Etwas ungemütlich hat es das Storchenpaar derzeit auf der Bad Dürrheimer Zehntscheuer. Gutes Wetter lässt auf sich waren. Foto: Martin Gruhler

Stadt hat Sicherheitsbedenken wegen eines zweiten Nests auf dem Kindergarten St. Raphael.

Ausgerechnet zum neuerlichen Wintereinbruch am Mittwoch der letzten Januarwoche kamen die zwei Störche in das Nest auf der Bad Dürrheimer Zehentscheuer zurück.

 

Anwohner hatten zunächst befürchtet, dass die Störche womöglich den vielen Schnee und die permanenten Frosttemperaturen nicht überlebt haben könnten. Umso größer dann die Freude, dass seit Montag das Storchenpaar stoisch aber quicklebendig wieder zu beobachten war, wie sie Bad Dürrheim von oben betrachteten.

Vor wenigen Jahren noch waren Störche erst Mitte März aus dem Winter nach Bad Dürrheim zurückgekehrt. Vor zwei Jahren waren sie im Laufe des Februars erstmals gesichtet worden und im Vorjahr schon Mitte Januar.

Immer mehr Störche bleiben hier

Aufgrund ihres isolierenden Federkleides sind erwachsene Störche auch bei Frosttemperaturen recht gut geschützt. Der Weißstorch war früher ein Langstreckenvogel gewesen, der zum Überwintern bis nach Afrika flog. In verkürzten Routen enden die Reisen dann in der Neuzeit bereits in Spanien. Indes: Immer mehr Störche sparen sich die weiten Flüge überhaupt und bleiben ob milder Winter mittlerweile in Süddeutschland.

Störche ziehen nicht wegen der Kälte in den Süden, sondern wegen der Nahrungsfindung. Ob der wärmeren Winter der vergangenen Jahre können sie diese mittlerweile auch hierzulande finden.

Rund 80 Störche waren im Herbst auf einem Feld an der Bundesstraße vis-à-vis dem Bad Dürrheimer Kaufland zu sehen, als ein Landwirt gerade den Acker pflügte und Mäuse so zur leichten Beute wurden. Seltsamerweise sind im nahe gelegenen Schwenninger Moos die Adebare nicht anzutreffen, obwohl am Neckarursprung ein Eldorado an Fröschen und Kröten als Leckerbissen zu finden ist.

Rund 110 Störchennester sind im Schwarzwald-Baar-Kreis zu entdecken. Gerade Bad Dürrheim mit seinen Teilorten Biesingen, Oberbaldingen, Unterbaldingen, Hochemmingen und Sunthausen sowie der Kernstadt sind gern genutzte Sommerresidenzen der Langrotschnäbler.

In diesen Tagen waren Störche in Bad Dürrheimer Zentralort schon dabei gewesen, unweit ihres Stammhorstes auf der Zehentscheuer in etwa 100 Meter Luftlinienentfernung einen Zweitwohnsitz auf dem Kindergarten St. Raphael gegenüber dem Alten Rathaus zu errichten. Das Zusammentragen und- flechten von Zweigen für das neue Nest durch die etwa 90 Zentimeter großen Vögel war schon recht weit fortgeschritten, als die Stadt das Vorhaben stoppte.

Der Nestneubau war von den Weißvögeln auf der so genannten Napoleon-Haube als Fundament platziert worden, die einer klassischen Piratenkopfbedeckung in Dreispitzform mit etwas fastnächtlicher Phantasie durchaus ähnelt. Im Rathaus waren Sicherheitsbedenken ob des Horstes aufgekommen, der Kinder bei einem Herunterfallen in große Gefahr hätte bringen können.

Vom Bad Dürrheimer Stadtbauamt wurden ob Entfernung des Nests im Vorfeld naturschutzrechtliche Aspekte mit dem Regierungspräsidium Freiburg abgeklärt. Von der Behörde gab es indes keine Bedenken für einen Rückbau.

Das Bauamt mit Simon Seyerle in Verantwortung, bat hernach unverzüglich und nonchalant die Bad Dürrheimer Feuerwehr um Amtshilfe. Die Floriansjünger rückten dann am Dienstagnachmittag mit einem Drehleiterfahrzeug schnell an und entfernten das Gefahrenpotenzial für die kleinen Erdenbürger erfolgreich.