Anlässlich des 200-jährigen Bestehens hat die Einrichtung in Stammheim ihr Sommerfest etwas umfangreicher gestaltet als in den Jahren zuvor. Hunderte Besucher feiern mit.
Claudia Bullinger und Manuel Dürr sind am Ende mehr als zufrieden: „Alles hat wunderbar geklappt“, sagt Dürr, der mit Bullinger die Doppelspitze in der Verwaltung des Stammheimer Kinderdorfes bildet.
Dieses blickt in diesem Jahr auf eine 200-jährige Historie zurück. Entsprechend war das jüngste Sommerfest ein besonderes Jubiläumsfest, zu dem Hunderte Besucher strömten – und sich einen Nachmittag lang vergnügten.
Neben den Kindern und Jugendlichen, die derzeit im Jugenddorf leben und lernen, sowie deren Eltern waren zur Freude von Bullinger und Dürr auch eine große Zahl von Ehemaligen zum Fest gekommen. Dazu viele Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung, die längst wissen: bei den Sommerfesten im Kinderdorf Stammheim ist für alle Besucher viel geboten – kulinarisch, kulturell und auch was das Spaßangebot angeht.
Denn mit Blick auf die Kinder und Jugendlichen gibt es immer viele Attraktionen, die von einfachen Mitmachspielen bis hin zu spannenden Erlebnisparcours reichen.
„Die größte Sorge hatte uns das Wetter gemacht“, blickt Dürr am Tag nach dem Fest auf den Aktionstag zurück. Doch die anfängliche Angst, das Fest könnte regelrecht ins Wasser fallen, war umsonst. „Zu unserem großen Luftballonstart am Ende kam sogar die Sonne raus“, freut sich Dürr.
An Ständen bildeten sich schnell lange Schlangen
Kaum war das Fest an Christi Himmelfahrt eröffnet, strömten auch schon die Menschen und fluteten das gesamte Gelände. An den Essens- und Getränkeständen bildeten sich schnell lange Schlangen. Und noch während einige der Internatsbewohner ihre Koffer in den Autos der Eltern verstauten, bevor sie sich – vor einem langen Wochenende zuhause – mit diesen ins Getümmel stürzten, herrschte auf dem gesamten Areal schon reges Treiben.
Die einen kauften am Infostand T-Shirts, die anderen nahem die vielfältigen Spielangebote in Beschlag, andere eilten zum Flohmarkt oder ließen sich im Café der Schülerfirma Milchschaum von deren Angeboten verwöhnen. Oder aber sie ließen sich bei Rundgängen über die Angebote der Einrichtung informieren.
Zum offiziellen Start des Festes sorgte nicht nur der Stammheimer Posaunenchor in lang geübter Tradition für eine kurzweilige Eröffnung. Ein Chor aus Kindergarten- und Schulkindern begeisterte zudem mit einem Jubiläumslied, das von Damaris Hoch (Musik) und Christian Wild (Text) geschrieben worden war. Beide begleiteten die Aufführung auch musikalisch. Lauthals schallte es da durch Atrium: „Wir feiern bis es knallt, denn unser Kinderdorf ist schon 200 Jahre alt.“
Den neu geschaffenen Weg der Geschichte, auf dem die Historie des Kinderdorfes mit all seinen Facetten beleuchtet wird – „wir haben dabei auch die Schattenseiten nicht ausgespart, denn es ist unsere Verantwortung, auch die Vergangenheit aufzuarbeiten“, so Dürr – wurde viel besucht, ebenso die Ausstellung zur Geschichte der Heimerziehung in Baden-Württemberg.
Die Wanderausstellung des Landesarchivs lockte laut Zählung rund 200 Besucher. Auch die Ergebnisse der Projektwoche, in der sich alle Kinder mit Themen aus Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt hatten, stießen auf großes Interesse.
Viel Beifall gab es natürlich für die Akteure des SH-Zelli oder der erstmals aufgetreten Breakdance-Gruppe, die vor großem Publikum zeigten, was sie so alles auf dem sprichwörtlichen Kasten haben.
„Es ist nur durch den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu schaffen“
Das Sommerfest, dass in diesem Jahr wegen des Jubiläums etwas größer als sonst ausgefallen ist, könne jedes Jahr nur ausgerichtet werden, da es viele helfende Hände gebe. So seien auch viele der aktuell rund 350 im Kinderdorf lebenden Kinder und Jugendliche aktiv gewesen, Eltern und eine große Zahl der rund 200 Mitarbeitenden – sowie viele Ehemalige und Externe, die das Event unterstützen.
„Es ist nur durch den Zusammenhalt der gesamten Gemeinschaft zu schaffen“, sagt Dürr, der am Ende der rundum gelungenen Veranstaltung „auch ein Stück weit mit Stolz erfüllt“ gewesen ist, weil nach dem Jubiläums-Festakt im März auch dieses Fest so gut funktioniert und allen Beteiligten – Gästen wie Helfern – viel Spaß gemacht hat.
Das Festjahr
Veranstaltungen
Seit seiner Gründung im Jahr 1826 als Kinderrettungsanstalt in Stammheim hat sich das Kinderdorf Calw zu einer diakonischen Einrichtung mit zwei Schwerpunkten entwickelt: dem Sprachheilzentrum und der Jugendhilfe. Nach dem bereits im März gefeierten Festakt und dem großen Sommerfest sind keine weiteren Großveranstaltungen für die Öffentlichkeit mehr geplant. Für die Mitarbeiter, die angesichts des Jubiläumsjahrs auch besonders gefordert sind, wird es laut Vorstand Manuel Dürr aber im Dezember noch ein besonderes Event geben.
Ausstellung Die Wanderausstellung „Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949 – 1975“, die schon seit geraumer Zeit im Kinderdorf besichtigt werden kann und auch beim Sommerfest große Resonanz fand, ist ein letztes Mal am Dienstag, 19. Mai, von 15 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.
Musikalisches Neben dem Jubiläumslied, mit dem das Sommerfest von Kindergarten- und Grundschulkindern eröffnet worden ist, wurde auch ein Jubiläumsrap von Schülerinnen und Schülern der Sprachheilschule und der Sprach- und Lernförderschule geschaffen. Der Text des Raps sowie ein Link zum Youtube-Kanal sind auf der Homepage des Kinderdorfes Calw zu finden. Adresse: https://www.kinderdorf-calw.de/unser-jubilaeums-rap/
Publikationen Neben einer umfangreichen Festschrift wurde auch ein Jubiläumskochbuch erstellt. Dieses ist pünktlich zum Sommerfest erschienen und kann im Kinderdorf für fünf Euro erworben werden.