Die Bahnverbindungen, die über die Zollernalb verkehren, schneiden im „bwegt-Qualitätsranking“ vergleichsweise gut ab. (Symbolfoto) Foto: Gern

Wie schneiden die Bahnverbindungen zwischen Hechingen und Gammertingen (RB 68) sowie zwischen Tübingen und Sigmaringen (RB 66) im Qualitätsranking ab? Ein Überblick.

Unpünktlich, dreckig, teuer – der öffentliche Personennahverkehr auf der Schiene hat bei vielen Menschen – insbesondere im ländlichen Raum – einen schlechten Ruf. Doch was sagen die Fakten?

 

Darüber Auskunft gibt für fast alle Vertragsnetze im Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg das sogenannte „bwegt-Qualitätsranking“, das auf Initiative des Landesverkehrsministerium halbjährlich erscheint. Dieses umfasst auch die zwei Bahnverbindungen, die den Zugverkehr im Zollernalbkreis maßgeblich prägen. Nämlich die Linie RB 66, die zwischen Tübingen und Sigmaringen verkehrt (Vertragsnetz ZAB-01) und die Linie RB 68, die Hechingen und Sigmaringen miteinander verbindet (Vertragsnetz ZAB-02). Beide Linien werden von der SWEG betrieben.

Fünf Kategorien

Jüngst sind die Zahlen des Qualitätsrankings für das zweite Halbjahr 2024 erschienen. Untersucht werden die Elemente Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Zugkapazität, Sauberkeit und Gesamtzufriedenheit. Aus diesen Faktoren wird letztlich eine Gesamtbewertung gebildet.

Vorneweg kann gesagt werden. Im Baden-Württemberg-Vergleich sind die beiden Bahnverbindungen, die die Zollernalb durchqueren, vorne mit dabei. Die Linie RB 68 erreicht Rang sechs, die Linie RB 66 ist knapp dahinter auf Rang 9. Für beide Bahnlinien ist dies im Vergleich zum vorangegangenen Halbjahr eine Verbesserung. (ZAB-01 war im ersten Halbjahr 2024 auf Platz elf; ZAB-02 auf Platz zehn). Insgesamt führt das Ranking 33 Vertragsnetze auf.

Gesamtbewertung

Positiv für die beiden SWEG-Linien: Sowohl die Verbindung RB 66 als auch die Verbindung RB 68 haben in der Gesamtbewertung im zweiten Halbjahr an Punkten zugelegt. Die Linie von Hechingen nach Gammeringen um 7,52 Punkte auf 72,91 Punkte und die Anbindung zwischen Tübingen und Sigmaringen um 1,05 Punkte auf 56,59 Punkte (maximal waren 100 Punkte zu erreichen). Dabei ist laut „bwegt-Qualitätsranking“ das Qualitätsniveau im zweiten Halbjahr eines Jahres durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel ein gestiegenes Baustellengeschehen, Hitzeperioden oder das Erreichen der festgesetzten Jahresarbeitszeiten von Personal üblicherweise schlechter als im ersten Halbjahr.

Zuverlässigkeit

Mit der wichtigste Faktor bei Fahrgästen ist die Zuverlässigkeit der Bahnverbindung. Diese Quote lag bei der Linie RB 66 bei 99,87 Prozent; bei der Linie RB 68 bei 99,44 Prozent. Manchem mag der Wert hoch vorkommen. Dazu gesagt werden muss, dass nur Zugausfälle berücksichtigt wurden, deren Ursache im Verantwortungsbereich des Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) liegt. Darunter fallen überwiegend fahrzeug- oder personalbedingte Ausfälle. Ausfälle, die außerhalb des Einflussbereichs des EVU liegen wie Streiks, Baustellen, Unwetter oder Unfälle werden hingegen nicht berücksichtigt.

Pünktlichkeit

Bei der Pünktlichkeitsquote sorgt das Netz ZAB-02 mit 93,58 Prozent für einen stark verbesserten Wert, das Netz ZAB-01 schneidet mit 78,5 Prozent ab. Wie kommt die Zahl zustande? In die Statistik fließen sowohl vom EVU selbstverschuldete Verspätungen, beispielsweise durch Türstörungen, als auch vom EVU nicht beeinflussbare Verspätungen, zum Beispiel durch Signalstörungen, ein. Für die meisten Vertragsnetze gelte ein Zug dann als pünktlich, wenn er maximal 3:59 Minuten später als durch den Fahrplan vorgegeben ankommt. Die Pünktlichkeitsquote ergebe sich als prozentuales Verhältnis aus der Anzahl der als pünktlich gemessenen Ankünfte zu allen Ankünften.

Hinsichtlich der Pünktlichkeit zeigt die Kurve zumindest bei der Verbindung Tübingen-Sigmaringen nach unten. Im ersten Halbjahr 2024 lag sie noch bei 84,4 Prozent; im ersten Halbjahr 2021 sogar bei 91,08 Prozent. Dieser Vergleich hinkt laut Qualitätsbericht aber. Denn: Die guten Pünktlichkeitswerte aus 2021 seien „mitverursacht durch die Corona-Pandemie, in der weniger Fahrgäste unterwegs waren und es weniger Baustellen gab als 2024“, worden.

Sauberkeit

Wichtig ist für viele Passagiere auch die Sauberkeit in den Zügen. Die Linie RB 68 holt hier 87,47 Punkte, die Linie RB 66 86,95 Punkte. Kontrolliert wurden unter anderem stichprobenartig die Scheiben, die Fußböden, der Innenraum der WC-Anlagen, die Abfallbehälter, Wände, Haltestangen und Gepäckablagen sowie die Außenhaut der Fahrzeuge.

Bilanz

Nicht immer seien die Betreiber alleine Schuld an den Missständen im Schienennahverkehr, wie im Fazit des Qualitätsrankings erläutert wird. Genannt werden Infrastrukturmängel, viele und kurzfristige Baustellen oder Personalmangel. Viele Ursachen für Qualitätsmängel lägen aber nach wie vor im Verantwortungsbereich der Betreiber.

Abschließend heißt es, dass nach dem bisherigen Tiefpunkt, dem zweiten Halbjahr 2022, die Entwicklung insgesamt nach oben zeige. Außer bei der Sauberkeit der Züge, wozu „vertiefter Austausch mit den EVU gesucht werden soll“. Auch bei den übrigen Qualitätskriterien bestehe Verbesserungsbedarf. Das Land verfolge die Daten und schaffe unter anderem finanzielle Anreize für gute Qualitätswerte. Dies solle im Laufe des Jahres 2025 wirksam werden und sich bis 2026 auch in den Daten zur Qualitätslage niederschlagen.