Trotz neuer 20 000-Euro-Spende bleibt die Kikripp im Krisenmodus. Eltern sind gespalten, die Unruhe wächst – und Villingen-Schwenningens OB Roth lädt nun zum Krisengespräch.
„Wir planen gerade Tag für Tag, dass das Herzensprojekt weitergehen kann, doch Stand jetzt“ – das war am 17. November – „reicht es uns nicht über den Monat“, so die bange Aussage von Kikripp-Chef Marius Neininger.
Seitdem der erbitterte Streit mit der StadtVillingen-Schwenningen eskaliert, wankt die Zukunft der Einrichtung. Doch jetzt ist der November offenbar gesichert: Erneut hat ein großzügiger Spender 20 000 Euro überwiesen, teilten die Neiningers erfreut den Eltern mit.
Eitel Sonnenschein herrscht in der Hermann-Schwer-Straße 1 in Villingen trotzdem nicht. Hinter den Kulissen geht es offenbar heiß her. Es ist unruhig – nicht nur wegen der finanziellen Situation der Kita, sondern auch, weil es in der Elternschaft beides gibt: Befürworter, die der Betreiberfamilie Neininger den Rücken stärken, sowie Eltern mit vielen Fragen und skeptischer Einstellung, die Kritik üben an Äußerungen der Kita-Betreiber und Verständnis haben für die Haltung der Stadtverwaltung VS und beispielsweise auch die personelle Ausstattung hinterfragen, als zu hoch empfinden. Zumal manche Familien der Kikripp bereits den Rücken gekehrt hätten.
Zwiespalt auch medial
Der Zwiespalt schlägt sich auch medial nieder. Facebook-Kommentare, ein 18-minütiges Video, in dem Marisa Faißt-Neininger an Eltern appelliert: „Lassen Sie sich nicht spalten“, für die Kinder, ihre Schätze.
WhatsApp-Statusmeldungen, emotionale Spendenaufrufe bis hin zu einem Instagram-Video, in dem Verzweiflung deutlich wird und Marisa Faißt-Neininger mit erschrockener Miene und angelegten Handschellen in die Kamera schaut – „Mama, kommst Du jetzt ins Gefängnis????“ und auf dem nächsten Bild ist zu lesen: „Ich wollte nur meine Kita retten, sammelte Spenden. Es folgte die Strafanzeige! Wie erklärt man das nun seinen Kindern!!“
Nach vielen Gesprächen und Schlagabtauschen im Hintergrund folgte nach Informationen unserer Redaktion eine digitale Elterninformation am Dienstagabend. Auf sachlicher Ebene seien die Zuhörer über den aktuellen Stand informiert worden.
Doch was ist eigentlich der aktuelle Stand für Eltern, die erwägen, ihre Kinder in eine andere Einrichtung zu schicken? Gibt es dazu die Möglichkeit angesichts des drängenden Kitaplatzmangels in VS?
Auch Stadt wird kontaktiert
Stadtsprecherin Madlen Falke bestätigt: „Die Stadt steht natürlich mit den besorgten Eltern im Austausch und nimmt die Ängste auch sehr ernst. Es gab schon direkte Mails an den OB und auch in der Bürgerfragestunde waren Eltern anwesend.“ Grundsätzlich sei für Kitaplatz-Anfragen die Zentrale Vormerkstelle Ansprechpartner. „So lange der Betrieb weitergeführt wird, werden von Seiten der Stadt keine Kinder in andere Kindertageseinrichtungen untergebracht. Es obliegt jedoch den Eltern selbst, ob sie sich für eine andere Kindertageseinrichtung vormerken lassen. In solchen Fällen greift das reguläre Platzvergabeverfahren über die Zentrale Vormerkstelle.“
Wichtig sei aber auch die Beachtung der Aufnahmekriterien. Und natürlich sei der Umfang des Angebots der Kikripp in den städtischen Kitas nicht vollends abbildbar. Man versuche im Rahmen der Platzkapazitäten Möglichkeiten zu schaffen, „aber können dies aktuell nicht garantieren“
So reagiert der OB jetzt
Immer wieder wurde zuletzt der Ruf nach einer öffentlichen Äußerung Roths laut, jetzt wird reagiert: „Oberbürgermeister Jürgen Roth lädt die Eltern zu einem persönlichen Gespräch in der kommenden Woche am Montag ein – die Eltern wurden darüber heute informiert.“
Neiningers Äußerung, wonach er rechtliche Schritte gegen den OB für erfolgversprechend hielte, lassen den OB aber offenbar kalt.
Madlen Falke hierzu: „Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage. Ein Straftatbestand liegt nicht vor. Der Gemeinderat wurde nicht in die Irre geführt, sondern über die strittigen Vorgänge informiert. Wir konzentrieren uns auf die Abwicklung der Rückforderungsansprüche und nicht auf das Säbelrasseln.“