Hier ist Ursula Challier im Ettenheimer Kindergarten „Pusteblume“ beim Vorlesen zu sehen. Als „Lesepatin“ stattet sie immer donnerstags der Kita einen Besuch ab. Foto: Stadt Ettenheim

Rente gleich Nichtstun? Nicht so bei Ursula Challier. Familie und Sport hält sie auf Trab. Und die Wahl-Ortenauerin engagiert sich ehrenamtlich als „Lesepatin“ in einem Ettenheimer Kindergarten und der Grundschule Altdorf.

Seit zwei Jahren ist Ursula Challier im Ruhestand, trotzdem ist sie viel beschäftigt. Hobbys, Familie und seit dem vergangenen Jahr das Ehrenamt, bereichern ihr Leben. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt sie, warum ihr die selbstgewählten Aufgaben als Rentnerin so wichtig sind.

 

Durch einen Zeitungsartikel wurde Challier auf eine ehrenamtliche Initiative der Stadt Ettenheim aufmerksam. „Lesepaten“ wurden gesucht. Diese unterstützen Kinder bei Leseschwierigkeiten oder versuchen ganz einfach die Lust am Lesen zu wecken. „Ich habe selber neun Enkel“, erzählt Challier. Die Mutter von drei Kindern entschloss sich es zu versuchen. Bereut hat sie die Entscheidung nie – im Gegenteil. „Es macht mir große Freude mit den Kindern zu arbeiten“, erklärt sie.

Seit 2007 wohnt sie im Ettenheimer Ortsteil Altdorf. Davor lebte sie zunächst in Lahr, ursprünglich kommt sie jedoch aus dem Raum Tübingen. Sie erinnert sich noch gut an den ersten Tag als „Lesepatin“. Zunächst ging es in die Grundschule Altdorf. Leseschwierigkeiten seien dort nicht unüblich. „Das Niveau ist sehr unterschiedlich“, berichtet Challier. Zweit und Drittklässler versucht sie so gut es geht zu unterstützen. Einzeln tauscht sie sich mit den Schülern aus, bespricht Texte und Geschichten mit ihnen. manchmal bringe sie Material mit oder die Schüler haben Bücher von der Schule dabei. „Es tut ihnen gut“, findet Challier.

Das Ehrenamt wurde durch die freie Zeit möglich

Auch der Austausch mit den Lehren und die positiven Rückmeldungen hätten sie bestärkt. Deshalb habe sie ihre Zeit in der Grundschule erhöht. „Erst war es nur eine Stunde, jetzt zwei Stunden. Immer Donnerstag geht sie in die Schule.

Das Engagement als „Lesepate“ kommt häufig von Rentnern. Das berichtet auch Heike Schillinger von der Stadt Ettenheim, zuständig für das Projekt. „Die meisten sind Rentnerinnen, aber wir haben auch eine Studentin die sich engagiert, berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Übergang in die Rente fiel ihr leicht

Direkt im Anschluss an die Grundschule ist für Challier der Kindergarten „Pusteblume“ dran. Hier sei ihre Arbeit eine völlig andere. Es sind hier nicht die Kinder, die der „Lesepatin“ Geschichten vorstellen, sondern umgekehrt. Einfach nur eine Geschichte vorzulesen, das reiche aber oft nicht aus. „Es ist nicht so ganz einfach“, berichtet Challier. Die Konzentrationsspanne sei oft nur kurz. Daher habe sie sich Konzepte erarbeitet, um das Interesse der drei- bis vierjährigen zu wecken. „Ich bringe Geschichten mit, erzähle frei oder wir behandeln ein aktuelles Thema“. Auch Basteln oder das Vermitteln der Geschichten mit einem Theater ist Teil ihres Konzepts. Und das komme an, freut sich Challier. Die Kinder wären immer wieder begeistert, wenn sie donnerstags vorbeischaue.

Das Ehrenamt wurde für Challier auch durch die freigewordene Zeit seit ihrem Rentenbeginn möglich. Zwar arbeitet sie auf eigenen Wunsch hin weiter an einem Tag der Woche bei ihrer alten Arbeitsstelle, einer radiologische Praxis in Offenburg, als Medizinische Fachangestellte, aber sie könne jetzt „etwas zurückgeben“.

„Ich bin Niemand, der sagt, jetzt lege ich die Füße hoch“, erzählt Challier lachend. Daher sei sie auch nie „in ein Loch gefallen“, als der Arbeitsalltag plötzlich fehlte. Im Gegenteil, so Challier: „Jetzt ist vieles auch unter der Woche möglich.“ Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, der wie sie im Ruhestand ist, treibt sie Sport: Joggen, Schwimmen oder Rennradfahren. „Und ich lerne Sprachen“, ergänzt sie. Gerade ist Spanisch angesagt.

Die Rente nutzen, umetwas zurückzugeben

Besonders wichtig ist der Ettenheimerin auch, dass sie nun mehr Zeit für ihre Familie hat. „Es sind alles Dinge, die ich bestimmen kann – ob und wie ich sie mache“. erklärt Challier.

Die 65-Jährige ist überzeugt, dass sie von all den Hobbys und Aufgaben profitiert. „Die geistige Anforderung hält fit“, so ihr Fazit. Dadurch sei sie sehr optimistisch, noch viele schöne Jahre erleben zu können. Engagieren will Challier sich auch in Zukunft.

Ehrenamtliche gesucht

Wer aus der Region um Ettenheim kommt und Lust bekommen hat, sich als „Lesepate“ zu engagieren, kann sich unter Telefon 07822/ 43 21 02 oder per E-Mail an heike.schillinger@ettenheim.de bei der Stadt Ettenheim melden. Dort gibt es weitere Informationen zu dem Projekt. Die Verwaltung stellt auch den Kontakt zu den teilnehmenden Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten her. Gesucht werden laut der Stadt Ettenheim auch Ehrenamtliche, die gezielt einzelne Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen wollen. Für die „Lesepaten“ gibt es zudem kostenlose Schulungen in Kooperation mit dem Verein „Lesewelt Ortenau“. Auch der Austausch mit anderen Ehrenamtlichen des „Lesepaten“-Projekts wird gefördert.