Zum 70. Mal findet in diesem Jahr das traditionelle Fest in Kippenheim statt. In dessen Geschichte gibt es viele nennenswerte Anekdoten – darunter prominente Gastauftritte, einen „Weinbotschafter“ und einen besonderen Besuch aus Amerika.
Wie seit 1950 fast jedes Jahr wird in Kippenheim am zweiten Wochenende im September – das nächste Mal am 7. und 8. September – das Weinfest gefeiert, in diesem Jahr zum 70. Mal. Neben vielen historischen Fakten haben sich in all der Zeit auch viele Anekdoten rund um das Kippenheimer Weinfest abgesammelt.
Ort des Geschehens war bis ins Jahr 2022 der Festplatz mit Festhalle, Festhallenkeller und dem Vorplatz im Wohngebiet „Selzen“. 2023 fand das Weinfest zur Premiere auf dem neuen Festplatz beim Bürgerhaus – vor den Toren des Ortsetters – statt.
Die heutige IG Weinfest setzt sich aus den örtlichen Vereinen Kippenheims und der Winzergenossenschaft zusammen. Sie richtet das Weinfest aus und stellt – mit Ausnahme der Jahre 1952 bis 1958, und während der Corona Pandemie – in lockerem Wechsel die Weinhoheit(en). Posthum gebührt hier Erwin Stulz – „im Jak“ – Ehre, der jahrzehntelang als Galionsfigur die Geschicke der IG führte.
Seit 2019 gibt es keine Weinprinzessinnen mehr
Der Hofstaat der Weinhoheiten reduzierte sich im Laufe der Jahre von einer Königin mit fünf Weinprinzessinnen (1950) auf vier (1951) und dann bis ins Jahr 2018 auf zwei Prinzessinnen. Seit 2019 ist die Kippenheimer Weinkönigin eine Einzelkämpferin in Sachen Weinrepräsentation.
Die erste Kippenheimer Weinkönigin war Edith Janoschka. Eines ihrer Blumenmädchen, Gretel Gettkandt, konnte von Bürgermeister Gutbrod vergangenes Jahr beim Weinfest begrüßt werden, zu dem alle ehemaligen Weinhoheiten eingeladen waren.
Eine nicht gerade unerhebliche Anzahl der kurzfristig in den Adelsstand gehobenen Winzertöchter ist in den Reihen der Gemeindebediensteten wiederzufinden – auch außerhalb des Weinfests. Gerade in den vergangenen zwei Jahren standen die Breisgauer Weinprinzesinnen, Jenny Ringwald und Jessica Mutschler nicht im Dienst „Ihrer Majestät“, sondern im Dienst der Gemeinde. Außerdem wurde das Krönchen in nicht wenigen Fällen, zeitversetzt, vom Haupt der Mutter auf das der Tochter übergeben. Zumindest eine Hoheit, Carola Kölble, bestieg den „Thron des Weines“ gleich zwei Mal.
Die amtierende Weinkönigin heißt Stefanie Dorner und gibt die Insignien am 7. September weiter. Man darf gespannt sein, auf wen die Wahl dieses Jahr fällt.
Über eine Abschaffung der Weinkönigin, wie dies in der Pfalz geschehen ist, laufen derzeit in Kippenheim keine Überlegungen – auf einem Foto vom Festumzug zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 1963 ist sogar ein männlicher „Weinbotschafter“ zu sehen, der sich auf dem Festwagen räkelt.
Auch schon aus denUSA gab es Besuch
Besucher aus Nah und Fern wusste das Weinfest in seinen 70 Jahren immer aufs Neue anzuziehen. Mit Gastauftritten der Mainzer Hofsänger, des legendären „Blauen Bocks“ mit Heinz Schenk sowie von Mary Roos und den Jacob Sisters war die Festhalle stets ausverkauft. Gleiches galt für die deutsch-kanadischen Weinproben, die bis 1994, dem Jahr des Abzugs der Streitkräfte aus Lahr, fester Bestandteil des Weinfestes war.
Marion Gentges, Baden-Württembergs Justizministerin, sowie Johannes Fechner und Yannick Bury, Abgeordnete im Deutschen Bundestag, sind immer wieder gern gesehene Gäste beim Weinfest.
Gleich zwei Mal wartete ein Bürgermeister aus dem entfernten US-Bundesstaat Washington dem Weinfest in Kippenheim mit einem Besuch auf. Ron Schillinger hatte 2003 die Ahnenforschung aus den USA nach Kippenheim geführt. Damals noch als Förster im aktiven Dienst fand er auf der Reise „back to the roots“ Gefallen am Heimatort seines Ur-Ur-Großvaters Wilhelm Schillinger. Im Amtszimmer des damaligen Kippenheimer Bürgermeisters Willi Mathis lernte er seinen deutschen Forstkollegen Hans-Jürgen Wilting kennen. Im November 2007, nach seiner Pensionierung als Förster, wurde Ron Schillinger zum Bürgermeister der 3700 Einwohner zählenden Gemeinde Montesano gewählt. 2009 hatte „Mayor“ Schillinger den Zeitpunkt für den zweiten Besuch in Kippenheim strategisch geplant. Ein Mal das traditionelle Weinfest mitzuerleben, war ein Wunsch, der sich bei herrlichem September-Wetter erfüllen sollte. Für „Neu-Bürgermeister“ Matthias Gutbrod war es eine Selbstverständlichkeit, den amerikanischen Amtskollegen persönlich zu begrüßen. Das Fotoshooting der „vier Bürgermeister“ war der Höhepunkt des Weinfestes. Die positiven Eindrücke waren so groß und überwältigend, dass es bereits im Jahr 2011 ein Wiedersehen gab – selbstverständlich auf dem Kippenheimer Weinfest.
Die Erwartungen an das 70. Weinfest, was Atmosphäre, Programm und Besucher angeht, sind spannend. Ebenso spannend wie die Auflösung des Geheimnisses, wer als Repräsentant des Kippenheimer Weines 2024 und 2025 gekrönt wird. Es wird am 7. und 8. September auf dem Festplatz am Bürgerhaus gefeiert. Durch die lange Tradition ist das Fest auch überregional bekannt. Der Eintritt wird frei sein.
Kochshow 2010
Bürgermeister Matthias Gutbrod hat sich beim Programm des Weinfests 2010 „ganz schön die Finger verbrannt“ – und das nicht im übertragenen Sinn, sondern wortwörtlich. Damals fand eine große Gewerbeschau statt, bei der sich die örtlichen Betriebe in der Festhalle präsentieren durften. Eine Kochshow, bei der Profikoch Carsten Arth mit der amtierenden Weinkönigin Silvia Kollmer und dem Bürgermeister live eine Entenbrust mit allerlei Beilagen zubereitete, war die Attraktion der Schau. Dass nicht nur mit kaltem Wasser, sondern auch mit Dampf gekocht wurde, bekam Matthias Gutbrod dann auch am eigenen Leib – genauer gesagt den eigenen Fingern – zu spüren. Das unter vollem Einsatz zubereitete Gericht erntete bei der anschließenden Verkostung viel Lob. Mundete es sicher, serviert von Hand der Weinhoheit und dem Rathauschef noch mal so gut.