Die evangelische Landeskirche streicht die Mittel – doch in Biesingen wächst der Wille, sich für das Gotteshaus einzusetzen. Bürger suchen nach Lösungen für die Zukunft.
Dass ein Kirchengebäude, dessen Unterhalt von der evangelischen Landeskirche gestrichen wurde, nicht gleich veräußert oder gar entwidmet werden muss, zeichnet sich rund um die Biesinger Kirche ab.
Nachdem der Oberkirchenrat in Karlsruhe in enger Abstimmung mit dem Bezirkskirchenrat in Villingen die „Beampelung“ von Gebäuden und Organisationsstrukturen auf den Weg gebracht hatte, zogen düstere Wolken über das schmucke Kirchlein in Biesingen: Die Ampel zeigte „rot“.
Das bedeutete, dass in Zukunft keine Gelder mehr zum Erhalt und Unterhalt der Biesinger Kirche aus Karlsruhe fließen werden. Eigentümer der Kirche ist die evangelische Kirchengemeinde im Nachbarort Oberbaldingen. Dort wurde in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand an Eigenleistungen und noch mit Unterstützung der Landeskirche das Kirchengebäude einer Generalsanierung unterzogen. Manch Biesinger Bürger blickte mit einem neidischen Gedanken gen Südosten.
Nun aber gilt es, die „Kirche im Dorf“ zu lassen, im wahrsten Sinn des Wortes. Für Unterhalt und Rücklagen müssen jährlich etwa 15 000 Euro aufgebracht werden, damit die Biesinger Kirche ihre Funktion als Gottesdienstraum und als Gebäude an sich behalten kann.
Jetzt zeigten anlässlich einer Informationsveranstaltung immerhin über 70 Personen Interesse an dem Thema. Diese erkleckliche Zahl machte Mut, und inzwischen hat sich eine Gruppe von Personen gefunden, die ausloten möchte, welche Möglichkeiten für den langfristigen Erhalt der Kirche denkbar sind.
Keine Mittel mehr im Topf
Eine zwischenzeitliche Anfrage beim Oberkirchenrat, ob für die Biesinger Kirche wegen ihres ortsbildprägenden Charakters der Ausnahmeparagraf bei Ampelstellung „rot“ zum Tragen käme, wurde abschlägig beschieden. Die finanzielle Entwicklung der Landeskirche habe sich so dramatisch verschlechtert, dass in diesem Topf keine Mittel mehr vorhanden sind.
Diese Anfrage beim Bezirkskirchenrat und Dekanat hatten auch Pfarrer Jonathan Richter, Bürgermeister Jonathan Berggötz und die Biesinger Ortsvorsteherin Tatjana Tröster mit unterschrieben. Eine Antwort steht noch aus.
Arbeitskreise Biesinger Kirche gegründet
Um aber Möglichkeiten des Erhalts auszuloten, haben sich engagierte Gemeindeglieder unter dem Titel „Arbeitskreise Biesinger Kirche“ zusammengesetzt und ein erstes Informationsblatt gestaltet. Vier Fragen stehen im Zentrum des Fragebogens, den Carolin und Bernhard Vosseler im Gespräch mit unserer Redaktion vorstellten. Die Bereitschaft zur bloßen Mitgliedschaft in einem zu gründenden Förderverein, die wiederholte finanzielle Unterstützung, das tatkräftige Engagement in und um das Gebäude oder eine inhaltliche Mitarbeit an einem nachhaltigen Nutzungskonzept werden abgefragt. „Derzeit steht die Kirche ja schon an Sonntagen auch ohne Gottesdienst für das stille Gebet offen“, erklärt Vosseler.
Das 1983 sanierte Gebäude fiel 1902 einem Dorfbrand zum Opfer und wurde seinerzeit mit Hilfe der umliegenden Dörfer wieder errichtet. 2018 feierte man das 110-jährige Bestehen des Gebäudes. Es gibt ähnliche Kirchen des Baumeisters Rudolf Burckhardt, die im badischen Lande erbaut wurden und in denen sich Elemente wie Kanzel, Altar und Türen beispielsweise in Hausach, Tennenbronn und Furtwangen oder auch der Gibelwalm oder die doppelten Spitzbogenfenster an weiteren Standorten identisch wiederfinden.
Stand beim Dorffest
Außerdem wird die Turmuhr, die 24 Stunden am Tag auch akustisch deutlich wahrnehmbar anzeigt, welche Stunde geschlagen hat, täglich von Hand aufgezogen. Wer sich noch näher mit der Biesinger Kirche beschäftigen möchte, hat anlässlich des Dorffestes am Sonntag, 7. Juni, am Stand der Kirche Gelegenheit dazu.
Das Informationsblatt steht auch auf der Homepage www.kirche-oberbaldingen.de zum Herunterladen bereit und kann auch noch nachträglich beantwortet werden.