Keine der Hallen ist verzichtbar. Auch das Freibad steht nicht zur Disposition. Dies stellt Bürgermeister Tobias Benz nach Kritik von Bürgerseite im Technischen Ausschuss klar.
Stammgast Willi Halfter hatte im Rahmen der Bürgerfragestunde die Frage aufgeworfen, ob die derzeit wegen Wasserschadens geschlossene Hochrheinhalle nicht prinzipiell verzichtbar wäre. Die Gemeinde fahre Jahr für Jahr ein Haushaltsdefizit in Millionenhöhe ein, greife gleichzeitig aber in die Tasche, um etwa zwei Millionen Euro in die Hochrheinhalle zu stecken. Im Gegenzug werde zum Beispiel das aus dem Jahr 1958 stammende Freibad als Sanierungsfall immer weiter auf die lange Bank geschoben.
Sämtliche Hallen sind ausgelastet
„Unser Freibad ist einzigartig und viel wertvoller als so eine dämliche Halle“, sagte der für seine oft sehr direkte Wortwahl bekannte Zuhörer angesichts mehrerer funktionstüchtiger Hallen und Säle in der Doppelgemeinde. Und derer gibt es einige in kommunalem Besitz: Neben der Hochrheinhalle in Wyhlen sind dies das Haus der Begegnung in Grenzach, die Zielmattenhalle, die Markgrafenhalle, die Sporthalle am Schulzentrum sowie die Sporthallen von Lindenschule und Kita Hebelschule.
Schrittweise Sanierung über mehrere Jahre
Erst vor Jahren habe die Gemeinde Millionen in die Hochrheinhalle gesteckt, wolle dies nun wieder tun und verweise gleichzeitig auf sinkende Einnahmen, Defizite und für Bürger weiterhin steigende Gebühren. Das passe doch so nicht ganz zusammen, kritisierte Halfter. Hinzu komme, dass viele der genannten Säle und Hallen in einem ähnlichen Zeitraum erbaut worden seien. Da sei ja fast schon absehbar, dass nun eine nach der anderen zum Sanierungsfall werde.
Rat und Verwaltung sind sich einig
Bürgermeister Tobias Benz antwortete dem Zuhörer sehr ausführlich und mit Zahlen unterfüttert. Der Rathauschef stellte klar, dass zwischen Gemeinderat und Verwaltung Konsens in der Sache herrsche, dass weder einzelne Hallen noch das Freibad verzichtbar wären. „Die Hallen sind alle komplett ausgelastet“, verwies Benz auf die zahlreichen Schulen und Vereine in der Doppelgemeinde. Man sehe ja gerade jetzt, wie schwierig für einige Vereine der Übungsbetrieb geworden sei, seit die Hochrheinhalle gesperrt wurde. Es gebe keineswegs zu viele Hallenkapazitäten. Er wolle im übrigen „nur ungern das Freibad gegen die Hallen ausspielen“, hielt der Bürgermeister fest.
Neubau und Kernsanierung als Optionen verworfen
In den Jahren 2013 bis 2020 sei immer wieder in die Hochrheinhalle investiert worden, sagte Benz mit Verweis auf zum Beispiel Arbeiten im Foyer, in Sanitärräumen oder den Bau eines Blockheizkraftwerks.
Die Gemeinde habe einen Abbruch und Neubau der Hochrheinhalle als Option prüfen lassen. „Da kämen wir auf 18 bis 22 Millionen Euro – und auch eine Kernsanierung läge in einem hohen einstelligen Millionenbereich“, rechnete Benz vor. Daher habe man sich im Gemeinderat für ein Sanierungskonzept entschieden und nehme nun für die ersten Stufen zusammen etwa zwei Millionen Euro in die Hand, um die Hochrheinhalle wieder nutzbar zu machen. So werde man sich im Verlauf der Jahre schrittweise einer Komplettsanierung der Halle – sie ist die größte in der Doppelgemeinde – nähern.
Benz: „Wunsch und Notwendigkeit trennen“
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellte Benz klar, dass von dem in Aussicht gestellten Sondervermögen des Bundes über Jahre verteilt 9,6 Millionen Euro nach Grenzach-Wyhlen fließen werden. Dieser Betrag sei ja „nett“, so Benz weiter, „aber um wirklich alles zu sanieren, bräuchten wir das Zehnfache – da muss man sich ehrlich machen“. Das Problem sei die mangelnde finanzielle Ausstattung der Gemeinden vonseiten des Bundes und des Landes. „Wir müssen daher das Wünschenswerte vom Notwendigen differenzieren. Im Prinzip brauchen wir eine Finanzreform“, warb der Bürgermeister um Verständnis für manche nicht immer für jedermann nachvollziehbare oder auch unpopuläre Entscheidung.