Wie sehen Fahrzeuge in Zukunft von innen aus? Bei der Marquardt-Gruppe wird an konkreten Konzepten gearbeitet. Foto: Ansgar Eichler

Künstliche Intelligenz ist da – doch der Produktivitätsschub lässt auf sich warten. Warum 2027 zum Wendepunkt werden könnte und wie Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil wird.

Regionale Zulieferer nehmen Megatrends wie Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit im Fokus Künstliche Intelligenz ist längst in den Unternehmen angekommen.

 

Trotzdem bleibt die erhoffte Produktivitätsexplosion bisher aus. Warum das so ist und welche Rolle strategische Vorausschau und nachhaltige Materialien spielen, war Thema des Arbeitskreises Automotive der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg beim Besuch in Rietheim-Weilheim bei der Marquardt-Gruppe.

Hohe Erwartungen

Die Erwartungen an KI sind hoch. Sie soll Prozesse beschleunigen, Kosten senken und Entscheidungen verbessern. Doch bislang bleibt der große Sprung aus. Tilman Bona von H&Z Management Consulting verglich die Situation mit der Einführung des PCs. Die Technologie war vorhanden, aber die Produktivität hinkte hinterher. Erst Jahre später kam der Wendepunkt.

Für KI sieht Bona diesen Punkt ab etwa 2027, wenn Systeme nicht mehr nur ergänzen, sondern tief in die Wertschöpfung integriert sind. Bis dahin gilt es, Erfahrungen zu sammeln, Anwendungsfälle zu identifizieren und Kompetenzen aufzubauen.

Technologische Antworten allein reichen jedoch nicht aus. Die Branche steht vor einer Vielzahl von Unsicherheiten, von geopolitischen Risiken über neue Regulierungen bis hin zu veränderten Kundenbedürfnissen. Marquardt setzt deshalb in seiner Entwicklung auf strategische Vorausschau.

So reagiert Marquardt

So hat der Bereich Innovations einen strukturierten Prozess entwickelt, der Trends und Signale systematisch erfasst und in Szenarien übersetzt. Digitale Werkzeuge und KI sollen künftig helfen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen abzusichern.

Bei Marquardt steht der Anspruch im Vordergrund, Veränderungen nicht passiv zu begleiten, sondern die Zukunft der Branche aktiv zu prägen. Neben Digitalisierung und Daten spielt ein dritter Faktor eine wachsende Rolle. Nachhaltigkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Hier kommen Start-ups ins Spiel. Jana Kiesel von bwcon zeigte, wie Kooperationen zwischen jungen Unternehmen und etablierten Playern Innovation beschleunigen können.

Ein Beispiel ist Fibryx. Gründer Klaus Heudorfer präsentierte ein Material, das Naturfasern nutzt und Glas- oder Kohlenstofffasern ersetzt. Das neue Material ist bis zu dreißig Prozent leichter, robust und lässt sich in bestehende Prozesse integrieren. Vor allem die CO₂-Bilanz verbessert sich deutlich. Für die Serienfertigung sucht Fibryx Partner aus der Industrie. Marquardt ermöglichte den Teilnehmern der Arbeitskreissitzung zum Abschluss einen Blick auf das Auto von morgen – das „Centum“. Viele klassische Bedienelemente werden sich verändern, doch nicht alles verschwindet zugunsten reiner Touchscreens.

Die Herausforderung liegt darin, digitale Funktionen mit haptischen Elementen zu verbinden und die Bedienung einfach zu halten. Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit bleiben zentrale Kriterien. Das Interieur der Zukunft soll moderner und vernetzter werden und die Ergonomie weiter verbessert werden.

Hier treffen sich Automobilzulieferer

Der IHK-Arbeitskreis Automotive ist eine zentrale Plattform für Automobilzulieferer aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Hier treffen sich Unternehmen regelmäßig, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsstrategien zu diskutieren, Wissen auszutauschen und sich zu vernetzen. Sie verbindet das gemeinsame Interesse, den Wandel in der Automobilwirtschaft aktiv zu gestalten.

Infos erteilt der IHK-Projektleiter Martin Schmidt telefonisch unter 07721/92 22 07 oder per Mail an martin.schmidt@vs.ihk.de.