Hier sind einige Bewohner mit Teilen des Teams der Pfarrscheune zu sehen. Die Gemeinschaft und das familiäre Miteinander heben Bewohner, Mitarbeiterinnen und Angehörige heraus. Foto: Wolf

In der Pfarrgutstraße in Schuttertal gibt es eine besondere Seniorenwohngemeinschaft. Die Bewohner der Pfarrscheune kommen fast alle aus der Gemeinde. Hinter der Einrichtung steht kein Träger, es wird auf Selbstbestimmung Wert gelegt.

An diesem Nachmittag sind fast alle Bewohner der Pfarrscheune an der langen Tafel zwischen Küche und Wohnbereich versammelt. Die Senioren, die meisten sind zwischen 80 und 96 Jahre alt, haben sich für den Nachmittagskaffee zusammengesetzt – ein typisches Ritual, das für viele hier einfach dazugehört zum Leben.

 

Die Pfarrscheune ist eine Seniorenwohngemeinschaft mitten im Ort Schuttertal. Insgesamt zwölf Senioren haben hier ihr Zuhause. Das besondere an der Einrichtung: Es ist kein „klassisches“ Senioren- oder Pflegeheim. Es gibt keinen Träger wie bei anderen Häusern. Die Einrichtung ist selbstverwaltet. Mitarbeiterinnen, Angehörige und ein dazugehörender Verein koordinieren sich – und haben die Verantwortung. Dafür gibt es viele Freiheiten, die in der Form woanders nicht möglich wären.

Die ersten zwei Bewohner sind zum 1. Juli 2021 eingezogen. „Nach einem halben Jahr waren wir dann ziemlich belegt“, berichtet Ursula Gruninger. Sie ist Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Soziales Miteinander Schuttertal (Somit). Die als Verein organisierte Bürgergemeinschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, hilfsbedürftige Menschen aus der Gemeinde zu unterstützen. Zentral ist dabei das Projekt Pfarrscheune.

Der Start war nicht einfach

„Die Heimaufsicht musste alles genehmigen“, erinnert sich Gruninger. Das sei nicht ganz einfach gewesen. Da es keinen Träger, wie etwa die Caritas, gibt, sind die Strukturen ganz anders. Für die Heimaufsicht etwas unbekanntes. In Oberried, einer Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, gibt es ein ähnliches Seniorenwohnprojekt. Mit den Oberriedern sei man in der Planungsphase in Kontakt gestanden. In unserer Region sei diese Art Gemeinschaft aber einzigartig, findet Gruninger.

Der Verzicht auf klassische Strukturen bringt zusätzlichen Aufwand, aber auch Vorteile, findet an diesem Nachmittag die Kaffee-Runde.

Senioren können ihren Tag individuell gestalten

Angehörige können, beziehungsweise sollen, sich in den Alltag der Pfarrscheune einbringen. Feste Besuchszeiten gibt es nicht. Die Angehörigen dürfen natürlich spontan vorbeischauen, Ausflüge mit den Bewohnern unternehmen oder auch gemeinsame Aktionen planen.

Für die zwölf Senioren gibt es eine Tagesstruktur, die allerdings individuell gestaltet wird. Manch einer startet lieber früh, andere lieber etwas später in den Tag. Es gibt Möglichkeiten zum Sport oder Spaziergänge. Jeder kann, muss aber nicht.

„Wir sind wie eine Großfamilie“, findet einer der Bewohner. Alle sind hier per Du. Er kommt, wie fast alle hier, aus der Gemeinde. „Aus dem Bergdorf“, erzählt er. Gemeint ist der Schuttertäler Ortsteil Schweighausen.

Anders als noch zu Beginn, gibt es inzwischen eine Warteliste für Plätze in der Pfarrscheune. Den Vorrang haben in der Regel Menschen aus der Gemeinde. So können örtliche Traditionen, Veranstaltungen und Gepflogenheiten auch noch im hohen Alter beibehalten werden.

Der Standort der Wohngemeinschaft ist dafür ideal. Zentral im Ort gelegen, sind es nur wenige Meter bis zur Kirche, direkt nebenan ist ein kleiner Park. Jungmusiker aus den Musikvereinen spielen gelegentlich für die Senioren auf, der ein oder andere Landwirt bringt regionales Obst und Gemüse vorbei – Zwetschgen etwa. Wie für die Region üblich wurde in der Pfarrscheune „Zwetschgendatschi“ gebacken. Auch beim Essen sind die Bewohner direkt beteiligt. Sie können sich einbringen, beim schnibbeln oder schälen. Oder sie äußern Wünsche, je nachdem, was besonders gut angekommen ist.

„Wir sind Teil der Dorfgemeinschaft“, so Gruningers Fazit. Der St. Martinsumzug starte etwa inzwischen von der Pfarrscheune. So können die Senioren weiterhin daran teilhaben.

Gerade plant das Team der Pfarrscheune schon das nächste Projekt. Ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt soll es geben. Plätzchen und Gebäck wollen sie verkaufen und den Erlös in die Einrichtung der Seniorenwohngemeinschaft stecken. Gebacken wird natürlich zusammen – eben wie in einer Großfamilie.

Das Bewohnergremium

Die Angehörigen organisieren sich basisdemokratisch in einem Gremium mit eigener Satzung. Zusammen entscheiden sie etwa über Anschaffungen oder Neuaufnahmen.