Begehrte Ziele wie der Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen sind in den Sommermonaten oft völlig überlaufen. Foto: dpa/Angelos Tzortzinis

Noch stellen Deutsche und Briten die meisten Besucher in Hellas. Griechenland will künftig aber auch zahlungskräftigere Gäste aus China, Indien oder den USA anziehen.

Fast 41 Millionen Ausländer machten im vergangenen Jahr Urlaub in Griechenland, mehr als je zuvor. Für 2025 zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Nach Angaben der griechischen Zentralbank stiegen die Touristenzahlen in den ersten vier Monaten um 6,4 Prozent. Deutsche und Briten stellen die größten Besuchernationen. Aber das Wachstum in Europa stößt an seine Grenzen, auch wegen des Klimawandels. Griechenland versucht deshalb, neue Herkunftsmärkte zu erschließen und alternative Urlaubsmodelle zu entwickeln.

 

Als diese Woche die erste Maschine der chinesischen Sichuan Airlines in Athen landete, eilte die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni persönlich zum Gate, um die Fluggäste zu begrüßen. Vier Mal in der Woche verbindet die Fluggesellschaft ab jetzt die westchinesische Millionenstadt Chengdu mit der griechischen Metropole. Chinesische Medien schwärmen bereits von einem „kulturellen Korridor“, der zwei Zivilisationen miteinander verbindet: das alte Shu-Königreich in China mit der griechischen Antike.

Neue Flugverbindung nach Chengdu in China

Für den griechischen Tourismus ist die neue Flugverbindung ein Meilenstein. 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, hatte Griechenland drei wöchentliche Flugverbindungen nach China. Jetzt sind es zwölf. Damit diversifiziert sich der griechische Tourismus. Der Fremdenverkehr ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Griechenland. Er trägt rund ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. In der Europäischen Union hat der Tourismus nur in Kroatien und Zypern einen noch höheren Anteil an der Wirtschaftsleistung als in Griechenland.

Bisher stellen Urlauber aus den europäischen Ländern die weitaus meisten Besucher. Aber auf diesen Märkten sind die Wachstumsaussichten begrenzt. Ein Indiz dafür: Die Gäste bleiben nicht mehr so lang, und sie geben weniger aus. Der durchschnittliche Aufenthalt ist seit 2021 von 8,8 auf 6,5 Tage zurückgegangen. Gaben die Besucher noch 2021 pro Kopf 689 Euro aus, waren es 2024 nur noch 530 Euro. Der Trend geht zu kürzeren Reisen und City-Trips. Das hängt auch mit dem Klimawandel zusammen. Immer häufigere Hitzewellen in den Sommermonaten und heftige Waldbrände, wie jetzt auf der Insel Kreta, machen den traditionellen Strandurlaub für viele Reisende weniger attraktiv.

Übertourismus in der Hauptsaison

Griechenland solle deshalb in seiner Tourismusstrategie entfernte Märkte stärker in den Blick nehmen, empfiehlt eine jetzt vorgelegte Studie der National Bank of Greece (NBG). Damit soll das Land zahlungskräftigere Gäste anziehen, die länger bleiben und mehr ausgeben. Zugleich könnte Griechenland so dem Übertourismus in der Hauptsaison entgegenwirken und mehr Reiseverkehr in der Vor- und Nachsaison generieren. Viele touristische Brennpunkte sind im Hochsommer völlig überlaufen. Die Insel Santorini verzeichnete im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Besucher. Das war das 355-fache der eigenen Einwohnerzahl.

Der Ansturm in den Sommermonaten bringt die Infrastruktur an ihre Grenzen. „Seit 2012 ist unser Wasserverbrauch um 140 Prozent gestiegen, der Stromverbrauch hat sich seit 2019 fast verdoppelt“, klagt Santorinis Bürgermeister Nikos Zorzos. Die Insel könne „kein einziges neues Bett mehr verkraften“. Viele Gäste aus weiter entfernten Ländern kommen außerhalb der Hochsaison. Sie sind weniger am Strandurlaub interessiert als an kulturellen Erlebnissen sowie an Themenreisen abseits der touristischen Hotspots. So ist Griechenland für Besucher aus China ein zunehmend beliebtes Winterziel.

Auch Indien gilt als Zukunftsmarkt

Auch Indien, das bevölkerungsreichste Land der Welt, gilt den griechischen Tourismusstrategen als vielversprechender Zukunftsmarkt auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Urlaubsmodell. Die griechische Fluggesellschaft Aegean Airlines plant ab 2026 Flüge nach Indien und schafft dafür eigens Langstrecken-Versionen des Airbus A321 an. Nach einer Studie des Marktforschers Mabrian interessieren sich 35 Prozent der indischen Reisenden in Griechenland vor allem für kulturelle Sehenswürdigkeiten und antike Stätten. Nur 7,7 Prozent suchen Strandurlaub oder das Sonnenbad am Hotelpool.

Der US-amerikanische Markt wächst bereits sehr stark. Die Zahl der Besucher aus den USA ist seit 2022 um 42 Prozent gestiegen. In diesem Sommer bieten Fluggesellschaften wöchentlich rund 100 Nonstop-Verbindungen zwischen den USA und Athen an, doppelt so viele wie im Vor-Corona-Jahr 2019. US-Amerikaner sind in Griechenland gern gesehene Gäste, denn sie geben pro Kopf fast zweimal so viel aus wie ausländische Touristen im Durchschnitt. Überdies kommt die Hälfte von ihnen außerhalb der Hochsaison, gegenüber einem Drittel der ausländischen Besucher insgesamt. Das passt zu Griechenlands Bemühungen um ein nachhaltigeres Tourismusmodell.