So viele Zuhörer zählte man bei einer Gemeinderatssitzung schon lange nicht mehr: Im Bad Herrenalber Kurhaus war am Mittwochabend einiges los. Foto: Kugel

Im Bad Herrenalber Kurhaus war am Mittwochabend viel los. Schließlich ging es um die Weiterentwicklung der Siebentäler Therme. Es gab etliche Wortmeldungen.

Zu Beginn der Sitzung hielt Bürgermeister Klaus Hoffmann im voll besetzten Kurhaus ein Plädoyer für die Therme. Und zwar am Stehpult. Jede zusätzliche Investition lohne sich, so das Stadtoberhaupt. Er bemerkte aber auch, dass er sich über die vorgelegten Zahlen geärgert habe.

 

Der neue Geschäftsführer der Bäderbetriebe werde mit einem Marketingkonzept für neue Begeisterung für die Therme sorgen. Den Abbruch des Projekts bezeichnete Hoffmann als teure Sackgasse und vertane Chance.

Er erinnerte an die Online-Petition und die Liste mit mehr als 50 Unterschriften von Bad Herrenalber Gewerbetreibenden für den Erhalt der Therme. Nicht zu vergessen die zwei positiv beschiedenen Förderanträge.

Dem Beifall nach zu urteilen, waren die meisten Zuhörer Therme-Befürworter. Vor allem die Mitarbeiter der Freizeiteinrichtung sparten während der Sitzung nicht mit kräftigem Applaus bei Pro-Revitalisierung-Äußerungen.

Architektonische Perle Bevor die Stadträte diskutierten, gab es Ausführungen von Andreas Ditschuneit (4a Architekten Stuttgart) und Jürgen Dobler vom Büro Rödl und Partner, das die Ergebnisrechnung erstellte. Ditschuneit sprach von einer architektonischen Perle, die behutsam saniert werde. Es gebe kaum noch Pläne von damals – wegen der dürftigen Unterlagen sei viel Arbeit notwendig gewesen. Erstellt wurde ein digitales Modell. Die Rückbaumaßnahmen seien fast abgeschlossen.

Dobler erklärte, dass das durchschnittliche Ergebnis der Jahre 2026 bis 2043 für alle betrachteten Szenarien bei einem Zins von vier Prozent sowie einem von fünf Prozent dargestellt sei. Wobei Bürgermeister Hoffmann informierte, dass man wegen der Bürgschaft der Stadt für die Stadtwerke aktuell mit einem Zins von 3,5 Prozent oder weniger rechne. Die ermittelten Zahlen zeigten, dass die vom Gemeinderat beschlossene Verlustobergrenze von 500 000 Euro machbar sei.

Fremd vergeben?

Kein Selbstläufer Wie Stadtwerke-Geschäftsführerin Karina Herrmann sagte, liege noch keine exakte Kalkulation vor. Ein Saunatag werde aber wohl mehr als 30 Euro kosten, beim Badbereich seien es 20/21 Euro. Der zukünftig verantwortliche Geschäftsführer der Bäderbetriebe sei bei den Personalaufwendungen mit eingerechnet.

Noch stehe mit Blick auf den Gastrobereich nicht fest: selber machen oder fremd vergeben. Die sanierte Therme sei kein Selbstläufer, das sei allen klar. Aber die Mitarbeiter freuten sich und würden alles geben. Die Führungen für interessierte Bürger würden weitergehen. Über Internet und Facebook werde man darüber informieren, wie die Siebentäler Therme aus dem Schlaf erwache.

Maximale Transparenz

Nicht nachvollziehbar Rüdiger König (UBV) bemerkte, dass mehr als 90 Prozent der Therme-Besucher nicht aus dem Ort, sondern aus dem Umland kommen würden. Vor allem beim Saunabereich seien für ihn die künftig erwarteten hohen Besucherzahlen nicht nachvollziehbar. Ditschuneit bemerkte hierbei, dass man mittlerweile 38 Schwimmbäder geplant, saniert oder neu gebaut habe. Und die Zahlen lägen fast ausschließlich „über den Prognosen“ – hauptsächlich im Saunabereich gingen sie nach oben. Susanne Schaeff (GL Plus) sagte, beim Blick auf die Chancen und Risiken sei maximale Transparenz erforderlich. Bei einer Entscheidung von so großer Tragweite plädiere sie für einen Bürgerentscheid. Hierbei erinnerte Andreas Nofer (CDU) daran, dass der Gemeinderat rückblickend schon fünf mal eine Entscheidung getroffen habe.

Frage zum Freibad Stadtkämmerer Philipp Göhner antwortete auf die Frage, ob das Freibad in Gefahr sei und wie die Therme gestemmt werden könne: Die Therme bekomme man als Kommune hin.

Er erwähnte, dass laut Zensus 2022 700 Einwohner fehlten und die Kreisumlage sehr hoch sei. Pro Jahr komme ein siebenstelliger Betrag zusammen. In Berlin und Stuttgart müsse man endlich erkennen, dass die Kommunen angemessen bezahlt werden müssten.

Wie finanzieren?

Er werde wohl vorschlagen, auf das Freibad zu verzichten. Wenn man das nicht wolle, laute die Frage zum Nachdenken: Wie finanzieren? Allerdings könne eine schwarze Null nicht auf Kosten des Charakters der Stadt gehen, stellte Göhner fest. Die Kasse müsse man aber freilich im Griff haben. Es sei im Übrigen dann das gute Recht des Gemeinderats, sich für den Weiterbetrieb des Freibads auszusprechen.

Antrag Nach der Diskussion im Gremium wurde der Antrag von Rüdiger König, der einen Bürgerentscheid gemäß Artikel 21, Absatz 1, Gemeindeordnung wollte, nicht behandelt. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat kann mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen aller Mitglieder beschließen, dass eine Angelegenheit des Wirkungskreises der Gemeinde, für die der Gemeinderat zuständig ist, der Entscheidung der Bürger unterstellt wird.

Erst Ende Februar

Wie der Rathauschef sagte, würde er ansonsten rechtswidrig handeln. Laut Auskunft von Landratsamt und Gemeindetag sei dieser Antrag nämlich nicht der weitergehende (Anm. d. Red.: Über den weitergehenden Antrag ist zuerst abzustimmen). Somit wäre der Antrag erst Ende Februar auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gekommen. Letztendlich wurde über die Fortführung der Revitalisierung der Siebentäler Therme namentlich abgestimmt. Wobei 14 Mitglieder des Gemeinderats Ja und sieben Nein sagten. Nebenbei: Die Stadträte Elias Hechinger (UBV) und Christian Romoser (CDU) durften wegen Befangenheit an der Beratung und Entscheidung nicht mitwirken.