwort.

Landkreis und Stadt werden sich rasch einig

Und zack: schon war die Raumnot an der Hechinger Weiherschule – neben Albstadt und Balingen eines von drei Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Zollernalbkreis – gelöst: Landkreis und Stadt Haigerloch klärten nach entsprechenden Beschlüssen des Kreistags und des Gemeinderates gemeinsam die Modalitäten.

Der Deal sah – etwas verkürzt dargestellt– so aus, dass die Stadt die Schule wieder betriebsfähig macht und sicherheits- und brandschutztechnische Forderungen der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) umsetzt (Gesamtkosten laut Bürgermeister Heiko Lebherz rund 500 000 Euro).

Der Landkreis wiederum sorgt für die benötigte Ausstattung und verbessert den ÖPNV (Gesamtkosten etwa 170 000 Euro). Außerdem zahlt der Zollernalbkreis an Haigerloch Miete für die Nutzung des Gebäudes. Unterm Strich eine Lösung, mit der alle höchst zufrieden sind.

Freuen sich auf den Schulstart (von links): Konrektor Alexander Thomas, Landrat Günther-Martin Pauli, Schulleiter Rainer Brandner, Seline Weinstein (Sachgebiet Kreisschulen am Landratsamt); Stettens Ortsvorsteher Julian Higi, Bürgermeister Heiko Lebherz und der städtische Bautechniker Bernd Wannenmacher. Foto: Kost

Landrat: Mit gutem Willen eine pragmatische Lösung gefunden

„Wir sind froh, dass wir die Raumnot an der Weiherschule in Hechingen auf diese pragmatische Weise gelöst bekommen“, betont Landrat Günther-Martin Pauli und lobt den „guten Willen“ aller Beteiligten.

Haigerlochs Bürgermeister Heiko Lebherz ist erleichtert darüber, dass die im Mai begonnene Sanierungsarbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden konnten, so dass es am Montag „punktgenau“ mit dem Schulbetrieb losgehen kann. „Wir etablieren mit der Weiherschule eine weitere Schulart im Stadtgebiet“, so der Bürgermeister .

Auch Stettens Ortsvorsteher Julian Higi spricht von einer Win-Win-Situation. Ein weitgehend leerstehendes Gebäude werde so wieder genutzt. Higi dankt vor allem den Vereinen, welche die alte Turnhalle mit finanzieller Unterstützung der Stadt saniert haben (sie wird von der Weiherschule als Mensa und für sportliche Aktivitäten genutzt) und die Vereinsküche zur Verfügung stellen, damit dort das Mittagessen für die Schulkinder zubereitet werden kann.

Schulleiter: Sehr gute Voraussetzungen in Stetten

Wie notwendig die Stettener Lösung für die Hechinger Weiherschule ist, machen Schulleiter Rainer Brandner und sein Stellvertreter Alexander Thomas deutlich. Seit gut vier Jahren, so Brandner, würden die Schülerzahlen am SBBZ regelrecht explodieren – und diese Entwicklung werde weiter anhalten, prognostiziert er, weil „immer mehr an Förderbedarf nötig sei“. Stetten biete mit seinem großen Werkraum, seiner Lehrküche und den sechs Klassenzimmern sehr gute Voraussetzungen, um die Situation zu entspannen.

Gebäude ohne „größeren Flurschaden“ für Schulbetrieb ertüchtigt

Der städtische Bautechniker Bernd Wannenmacher erklärt, was alles getan werden musste, um das Gebäude wieder schulfit zu machen. Die größte Herausforderung war laut ihm die komplette Elektroinstallation auf Vordermann zu bringen ohne allzu großen Flurschaden anzurichten. Auch die WC-Anlage im Erdgeschoss seien erneuert worden. Im Außenbereich mussten höhere Geländer installiert werden.

Wenn der Betrieb erst einmal läuft und es laut Brandner „nicht mehr knirscht“, will sich die Weiherschule im Oktober bei einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorstellen.