Die deutschen Skispringer haben bei der WM in Oberstdorf die Erwartungen erfüllt. Foto: AFP/Christof Stache

Bei der Nordischen Ski-WM fehlten die Zuschauer, zudem gab es dir Sorge, das Event könnte zum Treiber der Pandemie werden. Zum Abschluss zieht unser unser Autor Jochen Klingovsky ein positives Fazit.

Oberstdorf - Es war schon vorher klar, dass die nordische Ski-WM in Oberstdorf weder ein rauschendes Fest noch eine Schneeparty werden würde. Die Prioritäten lagen woanders. Es ging um den Kampf gegen das Coronavirus, um Testkapazitäten, um Sicherheit. Am Ende fällt diese Bilanz positiv aus: Es wurden bei 23 000 PCR- und Antigen-Schnelltests lediglich neun Infizierte ermittelt, die Weltmeisterschaft ist – anders als von Kritikern befürchtet – nicht zur Virenschleuder geworden. Und auch in der Kombination lief es gut.

 

Denn die WM war nicht nur organisatorisch ein Erfolg, sondern auch sportlich. Ohne Fans kam die Stimmung zwar aus den Musikboxen und von den Helfern auf der Tribüne – aber getreu ihres Mottos haben die WM-Macher das Beste aus der schwierigen Lage gemacht. Dabei durften sie sich auf die Athleten verlassen, die so gut vorbereitet, so motiviert, so ehrgeizig und so leistungsbereit waren wie bei jeder anderen WM. Auch ihnen fehlte die Atmosphäre, was sie, vor allem in den Teamwettbewerben, mit enormer Emotionalität egalisiert haben. Das war beeindruckend.

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Schöne Bilder lieferten auch die deutschen Skispringer – bei ihren Jubelfeiern nach den goldigen Springen im Männer- und im Mixed-Team, bei den beiden Einzelmedaillen von Karl Geiger. Ansonsten gab es wenig Grund zu überbordender Freude. Die Kombinierer haben ihr Minimalziel (drei Medaillen) verfehlt, die Langläufer sind immer noch weit weg von der Weltspitze. Die deutsche Mannschaft hat die Latte 2019 in Seefeld (6 Gold/3 Silber/0 Bronze) und 2017 in Lahti (6/3/2) enorm hoch gelegt, nun erfüllte sie nicht mal die eigenen Erwartungen. Das tut weh, und es schmerzt erst recht, weil die Perspektive nicht stimmt: Viele Topathleten sind schon lange dabei, junge Talente kaum in Sicht. Bis zur nächsten Party im Schnee könnte es noch eine Weile dauern.